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Der Karajan-Fuhrpark

Franz J. Sauer

Vor 50 Jahren gründete Herbert von Karajan die Salzburger Osterfestspiele. Die Vorfahrt vorm Festspielhaus war dabei zeitgleich ein Schaulaufen für exklusive Rennfahrzeuge, für die der Maestro privat einiges an Leidenschaft hegte.

Zunächst gehört mit einem Gerücht aufgeräumt: Herbert von Karajan fuhr nie Autorennen. Sein Bruder Wolfgang von Karajan hatte eine beachtliche Karriere im Motorsport vorzuweisen, zunächst auf zwei Rädern, dann als Rennleiter im Langstrecken-Automobilrennsport. Die Liebe zu schnellen Automobilen lag den Karajans allerdings generell im Blut. Der berühmte Maestro hatte eine hübsche Reihe an Supersportautos in seinem Besitz und fuhr sie von Zeit zu Zeit, dann aber stets alleine auf Rennstrecken äußerln. Die meisten dieser Fahrzeuge trugen das Stuttgarter Porsche-Emblem auf der Kühlerhaube. Doch dazu wenig später.

Früher Start

Schon weit vor dem Krieg, im Jahr 1929 ist aus dem Hause Karajan der Erwerb eines Motorrades der Marke Harley-Davidson überliefert, wenig später, jedenfalls kam ein BMW 328 Coupé ins Haus – einer der heißesten Sportwagen damaliger Tage, immerhin Mille-Miglia-Sieger 1940. Ab 1954, ein Jahr vor dem Start seiner Tätigkeit als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, nannte Herr von Karajan bereits einen Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer sein eigen, mit dem Erwerb eines Porsche 356 Speedster im Jahr 1955 folgte die bis zu seinem Tode währende Leidenschaft für Zuffenhausener Automobile.

Herbert von Karajans erster Porsche: ein 356 Speedster von 1955 (© Porsche AG)

Porsche und ein paar Fremdmarken

Paralell ging von Karajan noch mit einem Jaguar XK150, einem Daimler V8, zwei Ferraris (250 Lusso und 275 GTB) sowie einem Rolls Royce Silver Cloud III (mit dem er  durch verkehrswidriges Parken vor der Wiener Staatsoper seinen Intimfeind und Gegenspieler als Staatsoperndirektor, Kulturminister Theodor Piffl-Percevic provozierte) fremd, bereits 1959 kaufte er vom bekannten Rennfahrer und Motorjournalisten Richard von Frankenberg einen Porsche 550a Spyder und stieg damit endgültig in die Hall of Fame der renntauglichen Porsches auf. Es folgten die Le Mans-Rakete 908, ein 712 RSK Roadster und, nach dem Einzug ins neue Haus im Salzburger Anif, ein mit dem feinen Kennzeichen S 112 versehener 911 S 2,4. Durch dieses Auto machte Karajan die Bekanntschaft des damaligen Porsche-Werkstättenleiters Gerhard Michalek, der seine Begegnungen mit Karajan als „von tiefstem, technischen Verständnis durchdrungen” beschrieb.

Karajan, Richard von Frankenberg und Hans Klauser mit dem frisch erworbenen Porsche 550A Spyder (© Porsche AG) Der Porsche 718 RSK mit Schweizer Zollkennzeichen (© Porsche AG) Herbert von Karajans "Rakete" Porsche 718 RSK (© Porsche AG) Karajan mit seiner Frau Eliette im RSK (© Porsche AG) Porsche 911 S 2,4 vor Karajans Haus in Anif (© Porsche AG)
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Karajan, Richard von Frankenberg und Hans Klauser mit dem frisch erworbenen Porsche 550A Spyder (© Porsche AG)

Paralell zu den Porsches der Sechziger-Jahre fuhr Herbert von Karajan einen Mini Cooper S, später dann einen Lancia Stratos sowie auch einen Ford GT40 Mk III, der ebenfalls das Kennzeichen S 112 trug und exakt zu seinem 50. Geburtstag geliefert wurde. Für Familienausfahrten stand ein dunkelblauer VW Käfer bereit, der in den späten Siebzigern durch einen VW Scirocco ersetzt wurde. Auch ein Audi Sport-Quattro gehörte ab 1981 zum Karajan-Fuhrpark, ein besonders bemerkenswertes Fahrzeug in Händen des damals berühmtesten, heimischen Dirigenten war eine Porsche 911 Turbo RSR Spezialanfertigung in Silber mit rot-blauen Streifen und Turbo-Schriftzug.

Karajan am Steuer der "Sonderanfertigung" 911 Turbo RSR (© Emil Perauer) Karajan am Steuer der "Sonderanfertigung" 911 Turbo RSR (© Emil Perauer) "Sonderanfertigung" 911 Turbo RSR (© Porsche AG) "Sonderanfertigung" 911 Turbo RSR (© Porsche AG)
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Karajan am Steuer der "Sonderanfertigung" 911 Turbo RSR (© Emil Perauer)

Die späten Jahre

Den letzten Coup seiner späten Porsche-Liebe landete der große Dirigent im Jahr 1988, als er gleich zwei der limitierten 450 PS Geschoße Porsche 959 kaufte. Den ersten setzte der Maestro bald mit überhöhtem Tempo in ein Kornfeld nahe Anif, der zweite, ein roter, der direkt in das Karajan-Haus nach St. Moritz geliefert wurde, erfreute den altersschwachen und rückenkranken von Karajan nur mehr wenige Monate lang, bevor er in den Besitz von Aga Khan und (bis heute) eines Tessiner Porschesammlers fand. Die letzten Jahre fuhr Karajan von Anif zum Festspielhaus und zurück in einem Mercedes-Benz 500 SEL.

Herbert von Karajan steigt aus einem seiner beiden Porsche 959 (@ Porsche AG)

Der rote 959, heute im Besitz eines Tessiner Porschesammlers (@ Porsche AG)