Zum Peckerl gibt’s Death Metal
Die Wildstyle & Tattoo Messe kommt am 5. und 6. September 2026 in die Wiener Stadthalle und bringt zwei komplette Konzerte mit, die im Eintritt bereits enthalten sind: Belphegor am Samstag, Destruction am Sonntag.

Am Vorplatz kocht zeitgleich das European Street Food Festival, bei freiem Eintritt.
Es gibt in dieser Stadt Menschen, die tragen seit dreißig Jahren denselben Drachen am Oberarm. Der Drache hat zwei Ehen überstanden, vier Übersiedlungen und die vollständige Karriere jenes Tribal-Musters, das in den Neunzigern für die Ewigkeit gedacht war. An den Rändern ist er mittlerweile ein bissl verwaschen. Er ist trotzdem noch da.
Wer so etwas mit sich herumträgt, weiß etwas über Verbindlichkeit, das dem Rest von uns abhandengekommen ist. Man kann ein Abo kündigen, eine Wohnung aufgeben, eine Meinung revidieren. Ein Peckerl bleibt.
Ungefähr so alt wie dieser Drache ist die Wildstyle & Tattoo Messe. Seit 1995 zieht sie durch Österreich, und wenn sie Anfang September wieder in der Wiener Stadthalle Station macht, ist sie älter als die meisten Tätowierungen, die dort herumlaufen. Wir waren 2019 dort und 2020 zum Fünfundzwanziger. Kleiner ist sie seither nicht geworden.
Zwei Bands, kein Aufpreis
Bemerkenswert ist heuer die Musik, und zwar aus einem kaufmännischen Grund. Die Messe hat sich zwei Konzerte dazugeholt, und nicht die üblichen zwanzig Minuten zwischen zwei Showacts, sondern reguläre Sets in voller Länge. Am Samstag spielt Belphegor, jene österreichische Formation, die seit den frühen Neunzigern die Frage beantwortet, wie schwarz Death Metal sein darf. Am Sonntag folgt Destruction, Thrash-Metal-Urgestein aus Deutschland, seit den frühen Achtzigern im Geschäft.

Im Vorprogramm steht an beiden Tagen Frank Blackfire mit Band und spielt Best-of-Sets aus jenen zwei Katalogen, an denen er selbst mitgeschrieben hat: Sodom und Kreator. Der eigentliche Punkt daran ist aber der Preis. All das steckt im Messeticket. Wer Belphegor sonst sehen will, zahlt dafür einen eigenen Abend.

Freakshow, im Wortsinn
Daneben läuft weiter, wofür die Messe eigentlich bekannt ist. The Enigma, am ganzen Körper mit Puzzleteilen tätowiert und seit Jahrzehnten unterwegs. Andrew S. mit seiner Swing Shift Side Show. Dazu Akrobaten, Showgirls und ein Non-Stop-Programm auf der Showbühne, das keine Rücksicht darauf nimmt, ob man gerade eine Pause bräuchte.

Das ist Geschmackssache und will es auch sein. Wer Tätowierungen für eine Modeerscheinung hält, wird hier nicht überzeugt werden. Wer sie für Handwerk hält, findet zwei Tage lang Leute, die es können.
Draußen wird gekocht
Am Vorplatz der Stadthalle E steht zeitgleich das European Street Food Festival, und zwar bei freiem Eintritt. Man muss also gar nicht auf die Messe, um dort zu essen. Man kann auch nur vorbeikommen, sich durchprobieren und wieder gehen, ohne je eine Nadel gesehen zu haben. Wir haben dieses Prinzip schon 2019 beschrieben, und es hat sich als eines der ehrlicheren Gastro-Formate der Stadt gehalten.

Die Kombination bleibt eigenartig, und vermutlich funktioniert sie genau deshalb. Draußen stehen Familien mit Pulled Pork in der Hand. Drinnen dröhnen Blastbeats. Dazwischen liegen zwanzig Meter und ein Türsteher.
Wildstyle & Tattoo Messe 2026 im Überblick
Wann: Samstag, 5. September 2026, 12 bis 24 Uhr, und Sonntag, 6. September 2026, 12 bis 20 Uhr.
Wo: Wiener Stadthalle. Das European Street Food Festival am Vorplatz der Halle E.
Live: Belphegor am Samstag, Destruction am Sonntag, im Vorprogramm jeweils Frank Blackfire & Band. Die Konzerte sind im Messeticket enthalten.
Eintritt: Laut Veranstalter 25 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr für Messe und Konzerte. Das European Street Food Festival ist frei zugänglich.
Web: wildstyle.at und streetfood-festival.eu
Der Drache vom Anfang war auch einmal nur eine Entscheidung an einem Samstagnachmittag. Dreißig Jahre später ist er Biografie.





