KULTUR

Künstler in der Kiste

Wieviel müsste man euch zahlen, damit ihr euch für 14 Tage alleine in eine Glaskiste einsperren lasst, in der euch alle Welt beäugen kann? Felix Kammerer, Anna Marboe, Alina Schaller, Anton Widauer und Tilman Tuppy begeben sich freiwillig in beschauliche Isolation: „Bitte nicht berühren“ nennt sich die Aktion der Theatergruppe KollekTief, die seit dem 1. bis zum 15. August beim Theaterfestival Hin & Weg in Litschau im Waldviertel stattfindet.

Fotos: Stephan Mussil

Die fünf Jungspunde verfügen in ihrer jeweiligen Glaskiste nur über das allernötigste, sämtliche elektronischen Geräte zählen da natürlich nicht dazu. Sprich: Kontakt zur Außenwelt ist nicht. Die Besucher können mit den Schauspielern über Zettel und fallweise Mikrofone kommunizieren und ihnen kleine Wünsche erfüllen. Bittet einer der Isolierten etwa um einen Kugelschreiber, kann man diesen über einen kleinen Briefkasten übergeben. Jeden Tag um 20:45 Uhr zeigen die Künstler außerdem auch Performances, am letzten Tag der Aktion, nachdem sie wieder in die wohlverdiente Freiheit entlassen wurden, kommen sie außerdem zu einer abschließenden Vorstellung zusammen, in der das Erlebte verarbeitet wird – dann endlich außerhalb der Glasboxen.


Ihr alle fragt euch mittlerweile dasselbe, hier die Auflösung: Es gibt Klos innerhalb der Boxen, allerdings in einem kleinen Vorraum, der nicht einsehbar ist. Manche Dinge sollten einfach wirklich isoliert bleiben, nicht wahr?

Geboren wurde die Idee nicht nur von den engagierten Schauspielern, sondern auch von der leidigen Coronakrise. Denn das Theaterfestival Hin & Weg stand, wie alles im Kulturbereich, lange auf der Kippe und musste sich neu erfinden, um auch 2020 stattfinden zu können. „Bitte nicht berühren“ ist in diesem Sinne nicht nur eine künstlerische Aufarbeitung der Isolationsthematik, sondern auch den Corona-Auflagen geschuldet. Die Zuschauer stehen im Freien, die Künstler brauchen erst recht keine Berührungsängste zu haben, schließlich ist hier jede Berührung völlig ausgeschlossen.

Wer junge Künstler in schwierigen Zeiten unterstützen möchte, sollte den Trip ins Waldviertel im Laufe dieser Wochen definitiv wagen. Eine ähnlich gewagtes Experiment wird es so bald wohl auch nicht mehr geben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Affenhitze sich in Grenzen hält. Nicht wegen uns Besuchern, aber bei 35 Grad in einer winzigen Glasbox zu hocken, klingt fast schon lebensgefährlich.