Motor

Viva la Evolucion!

Kann man etwas nahezu Perfektes noch besser machen? Ja, also zumindest die Leute von Honda können das, wie die neue Africa Twin Adventure Sport beweist. Mehr Power, bessere Ergonomie, State-of-the-Art-Technologie, und fesch ist sie ja auch, die große Japanerin.

Text: Gregor Josel

Mit der aktuellen Africa Twin – und für die ganz Genauen: der ­CRF1100L Africa Twin – hat Honda ja bekanntlich eines der besten und bekanntesten Motorräder der 80er- und 90er-Jahre nach langer Pause von 2003 bis 2016 nun mehr als konsequent und gekonnt in die Neuzeit übersetzt. Nahezu alle bekannten Assets und USPs der ursprünglichen großen Enduro aus Japan, die damals als 650er- und 750er-Variante angeboten wurde, haben Hondas Ingenieure übernommen und mit State-of-the-Art-­Technologie auf Letztstand gebracht. Für das Jahr 2020 und danach hat Honda seinem Groß­enduro-Flaggschiff nochmals ein umfangreiches Update zugesprochen, das die beiden verfügbaren Varianten, Africa Twin und Africa Twin Adventure Sports, noch besser differenzierter macht und vor allem den potenziellen Interessenten der Adventure-Sports-Version, denen die bisherige Version vielleicht eine Spur zu klobig war, nochmals eine Entscheidungshilfe gibt, sich für die neue 2020er Adventure Sports zu erwärmen. Denn trotz üppigen Tanks, der mit 24,8 Litern das Potenzial für 500 Kilometer Reichweite hat, wurde die Adventure Sports 2020 insgesamt schlanker und besser zugänglich, auch für etwas kleinere Fahrer. Den wesentlichsten Beitrag dazu leistet die um fünf Zentimeter niedriger angelegte Sitzbank, die noch dazu auch um vier Zenti­meter schmaler wurde. Das klingt nun in der Theorie nicht überwältigend, aber in der Praxis ist dieser Aspekt in Kombination mit generell etwas schlankerem Format ein Gamechanger: Er macht die Adventure Sport im Vergleich zur eher offroad-orientierten Standard-Africa-Twin zur echten Tourenkaiserin. Mit diesen ergonomischen Maßnahmen wäre jede Klobigkeit also vollinhaltlich beseitigt, denn durch die schmalere und niedrigere Positionierung der Sitzbank fällt das Handling um Klassen leichter, auch die Sitzposition ist damit deutlich aufrechter. Dem Handling zuträglich ist auch das um fünf Kilo reduzierte Gesamtgewicht der neuen Adventure Sports.


Nicht unwesentlich trägt aber auch der neue Windschutz zur gesteigerten Langstreckenperformance bei, der sich in fünf Stufen auf die jeweilige Situation einstellen lässt und auch bei ambitionierter Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn kaum ein Lüfterl an den Fahrerkopf weitergibt.
Wenn man dann also mal oben sitzt auf der neuen Twin, dann sticht als erstes das neue und überaus wertig gestaltete Info­display ins Auge, das mittels Vollfarb-TFT-Touchscreen alle erdenklichen Infos zeigt und über das diverse Systemeinstellungen zu kontrollieren sind. Ebenfalls mit an Bord ist Apple Car Play, mit dem auch auf die Navi-­App zugegriffen werden kann.
Der zweite, wenn auch nicht wirklich nachvollziehbare, Kritikpunkt mancher Zweiradfans galt der im Vergleich zu anderen Groß­enduros etwas zu geringen Motorleistung. Doch auch hier hat ­Honda nachgeschärft. Die Grundarchitektur des Acht-Ven­tile-Paralleltwin-SOHC-Motors bleibt auch im neuen Modelljahr unverändert. Der Hubraum steigt von 998 cm3 auf 1.084 cm3. Das ermöglicht eine Leistungssteigerung von 70 auf 75 kW, also 105 PS (bei 7.500 U/min) sowie ein von 99 auf 105 Nm gewachsenes Drehmoment (bei 6.250 U/min). Dieses Plus macht sich schon ab 2.500 Touren bemerkbar und bringt spürbar mehr Durchzug bis in den oberen Drehzahlbereich. Die zwar extrem spannenden, aber für den Durchschnittsfahrer nicht so relevanten Einzelheiten der unzähligen Verbesserungen am Motor kann man mit einem Satz zusammenfassen.
War man mit der bisherigen Adventure Sports vielleicht nur zu 90 Prozent zufrieden, dann schließt der neue Motor mit seinen verschiedenen Fahrmodi diese Lücke vollinhaltlich und erfüllt auch bereits die EURO-6-Abgasnorm. Das passt für alle und ­jeden und in jeder erdenklichen Lebenslage. Die technische Ausstattung kann sich sehen lassen, so ist serienmäßig all das bis hierhin beschriebene sowie ein Tempomat, Dual-LED-Schein­werfer mit Tagfahrlicht, Heizgriffe und eine 12-V-Steckdose mit an Bord.

Neu ist das optional erhältliche Dämpfungssystem Showa EERATM (Showa Electronically Equipped Ride Adjustment). Die Honda Africa Twin Adventure Sports ist derzeit damit wohl eines der vielseitigsten Motorräder dieser Kategorie am Markt, denn mit ihr kann man, ganz wie vor mehr als 30 Jahren mit ihrer Urahnin, der XRV650, nahezu alles machen. Die neue Ergonomie macht sie leichtfüßig in der Stadt, das Motorupgrade lässt auch das Herz sportlicherer Fahrer höher schlagen, die hohe Reichweite macht den Trip ans Meer ganz einfach, und die Offroadassets lassen auch die ambitionierte ­Geländepartie zu.

Alles in allem kann die neue Africa Twin Adventure Sports vielleicht das letzte Motorrad sein, das man anschafft.

Honda CRF1100L Africa Twin Adventure Sports
Motor: R2, flüssiggekühlt
Hubraum: 1.084 ccm
Leistung: 102 PS / 105 Nm Drehmoment
Antrieb: 6 Gang, Kette
Bremsen: ABS, Doppelscheibe
vorne 310 mm, 256 mm hinten
Sitzhöhe: 850/870 mm
Gewicht (vollgetankt): 238 kg
Tankinhalt: 24,8 Liter
Verbrauch: 4,9 l / 100 km
Preis: ab 17.990 Euro

20YM Africa Twin Adventure Sports