Motor

Männerausflug

Es geht hier nicht um Frau oder Mann, wohlgemerkt. Es geht hier um die eindeutig männlich konnotierte Eigenschaft des vorsätzlich Alleinseinwollens. Und für das gepflegte Ausüben dieser herrlichen Tätigkeit hat der liebe Gott nun mal die Harley-Davidson erfunden.

Text: Franz J. Sauer

Anfang Februar, Spanien, Malaga und Umgebung. Es hat milde 15 bis 22 Grad Celsius, die Sonne heizt massiv ein, wenn sie da ist, feuchte Flecken im Schatten hingegen geben sich rutschig as Hell. Es ist die Harley-Softail- und -Street-Palette, die hier Auslauf findet, mit klingenden Namen wie „Fat Bob“, „Heritage“ und „Sport Glide“ versehen. Beste Ausleg­ware also, wenn es darum geht, Style auf zwei Rädern zu zelebrieren und es dabei richtig knattern zu lassen. Testosteronschwanger wie eh und je, mit und ohne Kofferei, mit und ohne Soziussitz. Herrlich alleine mit sich, der Straße, der Natur rundum und dem Wind im Gemäul, so man sich mit offenem Helm durch die Lande bewegt. Und das gehört sich ja ­irgendwie, wenn man nach dem Frühling süchtelt, seit das letzte Weihnachtslied verklungen ist.
Harley-Davidson also als Auffangbecken all jener Bubenwünsche, für die es noch keine keimfreie Entsprechung gibt und für die man sich auch innerhalb ­städtischer Gebinde noch nicht genieren muss. Obwohl – auch das war schon besser. Als wir etwa am zweiten Abend mit einer Flotte Sportster-Custom-Bikes ausrückten, die auch nur im verruchten Britannien mit Nummernschildern ausgestattet werden konnten, um damit die Innenstadt von Antequera einzunehmen wie sonst nur Meister Klappstuhl und seine wilde Horde, blickten uns mehr genervte als begeisterte Augenpaare entgegen. Der Schreiber dieser Zeilen ist derart in die Tage gekommen, dass er sich an Zeiten erinnert, wo man in einer ähn­lichen Versuchsanordnung noch frenetisch empfangen worden und stante pede um ein paar feiste Burn-outs gebeten worden ist. Doch damit ist es nun endgültig vorbei, wie es scheint.


All die anderen feinen Bikes, die wir dieser Tage ans Meer und zurück bewegen dürfen, gehen gottlob als glatte Tourer durch, wenn man auch nicht alle von ­ihnen mit Koffern behängen kann. Aber immerhin, diese Motorräder können mehr als nur lärmen und stinken: Sie können reisen. Damit sind wir auf der sicheren Seite und können uns nach Herzenslust wie Cowboys aufführen.

Am gemütlichsten mit dem spätwinterlichen Geläuf kann die Heritage, ihrem Windschild geschuldet, aber auch einer höchst angenehmen Sitzposition nebst Trittbrettern. Während Lowrider und Street Bob den Sportler in ­einem zu erwecken vermögen, was nicht zuletzt an Sitzposition und Schwerpunkt, vor allem aber an einer herrlich surfbaren Dreh­momentwelle liegt, gibt die Fat Bob schon ihres Namens und ihres breiten Scheinwerfers wegen den Rüpel der Runde. Es macht die­bische Freude, diesem Kurzheck die Sporen zu geben, das Dreh­moment immer knapp über den Peak zu bemühen und dann gleich in den nächsten Gang zu schalten, um jede Schraube des Muskel­pakets in die entsprechende Schwingung zu versetzen, die ­einem in jeder Lebenslage einen Scheitel zu ziehen vermag, wenn man denn auch einen hat. Richtig verreisen würde ich freilich nur mit der Sport Glide. Ihre Andeutung von einem Windschild ist erstaunlich wirksam, nirgendwo sonst schmiegt sich die Kofferei so nahtlos ins restliche Geläuf, und einen Sozia-Schemel gibt’s auch für die wunderschöne Anhalterin, die es, wie man weiß, ja sowieso nur im französischen Kinofilm gibt.

Und dann war da noch die LiveWire. Die E-Harley.

Es ist dies, bitteschön, der Teufel in Motorradgestalt. Noch selten hatte ich so viel Angst auf einem Zweirad auszustehen. Du hörst nix außer Surren und den Wind, traust dich niemals, nie und nicht, dieses Leichtgewicht da zwischen den Haxen umzulegen, weil du dir dauernd aufs Neue den dicken Hinterschlapfen vors geistige Auge rücken musst. Gibst du dann ein Alzerl zu früh, hm, Gas, zieht es ihn dir weg sogleich. Erst nach ­einer guten Viertelstunde wurden das Ungetüm und ich Freunde. Es war dies ungefähr in jenem Moment, als ich sie wieder einparken durfte. Aber wir sprechen uns noch, du Monster!


Harley-Davidson Sport Glide:
Hubraum: 1.746 ccm
Leistung: 83 PS
Gewicht: 317 kg (fahrbereit)
Preis: ab 21.690,– Euro


Harley-Davidson Heritage Classic 114:
Hubraum: 1.868 ccm
Leistung: 93 PS
Gewicht: 330 kg (fahrbereit)
Preis: ab 28.790,– Euro


Harley-Davidson Fat Bob:
Hubraum: 1.746 ccm
Leistung: 83 PS
Gewicht: 306 kg (fahrbereit)
Preis: ab 20.725,– Euro


Harley-Davidson Low Rider S:
Hubraum: 1.868 ccm
Leistung: 93 PS
Gewicht: 308 kg (fahrbereit)
Preis: ab 23.530,– Euro


Harley-Davidson Street Bob:
Hubraum: 1.746 ccm
Leistung: 86 PS
Gewicht: 297 kg (fahrbereit)
Preis: ab 17.250,– Euro