AKUT

Die Aktie des Jahres

Über Neid und Börse könnte man Bücher füllen. Ich drehe um: Neidlos darf man anerkennen, dass der Wiener Börsenneuling Marinomed ein Volltreffer ist. Für Wolfgang Matejka, den wohl bekanntesten Fondsmanager Österreichs, ist Marinomed sogar die Aktie des Jahres. 

Text: Christian Drastil / Foto: Wiener Börse

Der Titel „Aktie des Jahres“ ist natürlich ein Superlativ und in der Sache diskutierbar. Ich möchte in diesem Bericht herleiten, warum ich guten Gewissens „Aktie des Jahres“ schreibe, obwohl das Jahr noch nicht zu Ende ist [zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels]. Zum einen stammt das Wording „Aktie des Jahres“ in Bezug auf Marinomed nicht direkt von mir, sondern von Freund und Wegbegleiter Wolfgang Matejka. Wolfgang ist Österreichs wohl bekanntester Fondsmanager, Finanzblogger des Jahres und wird wohl das Motiv haben, dass er in seinem Fonds mit Marinomed Freude hat. Das ist legitim, man lebt da mit. Auch ich habe bei Marinomed sehr positive Emotionen, das Headquarter ist in Wien-Transdanubien, so zwischen 21. und 22. Bezirk, ganz in der Nähe bin ich aufgewachsen. So was verbindet, Leute! Konkret ist Marinomed in der Vetmeduni Wien untergebracht, forscht dort in ganz kleinen bescheidenen Räumlichkeiten eines Pavillons. Der Grund, warum ich das Unternehmen vor Ort besucht habe, bringt mich zu den Produkten des Unternehmens.


Denn: Bei der Pressekonferenz zum Börsenstart wurde u. a. Coldamaris vorgestellt, ein Nasenspray, der für rasches Abschwellen sorgt und nicht nur die verstopfte Nase entstopft, sondern auch angeschlagenen Stirn- und Nebenhöhlen überraschend schnelle Erleichterung bietet. Nun ist es so, dass der Emissionschef (nicht etwa der Chef der CO2-Emissisonen, sondern Chef der Börsengänge, die nennt man auch Emissionen) der Erste Group einer meiner Läuferkumpels ist. Und da weiß man von den Wehwehchen des jeweils anderen. Meine Problemzone sind die Stirnhöhlen, und das wurde auf der Pressekonferenz, zwar nicht am Podium, aber doch in großer Runde angesprochen: „Christian, das ist ein Produkt, das du unbedingt testen solltest“. Die Marinomed-Vorstände hörten das, luden mich prompt ein, und so war ich eben wenige Tage später vor Ort in der entspannten Atmosphäre der Veterinärmedizinischen Uni (freundlichste Portierin bei der Einfahrt!) und fasste einen Satz Coldamaris für meine Laufcommunity aus. Schmäh ohne: Ich habe seither deutlich weniger ­Probleme als früher. Und ich hatte viel probiert.

Nach den Soft- nun zu den Hardmotiven für die „Aktie des Jahres“. Nun, Marinomed ist ein Börsenneuling des Jahres 2019, erst seit dem 1. Quartal an der ­Börse. Den Newcomern ist man als Privatanleger grundsätzlich mal wohlgesonnen, es kommen ja nicht so viele Unternehmen an die Börse, und man freut sich über Zuwachs. Heuer waren es in Wien durchaus einige Neulinge, im frisch gelaunch­ten Einsteiger-Segment „Direct Market“ sogar sehr viele. So wirklich um die Privatanleger gekümmert hat man sich in diesem Segment aber (noch) nicht, die großen Ausnahmen sind startup300 und NET, vor allem erstere machen das wirklich super. Und dann gab es noch drei Börsengänge, die gleich in den großen ATX Prime abzielten: Frequentis, Addiko Bank und eben Marinomed. Während erstere beide noch Scheu im Umgang mit Privatanlegern zeigen, war Marinomed von Anfang an mittendrin. Noch – im positiven Sinne – härter ist bei Börsenneulingen folgender Fakt: Der Aus­gabepreis der Marinomed-Aktie war 75 Euro, und das hat man nie unterboten. Wer also seit der Aktienausgabe dabei war, ist durchgehend im Plus. Mittlerweile notiert die Aktie bereits im dreistelligen Euro-Kursbereich bei rund 40 Prozent Plus, gehört damit mit War­impex, S Immo, OMV, Wiener­berger und UBM zum Besten, was das große Wiener Handelssegment 2019 zu bieten hat. Und damit punktet man natürlich bei den ­Aktionären am meisten.

Und noch eine Facette, die bei weiten nicht bei allen börsennotierten Unternehmen so easy geht: Der aws Mittelstandsfonds und die Invest Unternehmensbeteiligungs AG (gehört zur RLB Oberösterreich), die bereits vor dem Börsengang investiert waren, haben vor wenigen Wochen insgesamt 95.000 Marinomed-Aktien quasi über Nacht um ca. 30 Prozent über dem Ausgabepreis weiterplatziert. Aussteigen gehört für Risikokapital­geber zum Geschäft und erhöht auch den Streubesitz bzw. die Handelbarkeit der Aktie. Das ist eine gute Sache.

Marinomed sollte auch für die Zukunft gut gerüstet sein, vor ­allem das patentierte Marinosolv-­Verfahren birgt Chancen. Marinosolv verspricht eine verbesserte Löslichkeit von schwerlöslichen Stoffen in Medikamenten. Kann man das ausrollen, geht es um ­einen Megamarkt. Es ist freilich eine Aktie für Leute, die nicht von Quartal zu Quartal denken, sondern an Innovation und die Produkte glauben. Und Lösungen in Gesundheitsfragen kommen immer gut, auch bei Leuten, die nicht Börsenfans sind.. Mir persönlich sind Forscher und Entwickler sowieso immer sympathisch. Ich bin gespannt, wie es mit der Aktie des Jahres weitergeht.


Christian Drastil
ist Ex-Banker bzw. Gründer und Ex-CEO zahlreicher Onlinemedien. Seit 2012 ist er mit dem Börse Social Network selbstständig. Diese im WIENER gedruckte Doppelseite erscheint 1 : 1 im 100-seitigen Monatsmagazin Börse Social Magazine – boerse-social.com/magazine.