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Ein Walserhaus badet in Gletscherblau

Ein jahrhundertealtes Walserhaus im Bündner Weiler Leis hat neue Böden bekommen, aber keine einzige Fliesenfuge.

Von Redaktion · 23. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit
Naturofloor Bäder im Baschli Haus in Vals mit taubenblauer Dusche und schwarzer Wanne

Für die Naturofloor-Bäder im „Baschli Haus“ bei Vals hat Innenarchitektin Irina Domenig-Skaanes eigene Farbtöne entwickeln lassen, die vom Haus und den Bergen ringsum erzählen, statt zum ortsüblichen Valser Quarzit zu greifen.

Irgendwo zwischen Hobelspänen und Hühnermist beginnt diese Geschichte, auch wenn das heute niemand mehr riecht. Wo im Obergeschoss des Baschli Hauses einst die Hennen saßen, steht jetzt eine freistehende Wanne in mattem Schwarz, und wer barfuß über den Boden geht, spürt Stein, wo früher Stroh lag.

Schon als Kind kannte Irina Domenig-Skaanes den Weiler Leis oberhalb von Vals, diese Handvoll Häuser, die sich an den Hang duckt wie ein Rudel Schafe vor dem Wetter. Als das „Baschli Haus“ 2019 zum Verkauf stand, kaufte sie sich einen Wunsch, den sie offenbar schon lange mit sich herumtrug. Fünf Jahre dauerte der Umbau, mit einem mächtigen alten Kamin als Fixpunkt, der sich durch das ganze Haus zieht und um den kaum eine Wand wirklich gerade steht. Wie viel Kraft in solch altem Gemäuer steckt, zeigte sich zuletzt auch bei jenem Haus am Rand der Kulturhauptstadt, das wir uns in Bad Ischl angesehen haben, nur dass in Vals eben nicht Salzkammergut-Charme, sondern raues Walser-Holz den Ton angibt.

Das historische Baschli Haus in Leis bei Vals, saniert von Irina Domenig-Skaanes

Das „Baschli Haus“ im Weiler Leis oberhalb von Vals wurde fünf Jahre lang saniert. © Naturofloor

Warum nicht der Valser Stein?

Für die Bäder war für Domenig-Skaanes früh klar: Naturmaterialien, wo immer möglich, ohne Trends hinterherzulaufen. Genau deshalb ist die Wahl in Vals bemerkenswert, wo praktisch jedes Bad mit dem hauseigenen Valser Quarzit verkleidet wird, weil der Ort seinen eigenen Steinbruch hat. „Das hätte hier aber nicht gepasst. Naturofloor ist hier genau das richtige Produkt“, sagt sie. Für ein Haus, das seine eigene, raue Geschichte längst mitbringt, wollte sie keinen zweiten harten Auftritt, sondern eine Oberfläche, die sich der alten Substanz unterordnet, statt sie zu übertönen.

Von Hühnerstall zu Gletscher

Den Ton für das Obergeschoss-Bad gab ausgerechnet jener Hühnerstall vor, der früher dort war: Sein brauner Boden wurde zur Vorlage für die neue Farbe. Handwerker Jens Puhlfürst trug den Belag wolkig auf, Schicht für Schicht, bis das Braun stimmte. In der Dusche gleich daneben sitzt ein tiefes Blau, das an eine Gletscherspalte erinnert, in die gerade die Sonne fällt. Bei über 210 Farbtönen zur Auswahl war die Qual der Wahl offenbar real, das Ergebnis überzeugt aber: „Dass die Farben tatsächlich so herausgekommen sind, wie ich mir sie ausgemalt habe, war fantastisch“, sagt die Innenarchitektin.

Innenarchitektin Irina Domenig-Skaanes vor dem Baschli Haus in Vals

Innenarchitektin und Hausherrin Irina Domenig-Skaanes vor dem Baschli Haus. © Naturofloor

Im Erdgeschoss, wo eine ehemalige Schlafkammer neben der historischen Stube zu einer winzigen, schiefen Toilette wurde, sitzen Graphit am Boden und ein helles Perlbeige an der Wand. Der kleine, unregelmäßige Raum ist der Beweis, dass sich das Material auch dort bewährt, wo keine Wand im rechten Winkel steht. „Es ist krumm und schief, aber mit Naturofloor war es dennoch möglich, einen wunderschönen kleinen Raum daraus entstehen zu lassen“, sagt Domenig-Skaanes.

Naturofloor fürs Bad

Naturofloor ist ein Schweizer Original für fugenlose Wand- und Bodenbeläge, das zu einem Großteil aus Quarzsand und Weißzement besteht und in mehreren Schritten von Hand aufgetragen wird, jede Fläche ein Unikat. Hergestellt wird es von der familiengeführten Sandman AG im bündnerischen Malans, verarbeitet ausschließlich durch geschulte und zertifizierte Fachbetriebe. Genau diese Handschrift ist es, die Domenig-Skaanes an dem Material schätzt: „Die Haptik dieses Putzes ist super angenehm. Da sieht man die Handarbeit, das Können der Person, die die Arbeit ausgeführt hat.“ Ganz unähnlich ist das Prinzip nicht zu dem, was man aus heimischen Nobelherbergen kennt: Auch im Goldberg in Gastein setzt man im WIENER-Test lieber auf heimisches Holz und Stein als auf glatten Standard.

Naturofloor in Österreich

Wer das Material nicht extra in die Schweiz reisen möchte, um es zu bewundern, kann sich das ersparen: Naturofloor listet Österreich in der eigenen Fachbetriebssuche gleichberechtigt neben der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Belgien und Luxemburg als bedientes Land. Ein Preis lässt sich seriös nur vor Ort kalkulieren, zu unterschiedlich sind Fläche, Untergrund und Farbwahl von Projekt zu Projekt. Wer sich für Naturofloor-Bäder österreichweit interessiert, findet über die Herstellerseite den nächstgelegenen zertifizierten Betrieb.

Weitere Eindrücke aus den Naturofloor-Bädern des Baschli Hauses: Duschwand in Gletscherblau, das kleine Gäste-WC in Graphit und die freistehende Wanne im Obergeschoss. © Naturofloor

Im Baschli Haus jedenfalls ist von den Hennen nichts mehr übrig außer der Farbe. Der Boden im ehemaligen Stall trägt heute nackte Sohlen statt Krallen, und Domenig-Skaanes sagt, dass sie jedes Mal glücklich wird, wenn sie sich in einem ihrer Bäder aufhält. Manche Häuser brauchen fünf Jahre, um ihren Frieden mit sich selbst zu finden. Dieses hat ihn offenbar gefunden, barfuß, auf einem Boden ohne Fuge.