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Sting plays Bass

Sting versus Jose Feliciano, das ist Brutalität

Franz J. Sauer

Sting ist gerade on Tour, am Dienstag, den 11.7. spielt er auf Burg Clam. Quasi im Vorbeifliegen nahm er letztens in Stockholm einen Musikpreis entgegen. Der Preis, den er dafür bezahlte: er musste Fassung bewahren, als Jose Feliciano einen seiner berühmtesten Songs interpretierte …

Der schwedische „Polar Music Prize” ist so etwas wie der Nobel-Preis der Musikindustrie, zumindest behaupten das Kenner der Branche. Wir haben davon noch nie was gehört, wir kennen uns aber auch nicht aus. Ab heute jedenfalls werden wir uns den honorigen Preis, der alljährlich in Stockholm in Anwesenheit des Königshauses so wie einer eklektischen Auswahl an Musik-Giganten verliehen wird, merken.

Eine gar witzige Versuchsanordnung ergab sich, als Sting (neben „Weather Report”-Gründer Wayne Shorter übrigens) am 15. Juni in Stockholm mit eben obengenanntem Award ausgezeichnet wurde. Quasi als Laudatio interpretierte eine wahre Legende einen der bekanntesten Sting-Songs aller Zeiten, den dieser ursprünglich mit seiner Band The Police aufgenommen hatte: „Every Breath you take”, gegeben von Jose Feliciano. Zur Seite stand dem puertoricanischen Superstar, er uns nicht nur jede Weihnacht mit seinem Dauerbrenner „Feliz Navidad” in den hitradiogeschädigten Ohren liegt, sondern auch für Wien die berühmte Hommage „Vienna, Vienna” schrieb, das serbische Sanges-Talent Jelena Krstic, die derzeit etwa mit dem wunderbaren Harri Stojka auftritt.

Eigenwillige Interpretation

Nun ja. An der Band und dem Streichorchester liegt es jedenfalls nicht, dass Meister Feliciano ziemlich lange braucht, um die richtige Intonation zu finden. Die rhythmischen Aussetzer wollen wir mal dem Genre Free-Jazz zuordnen, Interpretationsfreiheit, sozusagen. Das Shred-Solo hingegen, das immer wieder im waschechten Flamenco-Style angebracht wird, weist Jose Feliciano als wahren Gitarrero aus, der er ja nun auch ist. Es passt allerdings kaum zum Song.

Mr. Sting, nebst Gattin Trudy Styler gleich neben den schwedischen Royals platziert, will jedenfalls an mehreren Stellen der Interpretation laut loslachen, zumindest sieht es im Video so aus. Seine Frau scheint ihm jedenfalls die Hand zu zerdrücken, im Behufe das zu verhindern. Manchmal scheint er auch zu Tränen … naja, gerührt ist da jetzt vielleicht das falsche Wort. Aber er will gelegentlich auch losweinen, zweifellos. So, genug geteast, hier kommt der Streifen:

Schön, gell? Allerdings hat die Sache ein Happy End. Laut Musikexpress war Sting letztlich doch sehr erfreut über die ihm durch das Cover widerfahrene Ehre. Der Wortlaut der Dankesrede: „I’m standing alongside … Mr José Feliciano, whose influence on my own music both as a singer and a guitarist has gone unsaid, until now.”

Na dann ist ja alles gut. Und hier nun ein Every-Breath-Cover, das diese Bezeichnung auch wirklich verdient: