AKUT

Erschreckend plakativ

Sarah Wetzlmayr

Johanna Mikl-Leitner hat wieder mal das Netz gegen sich. Diesmal nicht wegen eines Taferl, sondern wegen ihrer Plakate.

von Sarah Wetzlmayr

Während man Johanna Mikl-Leitners kurzzeitigen #taferlgate-Internetfame im Herbst trotz stark hängender Mundwinkel noch mit einem augenzwinkernden Emoji kommentieren konnte, muss man nach dem aktuellen Aufruhr schon zu dem Zornigen greifen – und genau das wurde auf diversen Social Media Kanälen in den letzten beiden Tagen auch getan, nachdem Mikl-Leitner ihre neue Informationskampagne mit dazugehörigen Plakaten präsentierte. Unter dem generellen Motto „Schlepper lügen“ sollen damit Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern darauf hingewiesen werden, dass einige der Dinge die scheinbar über Österreich verbreitet werden gar nicht der Wahrheit entsprechen. Das soll dann im Internet, im Fernsehen, in Zeitungen und auf Bussen an die Menschen gelangen, mit Slogans wie „Asyl nur befristet“, „Bei wirtschaftlichen Gründen gibt es kein Asyl in Österreich“ oder „Ohne Einkommen kein Familiennachzug“ – in der jeweiligen Landessprache.

„Falsch-Informationen durch Schlepper führen zu falschen Erwartungen in den Herkunftsländern“, steht es auf dem vom Ministerium betriebenen Twitter-Account dazu @Migration_Oe.

Die kürzlich zu beobachtende  Steigerung der Radikalität von Mikl-Leitners Flüchtlingspolitik, womit sogar bei Angela Merkel und der griechischen Regierung die Obergrenze der Akzeptanz und des Respekts scheinbar erreicht wurde, hat den Schatten der Innenministrin in letzter Zeit ohnehin stark anwachsen lassen. Mit ihrer Anti-Flüchtlingskampagne, die in Afghanistan starten wird und dann auch noch in Tunesien, Marokko und Algerien für Aufklärung sorgen soll (wobei man hier nicht einmal im Ansatz eine kantsche Definition von Aufklärung bemühen soll) zieht sie jetzt auch in Österreich den Zorn auf sich. Was sich vor allem auf gängigen Social Media Plattforen gut nachverfolgen lässt. In besonderem Maß setzt das Inneninisterium auf die Fernsehspots der Kampagne, die vor allem Heimkehrer zeigen soll, wie sie schwer enttäuscht in das Land ihrer Herkunft zurückkehren.

Über die Nähe von Information und Manipulation ließe sich an dieser Stelle noch länger diskutieren, was jedoch in jedem Fall indiskutabel erscheint ist das Layout der Plakate, bei denen die ebenfalls stets in Versalien gesetzte Handschrift der FPÖ mehr als deutlich durchschimmert. Farbenspektrum und generelle Aufmachung entsprechen exakt der der Plakate mit denen die FPÖ Wahl für Wahl bei den Menschen dieses Landes für ein flaues Gefühl in der Magengrube sorgt. Auch die Slogans lassen diesselben verantwortlichen Agenturen hinter den neuen Plakaten des Innenministeriums vermuten die schon bei zahlreichen FPÖ-Wahlkämpfen die Partei mit ihrem kreativen Potential versorgten. Die Tatsache dass die Plakate ja ohnehin nicht für den öffentlichen Raum in Österreich gedacht wären, ist eine äußerst schwache Entschuldigung. Was die Ministerin in jedem Fall geschafft hat, ist sich mit dieser Kampagne farblich in die Nähe der FPÖ zu rücken. Inhaltlich wie formal.


Alle Fotos: Twitter /  @Migration_Oe.