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Nina C. Gabriel – Zwei Seelen, eine Muse

Wenn du jemandem immer nur im Netzwerk begegnest, sie dann aber leibhaftig wird. Ein intimer Talk mit der Wiener ­Theatermacherin Nina C. Gabriel.

Foto: Ludwig Drahosch

„Ohne Kunst und Kultur wird’s still.“ Der Satz ist im Netzwerk omnipräsent, gleich unter dem Konterfei der Netzwerker, wenn auch nicht auf der Seite von Nina C. Gabriel. Sie ist busy, wie es eben ist, wenn sich in deinem Portfolio Begriffe wie Theaterschauspielerin, Regisseurin, Autorin und Theaterintendantin tummeln. Mach Lockdown, sperr die Theater zu, spende ein Hungertuch und verhöhne Betroffene als „kulturverliebt“ – die soziale Distanz kannst du haben, Kurz, die Künstlerseele kriegst du nicht, so to speak. Ja, sagt Ms Gabriel, „der Mann ist kalt, er hat mit Kultur nichts am Hut. Die kleinen Häuser verschwinden. Anno Kreisky gab es in Wien noch 80 kleine Theater.“ Das Wiener Ateliertheater Reloaded, das sie mit ihrem Partner Ludwig Drahosch leitet, ist so ein kleines Haus. Es erfordert ein Kämpferherz, das ihr allerdings quasi in die Wiege gelegt wurde. Ms Nina wurde in das kommunistische Bulgarien geboren, als jüngster Spross einer antikommunistischen Familie. So was macht zäh. Im September 1989 flüchtete sie mit ihrer Mutter nach Wien, eine andere Art Härte, „wenn du die Heimat verlässt, musst du kämpfen“ (Gabriel). Stationen: mit 19 Aufnahme ins Franz-Schubert-Konservatorium, mit 21 erste Hauptrolle am Theater der Jugend. Etliche Rollen und geschriebene Stücke folgten. Apropos: Das Foto auf dieser Seite stammt vom Drahosch/Gabriel-Film „Faust“. „Zwei Seelen wohnen, ah, in meiner Brust“, lacht Ms Nina, und es muss hier wohl angemerkt werden, dass sie eine immens sinnliche Ausstrahlung hat. Ja, sagt sie, „ich hab Spaß an Sinnlichkeit, das Thema Muse war immer aktuell“, und nicht nur das, sie pocht auch auf die Präsenz eines inneren Mannes, mit einem Twist: „Mein innerer Mann hat Lust an meiner äußeren Frau.“ Tja, und bei diesem Satz verlor der Redakteur hier ein wenig den Faden, hm, was gibt’s noch zu sagen, irgendwelche Pläne für 2021? Nein, sagt sie, planen bringt nichts, tatsächlich sei es so, dass alle Pläne für 2020 aufs nächste Jahr verschoben wurden. „Wir haben alle Texte gelernt, wir probten etwa Shakespeares ‚König Johann‘, hatten die erste Aufführung, dann war Sense. Es fühlte sich an wie ein Koitus interruptus.“ Ein Begriff, den nunmehr wohl jeder Mensch versteht, er ist ja soo 2020.


Info:
Faust, der Film, by Drahosch/Gabriel, mit Nina C. Gabriel als Mephisto und Frau im Spiegel: vimeo.com/374365574
König Johann interrupted: www.wortwiege.at/projekt/koenig-johann
Ateliertheater Wien: www.ateliertheater.net