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Ironie der Evolution – Muskulös ist nicht maskulin

Das Phänomen erhielt 2019 seinen Namen: das Mossman-Pacey-Paradox. Gemeint ist eine „evolutionäre Ironie“, wonach männliche Aktivitäten zur Steigerung ihrer sexuellen Attraktivität letztlich zur Unfruchtbarkeit führen.

Foto: Getty Images

„Ist es nicht ironisch“, sagt Allan Pacey, „dass Männer ins Fitnessstudio gehen, um großartig auszusehen und für Frauen attraktiv zu sein, damit aber ihre Fruchtbarkeit ruinieren?“ Fürwahr eine paradoxe Situation auf der Bühne der Evolution: optische Virilität bei gleichzeitiger immanenter Sterilität; ein Kerl von einem Mann, der aber nur Platzpatronen ballert, seinen Genpool nicht auf die nächste Generation übertragen kann.
Allan Pacey ist Professor an der Universität Sheffield und Europas renommiertester Experte in Sachen männliche Fruchtbarkeit. Es war sein Student James Mossman, der ihn anlässlich seiner Doktorarbeit auf ein Phänomen aufmerksam machte: Viele Männer, die im Labor zu einem Fruchtbarkeitstest antraten, hatten eines gemeinsam – sie waren groß und muskulös. Mossman: „Diese Männer gingen ins Fitnessstudio, arbeiteten an ihren Muskeln, taten alles, um optisch wie der Inbegriff der Evolution rüberzukommen, erwiesen sich aber evolutionär gesehen als unfit. Sie hatten allesamt keine Spermien in ihrer Ejakulation.“


Studien berichten schon lange von einem Link zwischen dem Druck der Social Media und wachsender Unzufriedenheit insbesondere der Millennials mit ihren Körpern. Entsprechend die Symptome, bei Männern zum Beispiel Muskeldysmorphie, eine Störung des Selbstbilds, auch Adonis-Komplex genannt: das Gefühl, gemessen an der persönlichen Idealvorstellung, unzureichend muskulös zu sein. Die Konsequenzen: Essstörungen, Einnahme exzessiver Mengen von Proteinen, übertriebene Fitnessmanie, Gebrauch von Steroiden. Anders gesagt: Die Konsequenzen sind unter anderem beschädigte innere Organe, Gemütsschwankungen, Paranoia, Erektionsschwierigkeiten – und Unfruchtbarkeit: „90 Prozent der User anaboler Steroide werden letztlich steril“ (Pacey).

Fazit der Wissenschaftler: Viele Männer setzen sich das unerreichbare Ziel, sowohl körperlich als auch evolutionär fit zu sein, und bringen dadurch ihre Muskulosität und ihre Maskulinität in direkten Konflikt. Ein Phänomen, das nun immerhin einen Namen hat: das Mossman-Pacey-Paradox.

Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/health-48396071