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David Bailey – Der die Frauen liebt

Jakob Stantejsky

Seine Laufbahn begann, wie sie endete: mit Femme, aber nicht fatal. Sixties-Ikone David Bailey bietet nun sein Lebenswerk an.

Seine Sager gehen noch immer um die Welt. Zum Beispiel dieser Rückblick auf seine Karriere: „Mein Leben begann mit Jean (Shrimpton, Anm.) und endete mit Kate (Moss).“ Eine runde Sache, findet er, denn: „Kate ist das beste Model seit Jean.“ Er muss es wissen. Er ist David Bailey (81). Der Mann, der die Swinging Sixties verewigte. Und nun sein Lebenswerk präsentiert. Die (limitierte) Sumo-Edition, wie er sagt. Ein massives, 440 Seiten starkes Buch, inklusive eigens konstruiertem Sockel, damit es auch angemessen ruht. Es liegt in der Natur des Meisters, dass neben „logischen“ Subjekten (Lennon, Jagger, Warhol etc.) insbesondere die porträtierte Weiblichkeit entspannt rüberkommt. Etwa Her Majesty, die Queen (2014). Oft fotografiert, aber nie so offen lachend wie bei Bailey.

Es ist offenbar, dass Frauen sich bei ihm „safe“ fühlten. Frauen liebten ihn. Zum Beispiel Catherine Deneuve, mit der er verheiratet war, und die sogar der Scheidung nur Positives abgewinnen konnte. „Sie sagte, es ist großartig, dass wir geschieden sind, jetzt können wir wieder Lovers sein“ (Bailey im Interview mit dem englischen Guardian). Für Penelope Tree, Supermodel der ersten Stunde, war er der „Löwenkönig – elektrisch, mächtig, der Größte“. Bailey war nie ein Fall für #metoo, außer umgekehrt, bei Andy Warhol. „Mit dem musste ich ins Bett, damit ich ihn fotografieren konnte.“ (Bailey) Er ist ein Kind der Sixties, in denen plötzlich nicht mehr nur Herkunft zählte, sondern die Befriedigung einer „brennenden Neugier“, wie Bowie es nannte, die freien Geist benötigte. Und ermöglichte, dass Bailey aus East London mit den mörderischen Kray Twins ebenso konnte wie mit der „feinen“ Society.


Ein Hetero, der im Übrigen nie aus der Mode kam und es auch cool fand, dass ihm Freddie Mercury backstage bei Live Aid (1985) „plötzlich die Zunge in den Rachen steckte, aber hey, es war ein großartiger Tag“ (Carl Wilkinson, Live Aid in Their Own Words, 2004). Ja, David Bailey hat viel zu erzählen. In der Sumo-Edition seines Lebens macht er das wie gewohnt. Mit Porträts vor weißem Hintergrund. Kulissen brauchte er nie. Wozu eine Kulisse, wenn du Kate Moss vor der Linse hast?

The David Bailey SUMO, limitierte Sammler-Edition, 50 x 70 cm, 440 Seiten, mit Sockel von Marc Newson, EUR 2500,-, bei Taschen Verlag.

Fotos: Getty Images, David Bailey/Taschen Verlag