STIL

Wird’s bald mit der Flucht in den Äther?

Bianca Benschitz

Je grimmer die Realität, desto stärker die Versuchung, sich in künstliche Welten zurückzuziehen.
Wie lang dauert’s eigentlich noch, bis ich den Nachrichten über Trump und Terror
endlich in mein Privatuniversum entfliehen kann? Ha?!

Der Antwort auf diese Frage näher kommen konnte man am 10. November beim 1. Futurezone Day, bei dem eines der Themen „Virtual Reality“ lautete. Keynote-Speaker Sven Tresp von Google Schweiz präsentierte zum Start des Tages virtuell begehbare Street View-Ansichten. Ein Versprechen von virtuellem Urlaub – das könnte bei andauernder Dauerkrise noch nützlich werden.

Google engagiert sich mit virtuellen Welten auch im Projekt „Expeditions“, das im Schulunterricht anstatt realer Schulausflüge eingesetzt werden kann. Die Richtung ist klar: Wald – Zoo – virtueller Wald … Aber billiger ist es allemal.

Gründe, ins Virtuelle zu fliehen, gibt es genug. Also warum tun wir’s nicht schon längst? Nun, abgesehen vom Preisschild der schönen neuen Welt: Einer erstaunlichen Anzahl von Menschen wird schnell schlecht, sobald sie mit einer VR-Brille dem Diesseits entfliehen wollen. Das menschliche Gehirn reagiert komisch, wenn der optische Reiz nicht mit der gefühlten Bewegung zusammenstimmt. Gute Technik mildert das Problem, aber eliminiert es bis dato nicht ganz. Zumindest für jene ein bis drei Prozent der Menschheit, denen im Bus oder in der Achterbahn immer schlecht wird. Die müssen weiterhin in den Zoo gehen, bummer!

Na gut, also wann jetzt endlich? Das hängt laut Experten nicht zuletzt von den Gamern ab. Gamer geben Geld für Systeme aus, die sie mögen. Was dann Investitionen der Hersteller nach sich zieht. Derzeit boomen allerdings eher mobile Games, die sind billig und können ortsunabhängig gespielt werden.

Und eine kleine Ablenkung von Trump und Terror sind die ja schließlich auch.