AKUT

Diese Woche hassen wir: Sex in der Therme

Sarah Wetzlmayr

Winterzeit ist Thermenzeit. Winterzeit ist auch jene Zeit, in der die meisten Kinder gezeugt werden. Wir haben eins und eins zusammengezählt und dieser Schwall an Ärgernis ist dabei herausgekommen. 

Winterzeit ist Thermenzeit. Während einem draußen der Nordwind um die Ohren peitscht, die Nase abfriert und zu einem roten, teilweise bereits abgestorbenen Klumpen mutiert, gibt es dort diese riesigen Badewannen, die einem Herz und Nieren erwärmen und das Hirn in einem teilweise aufgeweichten Zustand zurücklassen. In der Therme lässt sich im Normalfall eine ziemlich unbeschwerte Zeit verbringen. Man könnte sich stundenlang einfach treiben lassen, wenn da nicht diese eine Sache wäre: Während man nämlich genau das tut – sich einfach treiben lässt – und tief in seiner eigenen Gedankenwelt versinkt, treiben es manche am anderen Ende des Beckens nämlich. Vollkommen unverschämt verwechseln sie das der Thermenwelt ganz eigene In-Sich-Gehen mit einer Tätigkeit, die man ähnlich bezeichnen könnte, die aber in diesem Kontext eher häufiger zu zweit ausgeführt wird. Es mag sein, dass es das chlorhaltige Wasser ist, dass einem hier zu Kopf und bis in die Augen steigt und einen die anderen Thermenbesucher nicht mehr wahrnehmen lässt oder es könnte auch am erhöhten Salzgehalt des Solebeckens liegen, der einem Durst auf mehr als nur Wasser macht. Man weiß es nicht. Was aber gewiss ist: Sex in der Therme sollte mit der für Thermenliebhaber genannten Höchststrafe „Lebenslanges Badewannen-Verbot“ geahndet werden, denn nichts lässt einen die Geschlechtskrankheiten so schnell von A bis Z durchgehen wie ein bumsendes Pärchen im sogenannten Ruhebecken. Dass sich das Ganze meistens – wie in der Therme Wien beispielsweise – im sogenannten Ruhebecken abspielt, ist sowieso die Krone der Absurdität. Denn nichts erzeugt so viel nervöse Unruhe, wie Zeuge dieses Höhepunkts der Feuchtigkeit zu werden. Aus oben genannten Gründen (Hepatitis A-Z) sowie auch aus einigen anderen, die jeder eher für sich selbst ausformuliert und die den gerade noch akzeptablen Gehalt an Kraftausdrücken, der innerhalb dieses Artikels möglich wäre, sprengen würde.