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Der Opernball ist ein Hit

Franz J. Sauer

Der Höhepunkt des Wiener Fasching ist ein derart tolles Fest, dass selbst die Pressekonferenz ein Monat zuvor so glamourös daherkommt wie früher eine Samstagabend-Fernsehshow. Aber der Opernball räumt auch heute noch die meisten Quoten ab.

Als Mark Knopfler anno 1980 Springsteens genialen Pianisten Roy Bittan ins Studio holte, um die Dire Straits bei der Entstehung ihres dritten Albums „Making Movies“ zu unterstützen, war es angeblich der E-Street-Keyboarder, der die Idee brachte, den Song „Tunnel Of Love“ mit einem Sample aus „The Carousel Waltz“ von Rodgers and Hammerstein vom Stapel laufen zu lassen. Anderen Quellen zufolge war das wiederum einer der letzten Mosaiksteine für das große Zerwürfnis zwischen Knopfler und seinem Bruder David, der in dem schwungvollen Intro einen weiteren Schritt zur Kommerzialisierung „seiner“ Band sah, bei der er nicht mitziehen wollte. Noch während der Aufnahmen zu Making Movies zerstritten sich die Brüder final und David Knopfler verließ die Band. Tunnel Of Love wurde jedenfalls ein veritabler Hit der Band.

Heuer wird „The Carousel Waltz“ aus dem Musical „Carousel” von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II ein wichtiger Bestandteil der künstlerischen Eröffnung des Opernballes sein, wie Direktor Bogdan Rośčić bei der Pressekonferenz im noblem Mahlersaal der Staatsoper bekanntgab. Arrangiert von Don Walker, wird das Staatsopernballett dies in Kostümen von Giorgio Armani choreografiert von Jessica Lang inszenieren. Es gehört mehr Musical ins Haus am Ring, konstatiert der Direktor.

Das Organisations-Komitée des Opernball: Susanne Athanasiadis, Maryam Yeganehfar, Direktor Bogdan Rośčić und Birgit Reitbauer

Wer sich mit der bisherigen heimischen Karriere des Kulturmanagers auskennt, weiß dass er grundsätzlich kein Problem mit Kommerzialisierungen aller Art hat. Aber was den Radiosender Österreich 3 nach Ansicht vieler heimischer Kulturschaffender einst letal entkernte, steht dem in Ehren ergrauten Haus am Ring ganz gut zu Gesicht, zumal bei einer Veranstaltung wie dem Opernball. Von dessen lustwandlerischem Wesen, oder zumindest jenem, das ihm manche seiner, naserümpf, Gäste anheim lassen werden, sich Rośčić im Laufe der Pressekonferenz mehr als einmal humorvoll distanziert. Weitere Highlights der Eröffnung: Die Balkonszene („Tonight“) und der Superschlager „Maria“ aus Bernsteins West Side Story (es singen Pretty Yende, Benjamin Bernheim und Pablo Heras-Casado, allesamt Sängerinnen und Sänger, die in einem Alter sind, wo man „beginnt, zu ernten“, so der Hausherr), aber auch La Traviata (Verdi), Fächerpolonaise (Ziehrer) und diverse Walter von Johann Strauß Sohn stehen auf dem kurzweiligen Programm der Eröffnung, bevor „der Wahnsinn seinen Lauf nimmt“ (ebenfalls Rośčić). So weit, so Hit.

Der Opernball ist ja gewissermaßen ein Phänomen. Was sich schon allein darin manifestiert, dass er, alle Ausstrahlungen zusammengerechnet, alljährlich die meistgesehene Fernsehsendung des öffentlich rechtlichen Rundfunks darstellt. Alle lieben den Ball, alle wollen hingehen, mit ihm assoziiert werden, sonst wie vorkommen. Das Plakatsujet stammt vom kürzlich verstorbenen Arnulf Rainer, „Schwarzer Samt, rote Seide“ von 2001 wird im Umfeld der Veranstaltung versteigert, man hofft auf große Einnahmen zugunsten der karitativen Unternehmung „Österreich hilft Österreich“, wie übrigens auch zehn Prozent aller Gastro-Umsätze und 35 Euro pro (längst vergriffener) Eintrittskarte für die gute Sache abgehen. Man unterstützt damit all jene, die eher keine Möglichkeit haben, einem Ball wie diesem beizuwohnen, so der Direktor.

Organisiert wird das Fest von Susanne Athanasiadis (ehemals Ö3, unter anderem …), die stolz konstatiert, den Wiener Opernball 2026 erstmals als „Green Event“ nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für Green Meetings und Green Events durchzuführen. Ihr zur Seite stehen abermals Birgit Reitbauer (Kulinarik) und Maryam Yeganehfar (Gestaltung), die gemeinsam mit Florist Emil Doll einen erfrischend unaufgeregten Stil für Blumenschmuck dergleichen aufruft. Als Cateringpartner treten neben Steirereck & Friends Ströck-Feierabend, Gerstner, Zum Schwarzen Kameel, der Club Kleinod sowie die Nobelbar Tür 7 auf, ein Paar Würstel gibt es ebenso wie die berühmte Gulaschsupe oder auch den Veganen Linseneintopf (alles serienmäßig mit Handsemmel ausgestattet) um wohlfeile 18 Euro. Und auch bei den anderen Partnerschaften für Mode, Schmuck und dergleichen wird nicht mit Name-Droppings gespart. Weder bei der Pressekonferenz noch in der -mappe.  

Eine spezielle Rolle spielt freilich die Tiara, also der Kopfschmuck der Debütantinnen, seit 70 Jahren vertrauensvoll in die geschmackvollen Hände des Hauses Swarovski gelegt. Über 350 Kristalle zieren das gute Stück, das von Global Creative Director Giovanna Engelbert höchstselbst kreiert wurde. Ein exemplarisches Pärchen dreht in vollem Ornat sogar ein paar Walzerschritte durch den Mahler-Saal – die Kameras freuts.

Generell inszeniert sich bei einem Megafest wie dem Opernball selbst die Pressekonferenz als glamouröses Vorfest, nicht ganz zu Unrecht konstatiert ORF-Unterhaltungschef Martin Gastinger, man sollte vielleicht auch diese live übertragen. Der Moderator des Ganzen, der groß0artige Andy Knoll würde jedenfalls ganz alleine jede Fernsehshow tragen. Es ist eigentlich ein Wunder, dass noch keine internationale (private) TV-Station dieses Unterhaltungs-Juwel durch Überschüttung mit fantastilliardischen Beträgen vom ORF (und auch von, Sie erraten es, Ö3) weggelockt hat. Oder auch umgekehrt: ein Glück für uns.

Das ORF-Team Lilian Klebow, Georg Wagner-Trenkwitz, Teresa Vogl, Karl Hohenlohe sowie der einzigartig großartige Andy Knoll ganz rechts.

Der Ball? Wird jedenfalls ein Hit. So schloß auch der Knoll.