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KULTUR

Siebenschläfer stellen den Wecker

Das Theater Heuschreck spielt im Advent wieder „Von Engerln und Bengerln“, ein Weihnachtsmusical für Kinder ab zweieinhalb Jahren. Ab Mitte November läuft das einstündige Wintermärchen in Wien und Niederösterreich, mit Live-Charme, Ohrwurm-Refrain und einer Fee namens Fünklein.

Von Redaktion · 4. November 2026 · 4 Min. Lesezeit
Von Engerln und Bengerln im Theater Heuschreck: ANNA Hnilicka und Raphael Infanger auf der Bühne
Saison 2022: ANNA Hnilicka mit Raphael Infanger. © Theater Heuschreck

Es gibt Kinder, die man im Dezember nicht wecken muss. Sie stehen um sechs Uhr früh im Pyjama vor dem Adventkalender und verhandeln über das Türl von morgen. Und es gibt Siebenschläfer, die das ganze Fest seit Generationen verpennen. Genau um die geht es hier: Penelop und Emanuel, zwei Siebenschläferkinder, werden mitten im Winterschlaf von einem Wecker aus den Federn geholt. Das Onkelchen hat ihn gestellt, damit die beiden zum ersten Mal Weihnachten erleben.

Das ist ungefähr so, als würde man einem Kind, das noch nie Schnee gesehen hat, eine Rodel in die Hand drücken. Die Aufregung ist entsprechend. Die Wunschbriefe sind verschwunden, also muss Fünklein, die Weihnachtsfee, sie geholt haben. Und weil bei Siebenschläfers kein Fest ohne Flötenkonzert stattfindet, wird geprobt, bis die Nerven blank liegen.

Flöten, Streit und eine Fee

Was dann passiert, kennt jede Familie, die schon einmal ein Weihnachtsständchen für die Großeltern einstudiert hat: Es geht beinahe alles schief. Die Proben eskalieren, die Geschwister geraten aneinander, das Fest wackelt. Fünklein rettet es im letzten Moment, und zwar nicht mit Zauberstaub, sondern indem sie die Streithansln versöhnt. Mehr muss man über den Plot nicht wissen, die Kinder im Publikum wissen es ohnehin früher als die Figuren.

Idee, Buch und Songtexte stammen von ANNA Hnilicka, die das Theater Heuschreck 1985 gemeinsam mit WILO Kamenicky gegründet hat. Die Musik schrieb Anatoliy Olshanskiy, das Bühnenbild baute Klaus Stephan, die Kostüme entwarf Maria Fürnkranz-Fielhauer. Das Stück ist seit 2007 im Repertoire und kommt Jahr für Jahr wieder, was bei Kindertheater ein ziemlich verlässliches Gütesiegel ist: Wer Vierjährige eine Stunde lang bei der Stange hält, hat etwas richtig gemacht.

Von Engerln und Bengerln im Theater Heuschreck: ANNA Hnilicka und Raphael Infanger auf der Bühne
Saison 2022: ANNA Hnilicka mit Raphael Infanger. Die Autorin steht in ihrem eigenen Stück selbst auf der Bühne. © Theater Heuschreck

Wer ist hier eigentlich schlimm?

Hinter dem Glitzer steckt eine Frage, die man Erwachsenen öfter stellen sollte als Kindern: Gibt es überhaupt ein schlimmes Kind? Oder ein braves? Die Heuschreck-Antwort ist so einfach wie unbequem. In jedem stecken ein Engerl und ein Bengerl, und beide haben ihre Berechtigung. Wer ein Kind dauerhaft als „schlimm“ abstempelt, nimmt ihm den eigenen Wert, bis es selbst daran glaubt. Umgekehrt gilt dasselbe für die Musterkinder.

Fünklein steht im Stück für das Allerbeste, das in jedem steckt und das man erst sieht, wenn man ohne Vorurteil hinschaut. Klingt nach Pädagogik, ist es auch. Das Theater stellt Kindergärten und Volksschulen ein Arbeitsblatt zur Verfügung, auf dem die Kleinen vorab abwechselnd Engerl und Bengerl spielen sollen. Wer das je mit einer Gruppe Fünfjähriger probiert hat, weiß, welche Rolle schneller besetzt ist.

Wann und wo läuft das Stück?

„Von Engerln und Bengerln“ dauert 60 Minuten und richtet sich an Kinder von zweieinhalb bis acht Jahren, also Kindergarten- und Volksschulalter. Gespielt wird an mehreren Familien-Spielorten in Wien und Niederösterreich, darunter der Lorely-Saal in Penzing, die Urania am Donaukanal, das Studio Molière im Alsergrund, der Stadtsaal Purkersdorf und der Kultursaal Obersdorf bei Wolkersdorf. Dazu kommen eigene Vorstellungen für Kindergärten und Schulen.

Praktisch für alle, die ihr Kind zum ersten Mal ins Theater mitnehmen: Bei Heuschreck dürfen die Kinder ganz vorne sitzen, wer sich nicht traut, bleibt bei Mama, Papa, Oma oder Opa. Die Tageskassa öffnet eine Stunde vor Beginn, Einlass ist etwa eine halbe Stunde vorher. Nach jeder Vorstellung wird ein Gewinn verlost, und wer dreimal kommt, bekommt auf der Treuekarte eine Überraschung. Das Hörspiel zum Stück gibt es als CD und Download, falls der Refrain „Engerl, Bengerl haben wir so lieb“ zu Hause in die Verlängerung gehen soll. Er wird.

Wer den Advent lieber außerhalb der eigenen vier Wände verbringt, findet bei uns auch einen Advent mit Seeblick in Konstanz. Für die Siebenschläferkinder aber gilt: Wecker stellen, aufstehen, hingehen. Einmal im Jahr zahlt es sich aus.

Von Engerln und Bengerln – Theater Heuschreck

Was: Weihnachtsmusical, Idee & Buch ANNA Hnilicka, Musik Anatoliy Olshanskiy
Für wen: Kinder von 2,5 bis 8 Jahren und ihre Begleitung
Dauer: 60 Minuten
Familien-Termine (Auswahl): 21. 11., 16 Uhr, Kultursaal Obersdorf (Hauptstraße 56, 2120 Wolkersdorf) · 29. 11., 14.30 Uhr, Urania (Uraniastraße 1, 1010 Wien) · 4. 12., 16 Uhr, Stadtsaal Purkersdorf (Bachgasse 10, 3002 Purkersdorf) · 5. und 12. 12., 14.30 Uhr, Lorely-Saal (Penzinger Straße 72, 1140 Wien) · 6. 12., 14.30 Uhr, Studio Molière (Liechtensteinstraße 37A, 1090 Wien)
Tickets & alle Termine: heuschreck.at, Telefon 01/523 91 80 (Mo–Fr, 9–14 Uhr)