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Schwarm der Woche. Dita von Teese: Objekt sein ist fein

Manfred Sax

Es braucht eine besondere Frau, um der Welt zu zeigen, dass Striptease hohe Kunst sein kann. Nun steht Wien am Plan von Burlesque-Queen Dita von Teese.

Text. Manfred Sax

Willkommen in Wien, Burlesque-Queen! Es unterstreicht den Weltrang der in Michigan geborenen Künstlerin, dass für ihre Performance ”The Art of Teese“ die Wiener Stadthalle herhalten musste. Tatsächlich gab es in diesem Jahrhundert einen Zeitpunkt, den man als die Stunde der Renaissance der Burlesque weiterreicht.


Es war im Oktober 2006, als die umwerfende Amerikanerin im Pariser Crazy Horse einem überdimensionalem Martiniglas entstieg und damit der Neuen Burlesque zur plötzlichen Popularität verhalf. Burlesque ist natürlich very vintage (= altehrwürdig, klassisch), in viktorianischen Zeiten war es ein Theater der Überzeichnungen. New Burlesque Marke Dita war ein Striptease, wenn auch mehr Tease (=anmachen) als Strip. Dita „brachte den Tease zum Striptease zurück“, hieß es und der Playboy schrieb, dass sie mit ihren Inszenierungen das wichtigste aller Sexualorgane reaktivierte – das Gehirn.

Ditas Lust am Objektsein. Nackt ist sie beruflich nie. „Chanel 5“ war für Dita nie die passende Antwort auf die Frage: „Was hattest du an?“ Da schon eher „Diamanten im Wert von 5 Millionen Dollar“. Die trug sie in der New Yorker Kunstakademie. Das war bis dato ihr berühmtester Auftritt. Und es war die „Lust am Objektsein“ (Teese), die ihren Hang zu starker Lingerie entfachte. Sie liebt Korsetts, das reduzierte den Umfang ihrer Taille im Lauf der Jahre von 56cm auf 42cm. Zu ihrer Kunst war es da nur noch ein Gedankenschritt. Die Queen of Burlesque ist seit 20+ Jahren im Business, sie ist die Ex von Marilyn Manson und nun zeigt sie Wien, was sie unter Striptease versteht.

Mr Marilyn Manson & Ms von Teese by Rogelio A. Galaviz C., Lizenz: CC BY-NC 2.0

Ditas Monogamie. Bekanntlich ging ihre Ehe mit Manson 2007 endgültig in Brüche, sie machte dafür seine Untreue verantwortlich, eine Qualität, mit der sie nicht kann, wie sie sagte, Monogamie sei in ihre DNA geschrieben, Treue ist ein klassischer Wert. Aber bewusste Monogamie ist mehr als nur Treue, wenn du dich sexuell zum Objektsein bekennst und die subjektive Persönlichkeit löscht, lädst du in der horizontalen Kommunikation zu einer Begegnung mit dem Weib an sich, die Liebe zu einer Person verwandelt sich in eine Liebe zu Sex, zur sinnlichen Interaktion mit einem objektiven Wesen, das macht den Gang zu anderen Frauen prinzipiell lächerlich und ist möglicher Weise etwas, das Mister Manson nicht verstanden hat.

Ditas Zeitlosigkeit. Womit wir – last, but not least – zu einer weiteren Qualität gelangen, die Ditas Kunst auszeichnet: jene zeitlose Magie, die von einer Schönheit entfacht wird, die umso weniger verwundbar rüberkommt, je entblößter sie ist. „Blasse Haut, schwarzes Haar, niemand ist wie ich, das macht mich wohl einzigartig“, meinte sie mal illusionslos. Sie muss nur sie sein, um purer Sex zu sein, das erklärt unter anderem die Hingabe ihrer Fans. Zu denen selbstverständlich auch Redakteure des WIENER gehören, wir hatten sie schon am Cover (Dez. 2005), als die „Geburt“ der New Burlesque im Pariser Crazy Horse noch Zukunftsmusik war. Die Queen of Striptease hat Jahrzehnte an ihrer Show gefeilt, von klein auf ihre Liebe zu Lingerie gehegt und entwickelt, Ditas Kunst war immer schon Dita; sie ist am Puls. In unsicheren und stürmischen Zeiten brauchst du etwas worauf du dich verlassen kannst.

Fotos: Getty Images, The Art of Teese: 20.11.2018, Wiener Stadthalle.