Markus „Mendy“ Swoboda:Standfest

Er war 7, als er beide Beine verlor. Heute ist er 20, Weltmeister bei den Para-Paddlern, Staatsmeister bei den „normalen“. Doch was ist das schon, Normalität? Markus „Mendy“ Swoboda hat seine Antwort darauf gefunden.

Der Mann, den sie Mendy nennen, nach einem Schloss in good old England, ist ein sympathischer Bursch‘. Lässig lehnt er an seinem neuen VW Multivan Comfortline, er wirkt reifer, ein wenig älter, als es seine 20 Jahre erwarten lassen würden, vielleicht um einen Hauch entschlossener. Sonst ist da nichts, was ihn von seinen Altersgenossen unterscheiden würde. Zumindest nichts, was sofort erkennbar wäre. Er trägt Jeans und einen grauen Kapuzenpulli, alles also ganz normal. Bis er losgeht, humpelnd, das rechte Bein drehend, als ob es steif wäre. Wobei: „Bein“ stimmt nicht. Mendy hat keine Beine.

Mendy ist sieben Jahre alt, als er in die Förderschnecke der elterlichen Hackschnitzelheizung gerät. Beide Beine müssen abgenommen werden. Das linke zwanzig Zentimeter unterhalb des Knies, das rechte knapp über dem Knie. An den Moment, als ihm dies in sein Bewusstein tritt, kann sich Mendy nicht wirklich erinnern. „Durch die Phantomschmerzen hab ich das zunächst gar nicht wahrgenommen.“

Ein Jahr nach dem Unfall steht Markus schon wieder auf Schi, die speziell für ihn angefertig wurden, später aber aufgrund seines zunehmenden Körpergewichts zu aufwändig zu produzieren sind. Mit acht beginnt er zu schwimmen, mit zehn mit dem Kajakfahren, „weil beim Wasserski nichts gegangen ist“, erzählt der Sohn eines Wasserskispring-Europameisters und -Weltrekorders. Der Sport macht den BORG-Linz-Maturanten zu dem, was er heute ist: glücklich, unabhängig und erfolgreich. „Ein Leben ohne Sport kann ich mir nicht vorstellen. Er zwingt einen zur Selbständigkeit.“


Das Schnecke-Linz-Vereinsmitglied tritt sowohl bei „normalen“ als auch bei Para-Bewerben an, die es erst seit zwei Jahren gibt. Seine Disziplin ist das Flachwasser: Kajakmarathon und Sprintregatta über 200, 500 und 1000 Meter. Drachenboot und Freestyle fährt er zum Spaß. Der Leistungssport verlangt diszipliniertes Training. Zehn Einheiten zu einer bis eineinhalb Stunden plus etwa drei Krafteinheiten pro Woche. Nur einen Ruhetag gönnt sich der Frühaufsteher. Im Winter stehen Paddel-Ergometertraining, Schwimmen und ebenfalls Krafttraining auf dem Programm. Die Erfolge können sich sehen lassen. Stolz ist der Schnecke-Linz-Paddler besonders auf den Vereinsmeister 2008, den 15. Platz bei der Junioren- EM 2008 und seine vier Staatsmeistertitel 2008 – ein erfolgreiches Jahr! Den Weltmeistertitel bei der Para-Canoe- WM heuer im August in Polen erwähnt Mendy nur am Rande. Dort siegte er auf 200 Meter quasi konkurrenzlos mit neun Sekunden Vorsprung. Auf seinen Lorbeeren ruht sich der Spitzensportler nicht aus und meint: „Ich muss an meiner Technik arbeiten.“

Das tut er während des Sommers zum Beispiel auf dem Trainingslager in Florida, wo sich eines seiner drei Kajaks befindet. Ein weiteres 12-Kilo-Rennboot sowie ein Mannschaftsboot stehen in Linz. Denn Mendy ist nicht nur Einzelkämpfer, sondern auch Teamplayer und fährt in Mannschaftsbewerben zu zweit oder zu viert. Seine Boote sind mit kippbaren Fußmanschetten und Hüftgurt ausgestattet, um ihm einen guten Halt zu geben. „Wenn man Füße hat, drückt man im Boot und rutscht im Sitz hin und her. Ich bin fixer mit dem Boot verbunden als andere Fahrer.“ Das Steuer bedient er mit dem Knie. (Weiterlesen auf Seite 2)

Info

Markus Mendy Swoboda. Geboren am 5. Februar 1990 in Linz. Mit sieben Jahren verliert er bei einem Unfall beide Beine. Mit 10 beginnt er mit dem Kajakfahren. Er trainiert im Verein Schnecke Linz, ist viermaliger Staatsmeister und erzielte heuer bei der Para-Canoe-WM in Polen den Weltmeistertitel. Seit Oktober studiert er Physik und Chemie in Graz.