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Das It-Girl der Kommune

Memory Lane: Im November vor 50 Jahren endete Deutschlands berühmt-berüchtigte Kommune 1. Ein Anti-Spießer-Projekt von APO-Studenten zwecks Vernichtung kleinfamiliärer Privatsphäre. Uschi Obermaier war ihr Magnet.

Fotos: Getty Images

Die Namen der 1967 im Haus des Autors Hans Magnus Enzensberger gegründeten K1 sagen noch heute was: etwa Dieter Kunzelmann (später wegen Bombenlegen im Knast), Fritz Teufel (Spaßguerillero) und eben Rainer Langhans (Mao-Freak). Sie hatten die Kleinfamilie als Wurzel des Faschismus geortet und zogen aus, um jegliche Privatsphäre zu vernichten. Per Kommune. Nicht mal fürs Klo sollte es eine Türe geben. Die Ingredienzen zum Zweck: „revolutionäres“ ­Haschrauchen, lange Haare, Sex und so weiter. Ist hier egal. Hier geht es um das super Model Uschi Obermaier, die 1969 der K1 beitrat; mit ihr kam der Glamour und bald das Ende. Für die männlichen Teenies der Epoche war „Uschi“ ein doppelläufiges Codewort für feuchte Träume. Die eine war Uschi Nerke, die im Pop-Programm „Beat Club“ quasi Womanspreading im Minirock betrieb. Die andere war Obermeier, entdeckt vom Magazin „Twen“ (berühmte Coverstory: „Sex mit Minderjährigen? Mit wem sonst!“), dann fotografiert von Helmut Newton, bald Galionsfigur der sexuellen Revolution. Mit ihr kamen große Namen ins Haus, etwa Jimi Hendrix, mit dem sie es natürlich trieb, und so weiter. Uschi in der K1 gilt als Auslöser für das Bed-in von John Lennon und Yoko Ono. Nur wurde es ihr in der K1 bald eng, weil ihr „der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus scheißegal“ war, wie sie sagte. Sie haute bald ab, weil ihr so Leute wie Mick Jagger und Keith Richard nicht egal waren. Die Kommune kollabierte im November 1969. Ms Obermaier (73) lebt heute in Topanga Canyon unweit von Los Angeles.


Uschi Obermaier: High Times – Mein wildes Leben by Olaf Kraemer, Heyne, München 2007.