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Drei Fragen an Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann

Franz J. Sauer

Nachdem Nationalbank Gouverneur Robert Holzmann auch in Krisenzeiten nur Gesunde überleben lassen will, hat der WIENER in guter, alter Josef-Cap-Manier drei Fragen an ihn.

Lieber Herr Holzmann. In mehreren Interviews, etwa in diesem hier mit dem „Standard“ und auch im Ö1 Mittagsjournal des 19. März betonen Sie, wenn es um die derzeit dringend benötigten Unterstützungsgelder für von der Corona-Krise betroffene Unternehmen (von klein bis groß) geht, dass es nicht Ihrer Meinung entspricht, diesen mittel- bis langfristig helfen zu sollen.

Zitat etwa (der Standard): „Von Insolvenzen sind wir in Österreich noch entfernt, und Insolvenzen gehören auch in guten Zeiten zur Wirtschaft dazu. Dieser Ansatz ist problematisch, denn er macht keinen Unterschied zwischen Unternehmen, die sowieso nicht überlebt hätten, und denen, die schon überlebt hätten. Diese Hilfe ist ein Fehler, weil damit die Reinigungskräfte nicht wirken können. Sie würde verhindern, dass man aus diesem Loch gestärkt herauskommt.


Oder (Ö1): „Wenn es darum geht, die zukünftige Finanzierung Österreich sicherzustellen, ist es notwendig daran zu denken, die zukünftige Belastung in Grenzen zu halten. (…) ich bleibe bei dieser Aussage im Sinne, dass man immer die ökonomische Vernunft walten lassen muss. (…) Es ist wichtig, im Moment sehr stark einzuschreiten, aber das Heute heißt nicht das Morgen. Das heißt, dass man die Krise verwenden muss, die Reformen, die angedacht wurden, weiterzuführen. Und das heißt auch, dass man vom Gießkannenprinzip zum Selektionsprinzip übergehen muss.“

Dazu hätten wir nun 3 Fragen

Frage 1 an Robert Holzmann

Bitte um Ihre persönliche Einschätzung zu folgendem Szenario: In ein, zwei Wochen muss ein knapp über 71jähriger, möglicherweise leicht adipöser Firmenlenker aufgrund einer schwer verlaufenden Corona-Erkrankung Spitalshilfe in Anspruch nehmen. Nach einigen Tagen verschlechtert sich sein Zustand und er braucht intensivmedizinische Hilfe. Noch gibt es aufgrund der gut greifenden Regierungsmaßnahmen genug Intensivbetten, auch für den genannten Mann (Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig) wäre eines verfügbar.

Foto © Österreichische Nationalbank

Allerdings kommen hier ein paar Faktoren zum Tragen: Hätte der Mann, eindeutig in die Jahre gekommen, sich kaum schonend, weil voll berufstätig und aufgrund seines Erscheinungsbildes mutmaßlich auch kein wirklich hochsportlicher und gesund lebender Mensch, ohne Corona-Erkrankung noch lange gelebt? Oder hätte ihn sowieso demnächst ein Herzinfarkt dahingerafft? Ausserdem: Wie ist das Wirken eines über 70jährigen, der trotz Warnung und obwohl er der Risikozielgruppe angehört noch voll seinen Job ausübt, für die Gesellschaft nach der Krise ausschlaggebend? Brauchen wir den wirklich noch? Zumal ja vielleicht die Fälle noch weiterhin ansteigen, die Intensivbetten bald mal ausgehen.

Also sollten wir das nämliche Bett, dass der obengenannte belegt, nicht lieber für einen jüngeren Patienten, von dem wir gesamtgesellschaftlich sicherlich noch länger etwas haben werden, frei halten?

Frage 2 an Robert Holzmann

Da Sie sicherlich wissen, worauf die erste Frage gemünzt war und nun vermutlich empört darauf hinweisen, dass es wohl Unterschiede zwischen der Rettung eines Menschenlebens und der Rettung von maroden Unternehmen gibt, möchten wir Sie folgendes fragen: Waren Sie persönlich schon einmal in Ihrem Leben davon betroffen, als Unternehmer über die Runden kommen zu müssen?

Foto © Österreichische Nationalbank

Wenn man Ihren Wikipedia-Eintrag verfolgt, war dies nicht der Fall. Zunächst waren sie bei der OECD in Paris beschäftigt, dann beim IWF in Washington. Seit 1990 nehmen Sie diverse Professoren-Tätigkeiten in Wien, Deutschland und sonstwo wahr – stets angestellt – . als Senior-Vice-President der Weltbank waren Sie wohl auch angestellt. Zwar waren Sie fast immer in leitender Funktion, aber noch nie als Eigentümer tätig oder irgendwie mit Verantwortung im Sinne einer persönlichen, finanziellen Haftung für Ihr Tun ausgestattet.

Können Sie es sich also ansatzweise vorstellen, was es für einen Kleinunternehmer bedeuten könnte, pleite zu gehen? Haben Sie den Ansatz einer Ahnung davon, was es heißt, auf eigenen Füßen stehen zu müssen, für sein Fortkommen (und schlimmstenfalls das seiner Mitarbeiter) höchstpersönlich verantwortlich zu sein? Und letztlich, wenn das Unternehmen, die Firma, das Geschäft, das EPU, die Großfirma, die man aufgebaut hat, pleite geht – was das für einen Menschen, dessen Lebenswerk einfach flöten geht, auch abseits der meist damit verbundenen finanziellen Misere bedeuten kann?

Frage 3 an Robert Holzmann

Sie verdienen als Gouverneur der Nationalbank gut 300.000 Euro im Jahr, wie ein Artikel des Standard aus dem Jänner 2019 erklärt. Netto sind das laut Brutto-Netto-Rechner des Finanzministerium rund 170.600 Euro pro Jahr oder 11.280 Euro im Monat, Nebenverdienste nicht mitgerechnet. Den Staat als Ihren Arbeitgeber kostet das monatlich gut 24.500 Euro oder 342.000 Euro im Jahr.

Foto © Österreichische Nationalbank

Wäre es nun in Zeiten, wo wir alle die Gürtel ein bißchen enger schnallen müssen (weil, wie wir Ihren Interviews entnehmen, ist das halt mal so in Krisenzeiten) nicht nett und solidarisch, wenn Sie Ihr Jahresgehalt zur Unterstützung für EPUs und KMUs, denen es jetzt nicht nur nicht gut, sondern an den Kragen geht, einmalig auf die Hilfsgelder drauflegen?

Als guter Ökonom, der Sie ja unbestritten sind, haben Sie ja in den letzten 30 Jahren, wo sie stets gut verdienten, sicherlich fein und gut gewirtschaftet und privat, also sozusagen als „Mikroökonomie“, jene Rücklagen geschaffen, die man laut ihrer Aussagen eben braucht, um als Unternehmen solide genug aufgestellt zu sein, um in der derzeitigen Situation rettungswürdig und auch weiterhin überlebensfähig zu sein.

Wir versprechen, etwaige Antworten von Ihnen in vollem Umfang und ungekürzt wie unbearbeitet zu veröffentlichen, gerne per Email an: franz.sauer@wiener-online.at