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Gendergerechtes Familienfest

Mutter- und Vatertag waren gestern. In Zeiten von Patchwork- und LGTB-Familien haben alte Rollen ausgedient, Kinder können bald gendergerecht feiern.

Text: Markus Höller

Jeder kennt diesen speziellen zweiten Sonntag im Mai, wenn die Restaurants bersten und Kinder im besten Zwirn Mütter und Großmütter mit reichlich Essen, selbstgebastelten Geschenken und auswendig gelernten Gedichten hochleben lassen, ob sie wollen oder nicht. Sogar einer der erfolgreichsten Filme Österreichs trägt den Titel „Muttertag“. Und der Vatertag? Nun, ähnlich – weniger spektakulär, aber Papa kann sich ausnahmsweise mit Erlaubnis volllaufen lassen.


In den letzten Jahren jedoch sind diese Feste ein wenig unter Beschuss von Kritikern geraten: von Kommerzialisierung und Zwangsbeglückung ist die Rede, bis zur Verortung von Nazitümelei – schließlich wurde im Dritten Reich der Mutter als Bewahrerin der Rasse mittels Mutterkreuz und jenem Ehrentag bewusst viel inszenierte Aufmerksamkeit geschenkt. Aber begleitet von vielen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, vor allem der Realität abseits des klassischen Familienmodells – AlleinerzieherInnen, Patchworkfamilien oder LGTB-Verpartnerungen mit Adoptionsrecht – scheint das Abfeiern der Mutter inmitten der Heile-Welt-Familie nun doch etwas antiquiert.

Der Vatertag konnte sich ohnehin nie wirklich durchsetzen.

Dieser Entwicklung will nun das Familienministerium bereits nächstes Jahr Rechnung zollen. Wie die verlässliche Quelle weiß, gibt es bereits einen Gesetzesentwurf, wonach Mutter- und Vatertag in ihrer jetzigen Form abgeschafft und durch einen gemeinsamen, sogenannten ErzieherInnentag ersetzt werden sollen. An diesem werden dann nach Vorstellung der antragstellenden Abgeordneten all jene geehrt, die „unabhängig von Geschlecht, Genderidentität oder sexueller Orientierung“ sorgeberechtigtes Elternteil sind. Einige Pragmatiker fordern sogar einen offiziellen Feiertag, von dem anstelle des gerade beim EuGH strittigen Karfreitags auch Konfessionslose profitieren könnten. ÖVP und FPÖ drohen bereits mit Verfassungsklagen.

Foto Header: Filmarchiv Austria, Produktion: Scheiderbauer