Meinung

Gerechtigkeit für das SUV

Denken wir mal ein bissel zurück und finden heraus, dass das SUV ja eigentlich nicht erst seit Greta Thunberg im Fokus der negativen Energie steht. Es ist schon länger als Projektionsfläche für alles und jedes wohlfeil, das man dem Auto bei entsprechend schlechtem Willen vorwerfen mag – und dessen gibt es derzeit viel, wie man weiß. Fairness ist hier übrigens kaum gefragt. Es wird beim Koffern gegen das SUV nämlich zuhauf wegen Eigenschaften vom edlen Sitzleder gezogen, die dieses zwar mitunter mitführt, die es aber kaum aus­machen.

Nicht jedes SUV etwa hat übermäßig PS unter der Haube, ein Gutteil der in der Zulassungsstatistik vermerkten hat gerade einmal dreistellig Pferde im Stall, und weniger wäre beim durchschnittlichen ­Gewicht der nämlichen Autos verbrauchsmäßig ­kontraproduktiv. Nicht jedes SUV hat mehr als zwei Tonnen, viele der Stadtkraxler treten erstaunlich leichtfüßig auf. Und die wenigsten SUVs brauchen mehr Platz als ein Pkw der jeweils vergleichbaren Klasse, einzig höher ist er zumeist qua Bauart. Womit gleich auch das wichtigste Verkaufsargument für die Hochstelzer ausgemacht wäre: das Platzangebot.

Leichteres Einsteigen, mehr Kopffreiheit, bessere Übersicht sowie mehr Platz auf den Rücksitzen und im Kofferraum. Nicht umsonst lief das SUV dem einst so beliebten Minivan den Rang in den Statistiken ab. Und nein, Familie Beranek von Stiege 16 mit den zwei Teenagern und dem großen Hund, der stets auf den mehrwöchigen Zelturlaub mitfährt, ist nicht zwingend jener Kohorte an Rap-Musikanten zuzuordnen, die Automobile in ganz Stark, ganz Groß und ganz Schwarz vor allem deshalb gern in Musikvideos umtanzt, weil es ihrem Image entspricht.



Franz J. Sauer
ist Herausgeber von motorblock.at und Motorist mit Leidenschaft. Die durchaus manchmal Leiden schafft.