Die Uhr, die schreiben lernte
Montblanc bringt mit dem Star Legacy Nicolas Rieussec Chronograph eine Hommage an die Erfindung des Chronographen 1821 in Paris.

Die auf 100 Stück limitierte Uhr aus 750er Roségold kostet 31.500 Euro und vereint Monopusher-Chronograph, zweite Zeitzone und das hauseigene Kaliber MB R200 in einem Gehäuse, das aussieht, als hätte es die Manufaktur aus einer Schreibtischlade geholt.
Wien kennt das Prinzip vom Pferderennen in der Freudenau, nur mit Fotofinish und Totalisator. Paris kannte es 1821 auch schon, nur ohne beides. Als am 1. September jenes Jahres die Pferde auf dem Champ de Mars die Ziellinie querten, saß am Rand ein Uhrmacher namens Nicolas Rieussec mit einem selbst gebauten Apparat, der bei jedem Zieleinlauf einen Tintentropfen auf eine rotierende Scheibe setzte. Die Sekunde bekam damit erstmals einen Abdruck auf Papier.
Wenig später zeigte Rieussec sein Gerät der Académie des Sciences in Paris, und die Gelehrten tauften es kurzerhand „Chronograph“, aus dem Griechischen chronos für Zeit und graphein für schreiben. Rieussec war nicht irgendwer: Er war der sechste Hofuhrmacher des französischen Königs und offenbar auch ein guter Geschäftsmann, denn Pferderennen waren im Paris der Zeit großes Geld wert, und wer die Sieger wissenschaftlich exakt bestimmen konnte, verkaufte Vertrauen. Im Archiv der Académie ist sein Apparat bis heute unter dem Namen „Compteur de Mr Rieussec“ geführt, und genau dieser Name findet sich jetzt, als Relief bei 10 Uhr, auf dem Zifferblatt der neuen Uhr.
Ein Zifferblatt wie ein Archiv
Der Montblanc Star Legacy Nicolas Rieussec Chronograph trägt seine Geschichte offen vor sich her. Mit Leuchtmasse aufgetragene Inschriften zeigen handschriftliche Auszüge aus Rieussecs Patentdokument, die Silhouette der Académie des Sciences und eine technische Zeichnung des Tintenzeigers, der im Original den Tropfen setzte. Nahe der Zifferblattmitte ist Rieussecs Unterschrift zu lesen, bei 2 Uhr das Relief „Paris, le 15 Octobre 1821″, das Datum der Patentanmeldung. Im Dunkeln leuchtet das alles nach, tagsüber liest es sich wie ein Auszug aus einem Museumskatalog.

Was kann das Kaliber MB R200?
Unter dem Zifferblatt arbeitet das manufakturintern entwickelte Kaliber MB R200, ein automatisches Uhrwerk mit Monopusher-Chronograph, zweiter Zeitzone und doppelten Federhäusern für 72 Stunden Gangreserve. Die zweite Zeitzone zeigt sich über einen skelettierten Stundenzeiger, der sich unabhängig vom Hauptzeiger stellen lässt oder bei Betrieb in nur einer Zeitzone elegant hinter diesem verschwindet, dazu eine Tag-Nacht-Anzeige bei 9 Uhr. Wer generell ein Faible für Zweitzeitzonen-Uhren hat, findet mit der Bell & Ross BR-05 GMT auf WIENER Online eine deutlich sportlichere Variante des Themas, nur eben in Stahl statt in Gold. Durch den Saphirglasboden der Montblanc ist das Werk mit geschwungenen, Genfer-Streifen-verzierten Brücken, großen gebläuten Schrauben und sichtbaren Lagersteinen zu sehen. Der skelettierte Rotor trägt das Montblanc Emblem aus dem Jahr 1913 sowie eine Grain-d’orge-Gravur.

Gehäuse, Krone und eine Karte
Das vollständig polierte Gehäuse aus 750er Roségold misst 43 Millimeter, die Bandanstöße sind „abgestuft“ gearbeitet, die zwiebelförmige Krone erinnert an die Ära der Taschenuhren. Am Handgelenk wirkt das große Format erstaunlich ruhig, weil die polierte Lünette das Zifferblatt in den Mittelpunkt rückt statt selbst aufzufallen. Wer sich für kunstvoll gearbeitete Gehäuseböden interessiert, ist bei der Czapek Promenade Transparencies auf WIENER Online ebenfalls gut aufgehoben, dort trägt das ganze Gehäuse Saphirglas. Bei der Montblanc ist es das schwarze Kalbslederarmband, das die eigentliche Pointe liefert: Es läuft spitz zu wie eine Montblanc Feder und trägt auf der Rückseite eine Karte von Paris aus dem Jahr 1821, mit Notre-Dame, der Seine, Rieussecs beiden Pariser Werkstattadressen sowie dem Champ de Mars und der École Militaire, wo am 1. September 1821 alles begann.
Was kostet die Uhr in Österreich?
Der Montblanc Star Legacy Nicolas Rieussec Chronograph in Roségold kostet laut offizieller Preisliste des Hauses 31.500 Euro, weltweit limitiert auf 100 nummerierte Exemplare. In Österreich ist die Uhr über die Montblanc Boutique am Wiener Graben sowie autorisierte Fachhändler erhältlich, zum selben Preis wie im übrigen Euroraum. Bei einer derart kleinen Stückzahl und einem derart erzählfreudigen Zifferblatt dürfte die Warteliste schneller voll sein als das Datumsfenster bei 6 Uhr sich einmal dreht.
Montblanc hat mit dem Meisterstück die Füllfeder zur Legende gemacht. Mit dem Star Legacy Nicolas Rieussec Chronograph schreibt die Marke jetzt auch am Handgelenk mit, nur dass diesmal die Zeit selbst die Tinte liefert.










