Design

Music Furniture

„Ausgespielt“ haben ausrangierte Musikinstrumente noch lange nicht: Der Oberösterreicher Samuel Karl gestaltet Trommeln, Gitarren & Co. zu trendigen Designermöbeln um. Und setzt damit ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft.

Text: Anneliese Ringhofer

„Ja, ich bin Schlagzeuger“, meint Samuel Karl auf die Frage hin, ob er Musiker sei. Hat er als solcher einen besonderen Zugang zu Musikinstrumenten? „Es sind Gegenstände, die über Jahrzehnte hinweg genutzt und über Generationen weitergegeben werden, da sind starke Emotionen damit verbunden. ,Ausgespielte‘ Instrumente schmeißt man nicht einfach weg.“ Außerdem sei jedes Instrument ein Unikat, das mit seinen Kratzern und der einen oder anderen Beule eine besondere Geschichte zu erzählen habe, so der Mühlviertler, der bereits als 8-Jähriger das Tischlern für sich entdeckte. Also zählte er 1 und 1 zusammen und kam auf die Idee, ausrangierte Trommeln, Gitarren & Co. zu ­Möbeln und Wohnaccessoires ­umzugestalten. Samuel Karl hat damit seine wahre Berufung ­gefunden – mit dem erklärten Ziel, damit ein Zeichen gegen die ­Wegwerfgesellschaft zu setzen.


Der junge Möbeldesigner beim Bearbeiten einer Akustikgitarre. Foto: (c) Music Furniture

Eine akustische Gitarre als Pinnwand: Samuel Karls Lebensphilo­sophie spiegelt sich in seiner Designarbeit wider: „Jeder hat eine zweite Chance verdient.“ Foto: (c) Music Furniture

Das Projekt – Musikinstrumente einer neuen Funktion zuzuführen – startete er als Schüler der dritten Klasse der HTBLA Hallstatt. In der Zwischenzeit betreibt der 24-Jährige sein eigenes Designstudio mit dem klingenden Namen „Ausgespielt“ und lässt mit einer außergewöhnlichen Kol­lektion aufhorchen. Nach seiner Philo­sophie „Jeder hat eine zweite Chance verdient“ funktioniert er ehemalige Trommeln zu originellen Beistelltischen oder Aquarien um. Die Akustikgitarre upcycelt der geschickte Möbelbauer zu Wandboard oder Pinnwand. Aus Schlagzeugbecken bastelt er Hängeleuchten. Dabei beweist er Sinn für das Schöne und Praktische zugleich: „Sehe ich ein Musik­instrument, denke ich auto­matisch an ein Möbelstück – an ­music furniture sozusagen.“

Erhellendes Upcycling: Aus Schlagzeugbecken gestaltete Samuel Karl elegante Hängeleuchten. Foto: (c) Music Furniture

Bei seiner „music furniture“ ist dem Designer wichtig, das Aussehen des Instruments beizubehalten und es so umzugestalten, dass eine sinnvolle Nutzung möglich ist. „Meine Möbel sollen Gebrauchsgegenstände sein, und keine reinen Kunstobjekte“, erklärt er. Doch Musikinstrumente in gebrauchsfähige Möbelstücke umzubauen hört sich einfacher an, als es ist. „Das Material von Musikinstrumenten in geschwungenen Formen steht unter Spannung und biegt sich auf, sobald man es aufschneidet. Um die ursprüngliche Optik zu bewahren, muss ich sie wieder in die richtige Form bekommen, dazu baue ich mir vorher einige Schablonen.“ Doch der Tücken nicht genug: „Bei alten Musikinstrumenten kommt es vor, dass sie sehr porös sind, da sollte dann jeder Schnitt passen.“

Eine Trommel als Beistelltisch by Samuel Karl. Foto: Music Furniture

Die verarbeiteten Instrumente sind teils Familienerbstücke, die Samuel Karl von Privatpersonen erhält, oder er findet sie auf Flohmärkten, auch Musikhäuser sind bereits auf sein Instrumenten-Upcycling aufmerksam geworden. Dabei ist das Repertoire des Designers noch ­lange nicht vollständig. „Natürlich werde ich noch ein Klavier um­bauen. Und das Instrument eines berühmten Musikers wäre noch auf meiner Wunschliste.“

Ausgespielt
Möbel mit Musikgeschichte

Der Oberösterreicher Samuel Karl gründete 2016 sein Designunternehmen mit Fokus auf dem Upcycling ausrangierter Musikinstrumente. Onlinestore und Infos: ausgespielt.at