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REISE

Kühl bleiben, wo andere schmelzen

Während Wien in der Hitze klebt, setzt die steirische Region Schladming-Dachstein auf über 1.000 Quellen, 300 Bergseen und einen Gletscher: die Alpen als kühles Gegenprogramm zum Hitzesommer, neuerdings „Coolcation“ genannt.

Von Redaktion · 31. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
Der Giglachsee in der Coolcation-Region Schladming-Dachstein, einer von 300 Bergseen

Um sieben Uhr früh ist der Asphalt am Wiener Gürtel schon lauwarm, um Mittag brennt er. Die Klimaanlage in der Straßenbahn hat, wie jedes Jahr, Halbtagsdienst, während anderswo in der Stadt schon der Rasen ums Wasser bettelt. Wer kann, flüchtet Richtung Bad, Richtung Schatten, Richtung irgendwohin, wo die Luft nicht steht. Zweihundert Kilometer südwestlich, im steirischen Ennstal, zieht sich derweil wer eine dünne Jacke über. Nicht weil der Sommer dort ausgefallen ist, sondern weil er anders verhandelt wird.

Schladming-Dachstein nennt das neuerdings, ganz zeitgeistig, Coolcation. Eine Wortschöpfung, die nach Marketingabteilung klingt, aber einen realen Effekt beschreibt: Wer in Höhenlagen zwischen 700 und 2.700 Metern unterwegs ist, spürt die Hitzewellen der Tiefebene kaum. Das war schon vor der Erfindung des Begriffs so, es wird jetzt nur besser verkauft.

Wasser statt Klimaanlage

Was die Region tatsächlich auszeichnet, ist Wasser, und zwar in Mengen, die selbst gestandene Alpinisten überraschen. Über 1.000 Quellen, 300 Bergseen und 100 Wasserfälle liegen im Gebiet zwischen Dachsteinmassiv und Schladminger Tauern, verteilt auf 13 Gemeinden. Der „Wilde Wasser Weg“ führt an tosenden Bächen entlang, zu den Giglachseen oder zum Steirischen Bodensee, jene stillen Hochgebirgsseen, die im Juli spiegelglatt daliegen und trotzdem nie richtig warm werden. Wer hineinsteigt, merkt sofort: Das hier ist keine Kulisse, das ist echte Kühlung.

Für alle, die höher hinaus wollen, fahren die Sommerbergbahnen in die alpinen Zonen, wo dünnere Luft und mehr Wind ohnehin für ein anderes Klima sorgen. Rund 1.500 Kilometer Wanderwege erschließen dort oben, was unten in der Stadt gerade unerträglich ist: Bewegung, ohne dabei zu schwitzen wie in der U-Bahn.

Bewegen ohne Hitzestress

Aktivurlauber müssen dabei nicht auf Tempo verzichten. Der Bikepark Schladming und 21 ausgeschilderte Bike-Touren bedienen alle Niveaus, von Flowtrails für Einsteiger bis zu anspruchsvollen Höhenmetern am Schladminger Tauern Höhenweg. Wer es gemütlicher mag, radelt den Ennsradweg entlang, flach, schattig, mit Blick auf den Dachstein. Am Abend warten, im Rahmen des Projekts „Sternenplätze“ im Naturpark Sölktäler, Orte ohne Lichtverschmutzung, an denen der Nachthimmel so klar ist wie sonst nur im Winter. Kulinarisch übernimmt „Almkulinarik by Richard Rauch“: Almhütten, die klassische steirische Gerichte mit Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung neu interpretieren, was angenehm weit weg ist von Schnitzelsemmel und Plastikbecher.

Kälte auf 2.700 Metern

Den größten Kontrast liefert der Dachsteingletscher. Während anderswo in Österreich das Thermometer Rekorde meldet, steht man hier oben am Sky Walk, blickt über die Hängebrücke in die Tiefe oder wagt sich auf die „Treppe ins Nichts“, und die Finger werden kalt. Im Eispalast, mitten im Hochsommer, liegt Schnee. Der Gletscher macht damit vor, was die ganze Region verspricht: Sommer und Winter lassen sich hier gleichzeitig erleben, man muss nur die Höhenmeter in Kauf nehmen. Wer diesen Ausblick gar nicht mehr hergeben will, findet am Fuß des Bergs mit dem Dachsteinkönig ein Familienhotel, das genau darauf sein Konzept baut.

Fotos: © Tourismusverband Schladming-Dachstein

Für Wien bedeutet das vor allem eines: Wer der nächsten Hitzewelle entkommen will, muss nicht ans Meer. Es reicht die Fahrt ins Ennstal, ein paar Höhenmeter, und plötzlich ist wieder Platz zum Durchatmen, während zuhause die Klimaanlage der Straßenbahn weiter im Halbtagsdienst schuftet.