Ein Punk erobert die Hochkultur

Der Schauspieler Ben Becker liebt das Extrem. Egal ob im Privatleben oder auf der Bühne: er verkörpert eine gleichsam unkonventionelle, wie unterhaltsame Existenz zwischen ekstatischen Höhenflügen und katastrophalen Totalabstürzen. Mit dem WIENER sprach der kompromisslose Draufgänger über die dumme Arroganz einer Ö3–Moderatorin, seine Heirat in Österreich sowie eine fast tödliche Heroinüberdosis

Er bretterte mit Rockerlegende Lemmy Kilmister in einem schrottigen Amischlitten durch Berlin. Punkikone Blixa Bargeld ist ein gern gesehener Gast in seinem privaten Domizil. Und auch Songwritergröße Nick Cave kennt er nicht nur vom beiläufigen Händeschütteln. Ob dieses einschlägigen Freundeskreises könnte Ben Becker problemlos als Frontman einer arrivierten Rock`n`Roll-Combo durchgehen. Mit Betonung auf könnte. Denn obwohl der tätowierte Barde bei Aufführungen immer wieder zum Gesangs-Mikro greift und seine aufrührerischen Punk-Attitüden im Zuge schneidiger Öffentlichkeitsauftritte auf humorvolle Art und Weise zu inszenieren versteht (er verkündete in einer Radioshow glaubhaft den Tod Franz Beckenbauers), ist er vorrangig als Berufsmime ein Begriff.

Seit nunmehr 15 Jahren zählt Ben Becker zu der erlauchten Gruppe der renommiertesten Theater- und Filmschauspieler Deutschlands. Kinostreifen wie „Schlafes Bruder“ oder „Comedian Harmonists“ machten ihn zum gefeierten Star. Spätestens mit dem Engagement bei den Salzburger Festspielen ist das Berliner Enfant Terrible nun auch in der Hochkultur angekommen. Als sicher gilt, dass der Stiefsohn Otto Sanders die Festspiele – oder wie er zu sagen pflegt: „Disney World“ – nächstjährig erneut im Kostüm des Sensenmanns beehren wird. „Ich habe meinen Handschlag darauf gegeben.“, so der Schauspieler.

Die Absicht, zum dritten Mal das Abenteuer Jedermann einzugehen, bedurfte laut eigenen Angaben keinen langwierigen Entscheidungsprozess: zum einen fand er in Nicolas Ofczarek einen kongenialen Partner, zum anderen konnte er dem Rummel abseits der Bühnenbretter viel Unterhaltsames abgewinnen. Auch wenn ihn das substanzlose Promigelärme nicht selten bis ans Limit seiner nervlichen Belastungskapazität pushte, gefiel sich der Berliner mit einem Faible für traditionelle Trachten im hysterischen Treiben der Reichen und Schönen. „Ich mag den Trubel. Und ich kann versichern: so mancher steife Aristokrat wird nach dem Abmarsch der Medien erfrischend direkt. Auch wenn es dann mal furchtbar anstrengend wird, bin ich letztlich doch Entertainer und genieße die Selbstdarstellung. Egal ob ich auf der Bühne stehe oder in einem Cafe sitze. Ich sehe mich als Gesamtkunstwerk und lasse mich spontan auf Situationen ein. Die Trennung zwischen Kunst und Leben ist in meinem Fall nicht klar zu ziehen. Dass ist sicher eine Eigenart von mir.“, erläutert Ben Becker mit gewohnt rauchiger Stimme. Und gerade diese Eigenarten sind es, die den mehrfach ausgezeichneten Darsteller in der oftmals medioker erscheinenden deutschsprachigen Schauspiellandschaft unverwechselbar machen.


Tipp

Ben Becker veröffentlicht im November sein zweites Kinderbuch „Brunos Weihnachten“.