Meinung

Geile Gene

In der Einsamkeit der Ausgangs­beschränkung, die uns die Corona-­Plage beschert hat, sucht man häufiger als damals in den guten alten Zeiten (vor Covid-19) den telefonischen Kontakt zu seinen Mitmenschen. Alles, währenddessen man in einem niemals endenden Crashkurs übt, mit seiner Familie eskalationsfrei zusammenzuleben.

Niemand, den ich kenne, kennt jemanden, der jemanden kennt, der an der Seuche erkrankt oder verstorben ist. Daraus schließe ich, dass mein Freundeskreis aus Menschen mit sehr guten Genen besteht. Keine Vorerkrankungen, keine chronischen Erkrankungen, keine was weiß ich alles … mein doch sehr großer Freundeskreis scheint recht pumperl-
gsund zu sein!

Kein Wunder andererseits – Freunde sucht man sich ja selbst aus, idealerweise nach der Deckungsgleichheit gemeinsamer Vorlieben. In meinem Fall umfasst das in erster Linie die Freude am Konsum alkoholischer Flüssigkeiten – in welcher Konzentration auch immer –, sie reicht von Prosecco über Wodka bis hin zu Absinth.


In weiterer Folge wäre der Genuss von Zigaretten, Zigarren und anderen zu inhalierenden Schadstoffen (kein Crack) zu erwähnen. Trotzdem: Die meisten meiner Freunde leben noch und erfreuen sich wonnig ihres Daseins. Der Rest hat sich durch Sport aus der Evolutionskette geschleudert. Wir sind sie also scheinbar, die Ausnahmen, die mit Freuden die Regel bestätigen, die zum Beispiel besagen, dass einen Rauchen und Saufen üblicherweise als Allererstes aus dem ­Leben scheiden lassen.

Tatsache ist, dass wir ab der Sekunde unserer ­Geburt zum Tod verurteilt sind. Wenn man weniger drüber nachdenkt, lebt man leichter, hab ich also den Verdacht. Ich persönlich bin mit ausgezeichnetem Erbgut, sprich: geilen Genen und einer gewissen arroganten Ignoranz dem Tod gegenüber gesegnet. Das hab ich von meinem Papa, Jahrgang 1933, 64 Jahre lang starker Raucher (Black Panther), bis zum heutigen Tage dem Alkohol nicht abgeneigt, Zweiter-Weltkrieg- und Covid-19-­Überlebender und fit wie ein Turnschuh – danke, Papa, für die geilen Gene.


Elvira Trevira
Fashion is her Profession. Sie kolumniert im WIENER und bloggt unter BLOG-MAG.NET