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Männerpflanze: Die Eibe

Unverwüstliche Heckenpflanze und Lieblingsholz der Engländer. Aber nix für kleine Jungs. Gartengestalterin Sandra Bachl weiß noch mehr über die Eibe.

Text: Sandra Bachl / Foto Teaser: Maximilian Lottmann

Billig ist sie nicht. Wer allerdings nach diesem Winter die Biotonne mit erfrorenen Pflanzen vollgestopft hat, wird sie schätzen. Die Eibe ist die schatten- und kälteverträglichste Baumart Europas mit dem besten Regenerationssystem. Junge Bäume wachsen extrem langsam, was unter anderem den hohen Preis begründet. Sie gedeiht auf feuchten, trockenen, sauren und kalkhaltigen Plätzen und kann um die 3.000 Jahre alt werden. Wer es schafft, sie umzubringen, sollte sich eventuell von allem Lebenden fernhalten.


Aufgrund der Schnittverträglichkeit spielt sie seit Jahrhunderten eine Hauptrolle in vielen historischen Gärten, unter anderem Versailles. Aber auch die Engländer mochten die Eibe sehr. Sie waren im Mittelalter führend im Langbogenbau und ständig mit irgendwem im Krieg. Daher schnitten sie jede Eibe um, die ihnen in die Finger kam. Als keine mehr da waren, mussten alle, die mit ihnen handeln wollten, auf den Schiffen eine bestimmte Menge des Holzes mitführen. Allein zwischen 1521 und 1567 wurden aus Österreich und Bayern rund eine Million zwei Meter lange und sechs Zentimeter breite Eibenstäbe exportiert. Daher ist sie heutzutage in heimischen Wäldern sehr selten. Abschließend unbedingt erwähnenswert: die Giftigkeit. Kinder nagen eher selten am Stamm, aber weibliche Bäume bilden auffallend rote Beeren. Für Vögel eine Delikatesse, für Kids auch. Aber nur einmal. Daher sollten Eltern eher zu männlichen Pflanzen greifen. Dioskurides, der Militärarzt von Nero, hielt es schon für schädlich, neben einer Eibe zu stehen. Nach heutiger Erkenntnis ist es aber eher vergebene Liebesmüh, das Gartensesserl der Schwiegermutti unauffällig in Richtung Eibe zu rücken.

(c) Getty Images

Infoporn – Eibe:

Preis: ab 45 Euro
Verbrauch: ca. 10 Liter pro Woche
Leistung: ca. 15 Meter
in 90 Jahren
Motor: Taxus
Treibstoff: normale Gartenerde
Extras: alle Teile giftig, perfekt für Sichtschutzhecken, immergrün