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Genuss trifft Kultur: Ein Sommer in Zagreb

Ein Sommer in Zagreb ist die entspannteste Art, Kroatien kennenzulernen: Wer auf dem Weg an die Adria zwei oder drei Tage in der Hauptstadt bleibt, findet zwischen Dolac-Markt, Open-Air-Klassik und der historischen Standseilbahn eine Stadt, die Genuss und Kultur ganz…

Von Gregor Josel · 22. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit
Der Zrinjevac-Park im Sommer in Zagreb, das grüne Herz der Unterstadt
Der Zrinjevac-Park ist das grüne Herz der Unterstadt von Zagreb. © Odalv

Ein Sommer in Zagreb ist die entspannteste Art, Kroatien kennenzulernen: Wer auf dem Weg an die Adria zwei oder drei Tage in der Hauptstadt bleibt, findet zwischen Dolac-Markt, Open-Air-Klassik und der historischen Standseilbahn eine Stadt, die Genuss und Kultur ganz ohne große Gesten verbindet.

Wer Zagreb verstehen möchte, beginnt den Tag nicht an der Markuskirche und auch nicht in einem Museum. Sondern am Dolac. Zwischen den markanten roten Sonnenschirmen kaufen die Zagreber seit fast hundert Jahren Obst, Gemüse, Käse und Blumen ein. Marktfrauen kennen ihre Stammkunden beim Namen, in den Cafés rund um den Markt wird der erste Kaffee getrunken und niemand scheint es eilig zu haben. Der Dolac ist kein Programmpunkt für Touristen. Er ist das Wohnzimmer der Stadt.

Von hier aus lässt sich Zagreb eigentlich am besten entdecken. Nicht nach einer Liste von Sehenswürdigkeiten, sondern Schritt für Schritt. Der Ban-Jelačić-Platz liegt nur wenige Meter entfernt, ebenso die Tkalčićeva ulica mit ihren Cafés und kleinen Lokalen. Wer weitergeht, landet irgendwann ganz automatisch in der Oberstadt.

Dabei fällt schnell auf, dass Zagreb ein anderes Tempo hat als viele europäische Hauptstädte. Niemand hetzt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Man bleibt auf einen Kaffee sitzen, verschwindet in einer kleinen Galerie oder biegt spontan in einen Innenhof ab. Genau darin liegt der Reiz dieser Stadt.

Rote Sonnenschirme über den Marktständen am Dolac-Markt in Zagreb
Am Dolac-Markt spürt man das echte Leben in Zagreb. © Stella Tzertzeveli

Eine Stadt, die man sich erschmeckt

Der Dolac-Markt ist nicht nur der richtige Ort für den ersten Eindruck, sondern auch für den zweiten und dritten. Zwischen den Marktständen zeigen sich die unterschiedlichen Regionen Kroatiens. Im Frühjahr dominieren Spargel und Erdbeeren, später folgen Tomaten, Paprika, Feigen und Trauben. Daneben verkaufen kleine Produzenten Honig, Käse, Kürbiskernöl oder Olivenöl.

Die Küche Zagrebs lebt genau von dieser Regionalität. Traditionelle Gerichte haben hier ebenso ihren Platz wie moderne Interpretationen. Klassiker wie Štrukli gehören genauso dazu wie zeitgemäße Bistros, die saisonale Zutaten in den Mittelpunkt stellen. Große Inszenierungen braucht es dafür nicht. Gute Produkte reichen oft völlig aus.

Der Botanische Garten in Zagreb
Der Botanische Garten in Zagreb. © Kristina Kutlesa

Kaffee gehört zum Tagesablauf

Wer in Zagreb einen Kaffee bestellt, sollte Zeit mitbringen. Die Terrassen rund um die Tkalčićeva ulica füllen sich schon am Vormittag. Viele Gäste bleiben deutlich länger als für einen schnellen Espresso. Man trifft Freunde, bespricht den Tag oder beobachtet einfach das Geschehen auf der Straße. Diese Kaffeekultur prägt das Stadtbild mindestens genauso stark wie historische Gebäude. Sie sorgt dafür, dass sich Besucher schnell mitten im Alltag wiederfinden und nicht nur zwischen Sehenswürdigkeiten unterwegs sind.

Cafétische vor dem Kroatischen Nationaltheater in Zagreb
Cafégenuss vorm Nationaltheater in Zagreb. © Julien Duval / Zagreb Tourist Board

Kultur findet unter freiem Himmel statt

Im Sommer spielt sich das kulturelle Leben nicht nur hinter Museumsmauern ab. Plätze, Parks und historische Innenhöfe werden zu Veranstaltungsorten. Das Festival Zagreb Classic verwandelte auch heuer den König-Tomislav-Platz wieder in einen Konzertsaal unter freiem Himmel. Besucher saßen auf den Grünflächen, während renommierte Orchester und Solisten klassische Musik spielten. Ein paar Straßen weiter sorgten Folkloregruppen, Tanzveranstaltungen und kleinere Konzerte dafür, dass Kultur in Zagreb nicht auf bestimmte Häuser beschränkt bleibt. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht den Unterschied. Musik begegnet einem beim Stadtspaziergang fast nebenbei.

Publikum beim Festival Zagreb Classic am König-Tomislav-Platz
Zagreb Classic am König-Tomislav-Platz. © Samir Cerić Kovačić

Zu Fuß unterwegs

Viele Wege in Zagreb sind erstaunlich kurz. Vom Ban-Jelačić-Platz geht es durch die lebendige Tkalčićeva ulica hinauf in die Oberstadt. Dort wechseln sich kleine Plätze, historische Fassaden und ruhige Gassen ab. Immer wieder öffnen sich Ausblicke über die Dächer der Stadt.

Die historische Standseilbahn verbindet Ober- und Unterstadt auf wenigen Metern und gehört zu den kürzesten öffentlichen Standseilbahnen der Welt. Oben angekommen warten die Markuskirche, kleine Ateliers, Buchhandlungen und Cafés. Es lohnt sich, einfach weiterzugehen, ohne ständig auf den Stadtplan zu schauen.

Die historische Standseilbahn zwischen Unter- und Oberstadt von Zagreb
Mit der Standseilbahn geht’s in die Oberstadt von Zagreb. © Arthur Hinton

Eine Hauptstadt ohne große Gesten

Zagreb versucht nicht, spektakulär zu sein. Vielleicht wirkt die Stadt gerade deshalb so angenehm. Sie setzt nicht auf Rekorde oder Selfie-Hotspots, sondern auf Plätze, an denen sich das Leben abspielt. Auf Märkte, Cafés und Parks. Auf Kultur, die selbstverständlich Teil des Alltags ist. Und auf eine Küche, die Regionalität wichtiger nimmt als Trends.

Wer auf dem Weg an die Adriaküste zwei oder drei Tage in Zagreb bleibt, lernt eine Seite Kroatiens kennen, die oft übersehen wird. Nicht laut und spektakulär. Sondern entspannt, genussvoll und voller Kultur.