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Stilkunde: Der Pullover – Zieh-über!

Der Pullover ist ein relativ „junges“, für die Freizeit definiertes Kleidungsstück, das erst Anfang des 20. Jahrhunderts an die Türen der Kleiderschränke geklopft hat. Danach feierte er in gestrickter Form allerdings einen rasanten Aufstieg und sein Derivat, das Sweatshirt mit Kapuze, ist auch unter den ­Jungen fix gesetzt.

Text: Alex Pisecker

Warum heißt der Pullover so?
Ein Kleidungsstück, das keine weiteren Öffnungen als den Halsausschnitt beziehungsweise die ­Ärmel aufweist, wird über den Kopf gezogen – dieser Vorgang wird im Englischen als „pull over“ bezeichnet. Eine andere Bezeichnung lautet Jumper. Im Deutschland des Zweiten Weltkrieges musste der Pullover aus gegebenen Gründen allerdings „Schwubber“ genannt werden – man hatte es damals nicht so mit Angli­zismen. Seit den 50er-Jahren wird die Abkürzung „Pulli“ verwendet.


Woher kommt der Pullover?
Man nimmt an, dass Frauen seit etwa 300 v. Chr. stricken, darauf deuten Funde aus den 1920/30er- Jahren aus Dura Europos, einer römischen Festung am Euphrat im heutigen Syrien, hin. Seemänner im Norden Europas trugen Kleidungsstücke, die den heutigen Pullovern sehr ähnlich waren, und natürlich wurden diese von ihren Frauen mit der Hand gestrickt. Die Legende berichtet, dass die Damen ihr eigenes Haar, sozusagen als Glücksbringer, einarbeiteten. Auch die Initialen der Matrosen wurden eingefügt, um sie nach ­einem Schiffsunglück besser ­identifizieren zu können.

Rollkragenpullover gehören zu den Klassikern der Herrenmode, in Kombination mit einem Sakko verbreiten sie stets einen Hauch von Existenzia­lismus. Foto: (c) Getty Images

Woraus werden Pullover hergestellt?
Pullover werden aus Schurwolle, Kaschmirwolle, Seide und Baumwolle auf Strickmaschinen her­gestellt. Durch die Mischung mit Chemiefasern wie Polyamid oder Polyester wird die Formstabilität erhöht und das Waschverhalten verbessert. Oftmals werden die Fasern zusätzlich verstärkt, etwa mit Anti-Pilling-Ausrüstung. Damit wird die lästige Knötchenbildung an Stellen, die ständiger Reibung ausgesetzt sind, verhindert.

Welche Muster und Formen kennen wir?
Die bekanntesten Muster sind das Norweger- und das Aranmuster. Die meisten Muster mit Rhomben, Zöpfen und Noppen stammen aus Island, von den Färöer-, Shetland- und den irischen Aran-Inseln. Ähnlich wie die schottischen ­Tartans kennzeichnen die Muster die Herkunft nach Familie. Bunt gemusterte Pullover werden als Jacquardpullis bezeichnet. Diese Stricktechnik wurde nach Joseph-Marie Jacquard benannt. Pullover unterscheiden sich meist in ihrer Weite und den Ausschnitt- bzw. Kragenformen voneinander.Als beliebteste Formen gelten der Rundhals- und V-Ausschnitt sowie der Rollkragen.

Wie gesellschaftsfähig ist der Pullover?
Bis auf Business und Bekleidung für formelle Anlässe hat der Pullover in alle Bereiche des Lebens Einzug gehalten. Ob als Rollkragenpullover unter dem Sakko oder als feiner Rundhalspullover über dem Hemd oder Polo, selbst der Grobstrickpulli zu Jeans ist in jedem Fall ­gesellschaftlich akzeptiert. Auch sein kleiner Bruder, das Sweat­shirt – häufig mit Kapuze – eifert ihm emsig nach. Mit Erfolg!