Men of Stil

Techno-Phenia

Christopher Just schmiss als Post-Mod die Angewandte, musizierte Techno-Punk und schreibt Bücher. Als „Mod­detektiv“ knallt er uns nun einen kristallinen apokalyptischen Corona-Roman vor den Latz.

Fotos: Maximilian Lottmann / Interview: Alex Pisecker

Du beschreibst Moddetektiv Johnny Augustin Sandemann als „stylebewussten“ Wiener ­Privatermittler. Wie viel Christopher steckt in Johnny?
80 Prozent seiner Persönlichkeit decken sich mit meiner eigenen. Sein Styling ist auf meine Mod-Phase zurückzuführen. Er grenzt sich wie ich vom Mainstream ab. Abgesehen davon hab ich Johnny eine gewisse „dandyhafte ­Arroganz“ verpasst.

Im „Moddetektiv“ geht es um eine Fehde­ ­zwischen Mods und Teds. Welche davon war deine Truppe?
Als ich 13 war, stand einer meiner Freunde eines Tages in einem Sixties-Anzug und Parka auf der Kennedybrücke und statuierte, er sei jetzt ein Mod. Der Style gefiel mir, und im Fundus meines Vaters ließ sich auch alsbald ein passender Anzug auftreiben, und auf ging’s zum Donnerbrunnen in die Stadt. Die Mod-­Phase dauerte bis 16. Die Teds hatten allerdings das hübscheste Mädchen, die Gaby.

Wie stehst du zur modischen Verwahrlosung in Zeiten von Corona?
Weder hab ich vor, mir eine fernsehbedingte Corona-Wampe anzuzüchten, noch den Rest meines Lockdown-Daseins in der Jogging­hose zu versumpern. Den Branding-Overkill in diesem modischen Segment finde ich recht unwürdig.

Was war dein schlimmster Mode-Fauxpas, und wie sah der aus?
Ein Freund und ich überlegten uns ein Outfit für die U-Mode in den 80ern, und er redete mir den „Multicolor-paisleygeblümten“ Schlafrock meines Vaters in Kombination mit einer Wollweste ein. Im U4 angekommen meinte er dann, es sei ein Witz gewesen …

Von welchem Kleidungsstück konntest du dich nie trennen?
Da gibt es zwei Teile. Einerseits ein Yohji-Yamamoto-Sakko und andererseits einen Anzug von Comme des Garçons. Der mit den Rolling-Stones-Zungen.

Was trägst du, wenn du schreibst?
Selbstverständlich ein sandbraunes Schriftstellersakko aus Cord mit Lederflicken an den Ellbogen. Ich befinde mich dann in der von mir erschaffenen Welt meiner Protagonisten.

Personal
Christopher Just wurde 1968 in Wien geboren und verbrachte eine glückliche Kindheit in Penzing. Nach Gymnasium und einem kurzen HAK-Gastspiel gönnten ihm seine Eltern ein Orientierungsjahr. Das absolvierte er bei Franz Thell im „Motto“, wo die „Szene“ Hof hielt. Diese Einflüsse bewegten Just, sich in der Modeschule Hetzendorf einzuschreiben. Nebenbei jobbte er bei Dum Dum Records und fertigte Parodien von Gemälden alter Meister in Öl an, was ihn letztlich an die Angewandte brachte. Bald überwoag jedoch das Bedürfnis, Musik zu machen. Mit Peter „Pure“ Votava schaffte Just das entsprechende Equipment an, und die beiden produzierten knallharten Techno. Ein Auftritt im U4 bescherte „Ilsa Gold“ den ersten Plattenvertrag und Gigs vor bis zu 70.000 Zuschauern.
2016 schließlich formte Christopher Just die Idee, einen Roman zu schreiben. Der Moddetektiv wurde geboren, erschienen im Milena Verlag. Die Resonanz bei Kritikern und Presse konnte sich sehen lassen. Was zum nächsten Roman „Catania Airport Club“ führte und nun mit „Der Moddetektiv besiegt Corona“ seine Fortsetzung findet.

Christopher Just trägt:
Polo: Comme des Garçons für Fred Perry, High Waist Slacks: Superated, Schuhe: Church’s, Mantel: Bugatti by Tlapa