Buch

Kurt Molzer – Wiedervereinigung live

Er führt eine der edelsten Federn deutscher Zunge, publizierte meist in deutschen Zeitschriften und bisweilen auch im WIENER. Seine Kolumnen sind legendär und gottlob auch in Band-Form erschienen. Nun bringt Herr Kurt, rechtzeitig zum Mauerfalljubiläum eine weitere Geschichtensammlung in Buchform.

Fotos: Maximilian Lottmann

In den Frühtagen seiner journalistischen Karriere, also lange bevor er als „Herr Kurt“ das deutsche Männermagazin „GQ“ lesenswert machte, oder, wenig später, einem anderen deutschen Männermagazin als Chefredakteur vorstand, war Kurt Molzer Reporter. Und eignete sich ebenda eine sagenhaft fotografische Beobachtungsgabe an, die er wie wenige auch zu Papier zu bringen vermag. So versetzte ihn das Schicksal just am Tage der Deutschen Wiedervereinigung (deren Initialzündung, der Fall der Berliner Mauer, sich ja heuer zum 30. Mal jährt) als lokalen Chefreporter der „BILD-Zeitung“ ins sächsische Halle. Wo sich hysterische Goldgräberstimmung mit dem Mief der eben zu Grabe getragenen DDR zu einer hochexplosiven Mischung vermengte, deren teils verheerende Störkräfte bis heute nachwirken.

Na klar ergab das Storys um Storys, die nicht alle in ihrer brutalen Zonenrealität in die „BILD“ fanden. In Molzers Gedächtnis blieben sie erhalten und nun erscheinen sie auf 184 Seiten zwischen zwei Buchdecken. Wer sich großteils Ossi-Anekdoten mit Kalauer-Charakter erwartet, liegt übrigens falsch. Kurt Molzers Buch berührt stellenweise, ebenso wie es zu schockieren vermag. Und wer bisher – für uns völlig unverständlicherweise – noch kein Molzer-Fan war, ist es spätestens nach diesem Buch.

Kurt Molzer: „Schiller muss sterben!“ – Die irren Erlebnisse eines Reporters der BILD-Zeitung nach dem Mauerfall. Hardcover mit Schutzumschlag, 184 Seiten. GEFCO-Verlag. Wien, erhätlich ab September.