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Wer spielte Böse?

Wilfried Böse war ein deutscher Terrorist, der 1976 ein Flugzeug entführte und in Entebbe, Uganda, erschossen wurde. Ein mehrfach verfilmtes Ereignis. In die Rolle von Böse schlüpfte, klar, stets ein notorischer Bad Boy.

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Geboren in Stuttgart (1949), Studium (Soziologie) in Frankfurt, ab 1970 Engagement bei der RAF-Unterstützergruppe Rote Hilfe, schließlich zusammen mit Brigitte Kuhlmann Gründung der Terrorgruppe Revolutionäre Zellen (RZ). Später ging es nach Jemen in ein Terrorcamp („Volksfront zur Befreiung Palästinas“, PFLP). Und fertig war der Terrorist Wilfried Böse, dessen Leben am 4. Juli 1976 abrupt endete, nachdem er mit Kuhlmann und zwei PFLP-Leuten den Flug AF-139 entführt und am ugandischen Flughafen Entebbe abgestellt hatte. Der Rest ist allgemein bekannt, der Terrorakt wurde wiederholt verfilmt. Stichworte: „Don’t fuck with the Jews“ (wiederholtes Filmzitat. Nun landete auch „Entebbe (2018)“ auf Netflix. Zeit für ein Round-up: Wer war jeweils Böse? Tja, es war stets ein notorischer, der deutschen Sprache mächtiger Filmbösewicht.



Helmut Berger
Besondere Merkmale: Der Star aus Bad Ischl brillierte als Darsteller in Sachen sexueller Tabubruch.
Böse-Qualifikation: In „Salon Kitty“ (1976) spielte Berger den Geschäftsführer eines Bordells in der NS-Zeit.
Film: „Victory at Entebbe“ (1976, dt.: „Unternehmen Entebbe“); www.youtube.com/watch?v=HuE_iViHInI
Kritik: Die Kamera fokussierte auf Yitzhak Rabin (Anthony Hopkins) und Shimon Peres (Burt Lancaster) sowie auf die Eheleute Kirk Douglas und Elizabeth Taylor. Berger als Böse hatte immerhin eine Granate in der Hand („Wenn ich meine Hand hier öffne, dann fliegt der Griff weg, und vier Sekunden später explodiert das Ding.“). Der Film ging weltweit unter.
Detail: In der Rolle von Brigitte Kuhlmann war die Wienerin Bibi Besch am Werk.

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Klaus Kinski
Besondere Merkmale: Kinski war immer Kinski.
BöseQualifikation: Abgesehen davon, dass er Kinski war, war er außerdem Spaghetti-Western-Bösewicht sowie Aguirre, der Zorn Gottes (1972).
Film: „Operation Thunderbolt“ (1977); www.youtube.com/watch?v=D_GQdH1V7As
Kritik: Der Streifen von Regisseur Menahem Golan wurde als „authentisch“ gehandelt – zumal Yitzhak Rabin und Shimon Peres sich selbst spielten (wenn auch grottenschlecht). Kinski war Kinski-böse, mal deutsch („Die Welt ist versaut, sie muss zerstört werden.“), dann wieder germano-englisch („We are se special command unit.“)
Detail: In der Rolle von Kuhlmann glänzte die Grazerin Sybil Danning.

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Horst Buchholz
Besondere Merkmale: Der Berliner wurde als „deutscher James Dean“ gefeiert.
Böse-Qualifikation: Revolverheld in „Die glorreichen Sieben“, wenn auch neben Charles Bronson, Yul Brynner & Co etwas bübisch.
Film: „Raid on Entebbe“ (1977, dt.: „…die keine Gnade kennen“); www.youtube.com/watch?v=IAWlGNA9hUQ&t=1333s
Kritik: Ursprünglich ein in Kalifornien gedrehter Fernsehfilm, kam in Europa eine Kino-Version zum Einsatz. Typisch für Buchholz, kam er auch als Böse-Wicht verdammt fesch und nahezu sympathisch rüber („We are not uncivilised people, Mister Cooper, I don’t do this to harm anyone.“)
Detail: Protagonist Peter Finch (als Yitzhak Rabin) starb fünf Tage nach Ende der Dreharbeiten.

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Daniel Brühl
Besondere Merkmale: Der Deutsche hat Bandbreite, er kann Niki Lauda („Rush“, 2013) ebenso wie den Nazisoldaten ­(„Inglourious Basterds“, 2009).
Böse-Qualifikation: Brühl spielte den Superschurken Helmut Zemo in „Captain America: Civil War“ (2016).
Film: „Entebbe“ (2018); auf Netflix.
Kritik: Regisseur José Padilha (Serie „Narcos“) will die Menschen hinter den Terroristen transparent machen, das ist in 107 Minuten nicht leicht. Brühls Böse („Ich bin kein Nazi, ich bin Idealist.“) wird gegönnt (getreu einer originalen Zeugenaussage), die jüdischen Geiseln im entscheidenden Moment zu schützen.
Detail: Letzterer Umstand gefiel der deutschen Presse („Die Welt“) ganz und gar nicht.

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