KULTUR

Superfly presents: Aloha!

Egal, bei welchem Wetter oder zu welcher Jahreszeit, es lohnt sich; Urlaub im Kopf. Zum Beispiel Hawaii. Wer an Hawaii denkt, dem fallen Blumenketten und kitschige Aloha-Musik ein. Vielleicht auch ein Detektiv im roten Ferrari. Doch wir ­widmen uns einer Musikszene, die sich gegen das Klischee richtet. Mit viel Funk und Soul. Denn eines steht fest: Aloha Got Soul.

Weiße Sandstrände, Palmen, daneben Restaurants und jede Menge Clubs. So muss man sich das Stadtviertel Waikiki in der hawaiianischen Hauptstadt Honolulu vorstellen – zumindest in den Siebzigerjahren. Heute ist davon kaum etwas zu sehen. Luxushotels ragen in den Himmel, die Seele Hawaiis ist längst zur Postkarte verdonnert worden. In den 70ern gibt es hier aber eine brodelnde Livemusik-Szene: In Clubs wie dem „Hula Hut“ oder „The Point After“ spielen jeden Abend lokale Bands und Künstler, deren Namen heute längst vergessen sind.

Mitte der Achtzigerjahre verändert sich die Szene in Honolulus Strandviertel Waikiki: Viele Clubs werden von japanischen Investoren geschluckt, auf lokale Live-Bands wird verzichtet. Stattdessen werden DJs für die Clubs angestellt, was auch preiswerter ist. Während Künstler wie Mike Lundy noch versuchen, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen, gehen Bands wie Tender Leaf oder Nova getrennte Wege. Einzig die Sängerin Nohelani Cypriano tritt bis heute zweimal die Woche in Waikiki auf.


Dieser Tage widmen sich verstärkt junge Musikliebhaber und Rare-Groove-Spezialisten dieser Zeit. Allen voran der knapp 30-jährige Hawaiianer Roger Bong. Zu jung, um den hawaiianischen Soul-Underground rund um Leute wie Mike Lundy oder Nohelani Cypriano hautnah miterlebt zu haben. Als Botschafter dieses Sounds gilt er aber bereits seit Jahren. 2010 gründet der passionierte Plattensammler den Blog „Aloha Got Soul“, um auf die einzigartige Musikszene der Inseln aufmerksam zu machen. Auslöser hierfür war ein Mix des japanischen DJs und Plattensammlers Muro, der hawaiianischen Soul und Funk gemixt hat.

Mit der Compilation „Aloha Got Soul“ hat Roger Bong eine großartige Selektion für das englische Label Strut veröffentlicht, die sich dem hawaiianischem Funk, Soul und Disco der späten Siebziger und frühen Achtziger widmet und diesen Spirit ins Hier und Jetzt bringt. Ein Massenphänomen kann es natürlich nicht werden. Zu subtil, zu verspielt und zu schön ist diese Musik. Für Roger Bong ist der Grund des neue Hypes für den Insel-Soul leicht erklärt.

Die Magie Hawaiis hat bis nichts von ihrem Reiz verloren. Und wer weiß, ob nicht Tom Selleck, nach den Dreharbeiten zu „Magnum“, zu Sounds von Hal Bradbury oder Marvin Franklin getanzt hat. Aloha aus Waikiki …

Good to know – Musikwissen, mundgerecht. Im WIENER und live auf Superfly FM, your SoulRadio (98,3 MHz oder www.superfly.fm)