AKUT

Classic Depot Wien – Betreutes Wohnen für Oldtimer

Egal ob sentimentales Erbstück oder wohlkalkulierte Wertanlage – wer seinen Old­timer künftig nicht einfach nur unterm Carport oder in irgendeinem Schupfen weit außerhalb von Wien unterstellen mag, findet in Wien-Hetzendorf den perfekten Alterssitz fürs edle Blech: Das Classic Depot Wien geht erst Anfang 2020 an den Start, ist aber jetzt schon bald ausgebucht.

Text: Franz J. Sauer

Einst wurden auf dem groß angelegten Industriegelände nahe dem Hetzendorfer Schlosspark Farben und Lacke gemischt und hergestellt. Der klingende Name „Fritze Lacke“ ist den Älteren unter uns noch ein Begriff, vor allem ob des signifikanten Logos eines jungen Lackierers, den es vornüber auf die Nase haut. „Moch kan Fritzelacke“ warnte man uns noch als Kinder, wenn wir es mit den Rollschuhen gar übertrieben. Einen ebensolchen legte nahezu das gesamte Unternehmen 1996 hin, als sich die Erben der Gründerfamilie zurückzogen. Die Produktion­ am Standort Hetzendorf wurde 1999 nach 123 Jahren eingestellt, die ganze Marke in den folgenden Jahren sukzessive stillgelegt (erst 2017 feierte sie, nach völliger Reorganisation der Eigentümerverhältnisse, eine Art Wiederauferstehung).


Das Classic Depot Wien mit minimalistischer Architektur. Renderings: Illichmann / Wagner

Hinter den blauen ­Garagentüren startete Clemens Stiegholzer 1993 seinen KFZ-Betrieb. Heute entsteht ­dort der WIENER. Foto: (c) Clemens Stiegholzer

Das riesige Fabrikgelände lag jedenfalls zur Jahrtausendwende brach, der Gebäudemix aus Altbauten (Ziegelbauweise) und Stahlbeton-Lagerhalle (1975 fertiggestellt) suchte nach neuen Verwendungszwecken, was sich als gar nicht so einfach erwies. Zu zerklüftet präsentierte sich die Anlage, eine Gesamtrenovierung erwies sich als unwirtschaftlich, zumal die Adaption der Produktionsanlagen für andere Branchenzwecke weitaus aufwendiger für Investoren gewesen wäre, als eine völlig neue Fabrik irgendwo auf die grüne Wiese zu stellen. Einzig der unter Offroad-Automobilisten und Land-Rover-Fans wohlgelittene KFZ-Mechaniker Clemens Stiegholzer, der seine kleine Werkstatt schon ab 1993 in einem Nebengebäude der Fritze Lacke-Fabrik betrieb, hatte diesbezüglich ausbaubare Fantasien. Und machte sich spätestens ab 2005 an die Verwirklichung derselben, nachdem er das gesamte Areal den ­Vorbesitzern abkaufte.

Keine herkömmliche Garage, die da in Wien-Hetzendorf erwächst. Die Autos stehen im klimatisierten Schauraum statt ­in einem alten Schupfen. Renderings: Illichmann / Wagner

Die alten Baugruppen wurden renoviert und bewohnbar gemacht, die große Lagerhalle wurde sauber portioniert, was geräumige wie stylische Loft-Einheiten gleichermaßen für Büros
wie für Werkstätten ergab. Den Hauptteil des Gebäudes nahm ab 2011 Stiegholzers KFZ-Betrieb ein, dessen Geschäft durch den anhaltenden SUV- und Geländewagen-Boom sauber durch die Decke ging und der kleinen Werkstätte im hinteren Winkel der Firma schon lange entwachsen war. Mieter bezogen die verschiedenen Einheiten und schufen in all ihrer Pluralität bald ein pulsierendes Gewerbegelände mit Betriebsstätten verschiedener Kreativität. 2015 etwa startete der „MOTORBLOCK“ in der Stachegasse, seit 2018 ist auch die Redaktion des WIENER hier beheimatet – witzigerweise genau an jenem Ort, an dem Stiegholzer 1993 seine erste Hebebühne installierte.

Unter der Sonnenterrasse: ein tolles Restaurant und der perfekte Altersitz für‘s edle Blech. Renderings: Illichmann / Wagner

Dort, wo dereinst das Classic Depot glänzen wird, regieren jetzt noch die Bagger. Foto: (c) Franz J. Sauer

Das Sahnehäubchen der Stiegholzerschen Projektentwicklung und gleichzeitig das umfangreichste Projekt in der Stache­gasse ist seit ungefähr vier Jahren in Planung und erlebte nun Anfang 2019 seinen Spatenstich. Ein langgezogener Barackenbau an der Grundstücksgrenze zum anliegenden Hofer-Marktplatz wäre ob seines Gesamtzustandes kaum zu renovieren gewesen. Also beschloss Stiegholzer gemeinsam mit dem Architektenteam Illichmann und Wagner, an diesem Ort ein völlig neues Großgebäude hochzuziehen, dessen Hauptasset die Unterbringung von historischen oder sonstwie ­erhaltenswerten Fahrzeugen werden sollte. Allerdings nicht bloß in Form eines schnöden Unterstandes: Neben der Einstellmöglichkeit für knapp 100 Fahrzeuge wird hier vor allem ein Concierge- und Pflegeservice für die eingestellten Vehikel geboten, den es in dieser Form noch nicht in Österreich gibt.

Baustelle Classic Depot Wien. Foto: (c) Franz J. Sauer

Auf zwei Ebenen werden die Stellplätze für Oldtimer und sonstige automobile Schätze gleichzeitig als noble Schauräume materialisieren, die nur über einen Lift erreicht werden und in denen es keinen Motorbetrieb geben wird. Die Fahrzeuge werden per „Stringo“ (eine Art mobile Hebebühne) an ihre Plätze verbracht, vor und nach dem Einstellen werden die Autos von den Mitarbeitern des „Classic Depot Wien“ nach ihren jeweiligen Bedürfnissen verhätschelt und gepflegt. Dies reicht von der herkömmlichen Reinigung bis hin zur Komplettrestaurierung von Karosserie oder Technik, wenn vonnöten.

Das Classic Depot Wien wird nicht nur Stellfläche bieten. Auch die Rundumversorgung der in die Jahre gekommenen Schätze wird hier angeboten. Renderings: Illichmann / Wagner

Neben dem Kerngeschäft des „Betreuten Wohnens“ für Oldtimer wird das Classic Depot Wien­ eine herkömmliche Tiefgarage mit 48 Stellplätzen, ein Restaurant nebst Präsentationsflächen, mehrere Werkstätten sowie zwei Büro­einheiten beinhalten. Eine ­üppig­ angelegte Dachterrasse zieht sich rund um das gesamte Gebäude und ermöglicht Weitblick über ganz Wien.

Da ganz hinten, wo die Autos stehen, hinter der Holzfassade entstand der WIENER. Foto: (c) Franz J. Sauer

Warum sich Stiegholzer ein derartiges Großprojekte neben der erfolgreichen Vermietung des aktuellen Bestandes und seinem fein brummenden KFZ-Betrieb antut, ist in dessen Experimentierfreude und der unbedingten Zuneigung zu allem, was mit edlen Automobilen zu tun hat, erklärbar. „Sonst wird mir ja fad“, grinst einem der Endvierziger entgegen, was selbstverständlich nur bedingt ernstgenommen werden kann.

Hier ein Rendering des noblen Restaurants nebst ­vorgelagerter Dachterrasse. Hier soll ein rechtschaffener Treffpunkt für Freunde der motorisierten Fortbewegung (und freilich auch deren Freunde) entstehen. Renderings: Illichmann / Wagner

Die Bauphase des Classic Depot Wien wird sich über gut ein Jahr ziehen, Anfang 2020 soll das Gebäude bezugsfertig sein. Die Büros sind schon jetzt bis auf eine kleine Einheit vergeben, mit Gastronomiebetreibern fürs Restaurant steht Stiegholzer in Endverhandlung. Und auch die noblen Stellplätze sind bereits jetzt, wo es nur Renderings und eine Baugrube zu besichtigen gibt, gut gebucht. Bleibt zu hoffen, dass sich das Classic Depot Wien am Autobahnzubringer Altmannsdorf zum Einser-Standort für Wiener Autoenthusiasten entwickelt, die Vielfalt des Angebots von Restaurant bis Restauration spricht jedenfalls dafür. Und für den alten Fritze-Lacke-Grund ist es eine weitaus würdigere Prolongation, denn als Baugrund für eine So­zialbausiedlung zu sterben.

Classic Depot Wien

In Wien-Altmannsdorf entsteht Großes … #classicdepotwien

Gepostet von Wiener – Alles für Er. am Dienstag, 5. März 2019

Infos: classic-depot-wien.at