Accessoires

Auf den Schlips getreten …

Die Legende besagt, dass Ludwig XIV. eine Truppenparade in Versailles aufmarschieren ließ, bei der die Soldaten eines kroatischen ­Regiments Schleifen am Kragen trugen, deren Enden über die Brust hingen.

Text: Alex Pisecker / Foto: Getty Images

Louis war entzückt und übernahm diesen pittoresken Look, worauf er sodann einen Cravatier einstellte, der sich um die Pflege dieser „Nouveaux accessoires“ zu kümmern hatte. Das Wort „Krawatte“ lässt sich übrigens auf das französische „à la cravate = nach kroatischer Art“ zurückführen. ­(österreichisch mundartlich Kråwåt = Kroate).


Britische Dandys wie Beau Brummell (er empfahl übrigens, Lederstiefel mit Champagner zu putzen) oder Lord Byron kultivierten Kleidung, Auftreten und Witz – kombiniert mit den formvollendeten Manieren eines Gentlemans verpassten sie der Krawatte einen echten Hype. Hier reden wir jedoch nicht von Krawatten im heutigen Stil. Es handelte sich um ein langes Stoffband, das mehrmals um den Hemd­kragen gewickelt und mit einer prunkvollen Krawattennadel zu einer raffinierten Schleife festgesteckt wurde. 1818 erschien in London dazu das Standardwerk „Neckclothiana“, der Autor blieb allerdings unbekannt.

Erst nach 1860 setzte sich die Krawatte, wie wir sie heute kennen, in Europa durch. Seit den 1920er-Jahren werden Krawatten diagonal zugeschnitten, da sie so beim Binden besser gleiten. Materialien (Seide, Wolle, Strick, PES und Leder), Muster, Farbkombinationen und Streifen unterwerfen sich der jeweiligen Mode ebenso wie die Knoten und die Breite des Schlips. In den 1960ern extrem schmal, folgten in den 70ern kurze, breite Binder. Die klassische Krawatte ist neun Zentimeter breit. Der 18. Oktober gilt als „Welttag der Krawatte“.