Wo Uhrmacher wachsen
Sinn Spezialuhren in Frankfurt hat im September 2026 drei neue Uhrmacher-Lehrlinge begrüßt. Damit lernen derzeit acht junge Menschen in der Lehrwerkstatt der Manufaktur, drei Absolventen haben ihre Ausbildung gerade abgeschlossen und bleiben im Betrieb.

Auf dem Foto der Erstjahrler stehen drei junge Leute in weißen Kitteln, neben ihnen auf der Werkbank zwei alte Standuhren mit Zifferblättern, die sichtlich schon einiges erlebt haben. Das Bild sagt mehr über diese Ausbildung als jede Pressefloskel: Wer Uhrmacher wird, lernt zuerst, was Zeitmessung früher war, und erst dann, was sie heute kann. Das Handwerk verlangt, so die Manufaktur, breite Kenntnisse von historischen bis zu elektronischen Zeitmessgeräten, dazu Theorie, handwerkliche Fertigkeit sowie Restaurierung und Wartung.
Drei Jahre, drei Stationen
Die neuen Lehrlinge sind am 1. September 2026 gestartet. Nach der Vermittlung der Grundkenntnisse beginnen sie gleich mit dem Projekt Großuhr. Im zweiten Lehrjahr wird dieses Projekt fertiggestellt, außerdem unterstützen die Auszubildenden unter Anleitung erfahrener Uhrmacher den Neuuhrenbau in der Produktion. Das dritte Jahr führt sie im Kundendienst tief ins Handwerk, wieder mit erfahrenen Kollegen an der Seite, und bereitet auf die Prüfung vor.
Zweites und drittes Lehrjahr sowie das gesamte Ausbildungsteam 2026/27. Fotos: © Sinn Spezialuhren
Drei Abschlüsse, drei Großuhren
In diesem Jahr haben George Malaki, Attila Banjai und Jonas Henrich ihre Ausbildung bei Sinn Spezialuhren erfolgreich abgeschlossen, alle drei wurden übernommen. Mit dem Abschluss endet auch das Projekt Großuhr, in dem sie ihr handwerkliches Können und ihr Fachwissen unter Beweis stellten. Entstanden sind drei Großuhren, Gemeinschaftsarbeit und Prüfstück zugleich.
Wettbewerbe und Meisterbrief
Inhaber Lothar Schmidt hat die Förderung traditioneller Handwerkstechniken als eines von sechs Unternehmenszielen festgeschrieben. „Seit Jahren bilden wir Uhrmacherinnen und Uhrmacher aus. Wir fördern ihre Weiterbildung und Qualifizierung bis hin zum Meisterbrief“, sagt er. Die Erfolge geben ihm recht: Mehrfach wurden Sinn-Auszubildende als Kammer- oder Landessieger in Hessen ausgezeichnet, zuletzt gewann Johannes Boenkendorf 2025 den Bundeswettbewerb im Uhrmacherhandwerk und trägt seither den Titel „Bundessieger im Uhrmacherhandwerk“. Ausbildungsleiterin Jessica Schmitt nennt als Basis die hohen Standards im Haus: eine modern ausgestattete Lehrwerkstatt und ein eigener Arbeitsplatz für jeden Auszubildenden. Es handle sich, so die Manufaktur, um ein Handwerk, das die UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat.
Wechsel in der Ausbildungsleitung
Auch an der Spitze der Lehrwerkstatt stellt Sinn die Weichen. Ben Moroff wird stellvertretender Ausbildungsleiter und folgt Hermann Müller nach. Er hat seine Ausbildung selbst bei Sinn absolviert und kennt Beruf wie Unternehmen aus eigener Erfahrung, die er nun an die nächste Generation weitergeben soll. Der Betrieb sorgt damit dafür, dass Wissen und Erfahrung nicht mit dem Ruhestand aus der Werkstatt verschwinden.
Die alten Standuhren auf dem Werktisch haben Geduld. Der Nachwuchs, der sie wieder zum Laufen bringen wird, sitzt bei Sinn jetzt am eigenen Arbeitsplatz.




