Rot, Grün, Blau und kein Umweg
Samsung Micro RGB ist eine neue Fernseh-Technik, bei der winzige rote, grüne und blaue LEDs das Licht gleich in der richtigen Farbe liefern. Was das im Wohnzimmer bringt, wie sie sich von OLED und Neo QLED unterscheidet und welche Größe wohin passt.

Wer je einen Fernseher im Elektromarkt ausgesucht hat, kennt die Wand: dreißig Bildschirme, alle zeigen denselben Papageien, alle behaupten, der buntere zu sein. Die Kürzel darunter heißen QLED, Neo QLED, Mini LED, OLED, und spätestens beim dritten verliert man den Faden. Jetzt kommt ein weiteres dazu. Samsung nennt es Micro RGB, und diesmal steckt tatsächlich eine andere Idee dahinter.
Farbe an der Quelle
Bisher arbeiten LED-Fernseher mit einem Umweg. Ein Teppich aus blauen Leuchtdioden strahlt nach vorne, eine Schicht davor wandelt das Blau in Rot und Grün um, bei Samsungs Neo QLED sind das Quantum Dots, bei den Mini-LED-Modellen eine phosphorhaltige Schicht. Bei Samsung Micro RGB fällt dieser Umweg weg. Die Hintergrundbeleuchtung besteht aus roten, grünen und blauen LEDs, jede laut Samsung unter 100 Mikrometer Kantenlänge, und alle lassen sich einzeln ansteuern. Helligkeit und Farbe werden also direkt dort geregelt, wo das Licht entsteht.
Das hat messbare Folgen. Samsung gibt an, dass die Micro-RGB-Geräte als erste des Hauses 100 Prozent des BT.2020-Farbraums abdecken, also jenes internationalen Standards, an dem sich Ultra-HD-Fernsehen orientiert. Zertifiziert hat das der VDE. Zum Vergleich: Der Neo QLED 65QN90F kam auf 76 Prozent, was für sich genommen schon ein guter Wert ist.
Klein ist hier das Argument
RGB-LED-Fernseher gibt es auch von anderen Herstellern, und die Bezeichnungen klingen zum Verwechseln ähnlich. Der Unterschied liegt in der Größe der Dioden. Kleinere LEDs heißen mehr Lichtpunkte auf derselben Fläche, damit mehr Zonen, die sich getrennt dimmen lassen, und eine feinere Kontrolle über Helligkeit und Farbton. Bei Samsung Micro RGB sind die Leuchtpunkte so klein, dass der Hersteller von deutlich mehr Local-Dimming-Zonen spricht als bei Mini LED, wo die Helligkeit pro Zone geregelt und die Farbe erst in der Konversionsschicht gemacht wird.
Ein OLED funktioniert wieder anders. Dort leuchtet jedes einzelne Pixel selbst und kann sich komplett abschalten, daher das berühmte echte Schwarz. Micro RGB bleibt im Kern ein Fernseher mit Hintergrundbeleuchtung, spielt dafür bei Spitzenhelligkeit und Farbumfang seine Stärken aus. Samsung führt beide Technologien und gibt eine ehrliche Faustregel mit: Wer vor allem im abgedunkelten Raum schaut, ist bei OLED gut aufgehoben. Wer maximale Farbabdeckung will, ein helles Wohnzimmer hat oder eine Diagonale ab 100 Zoll sucht, landet bei Micro RGB.
Zwei Modelle, ein Spezialfall
Die Serie besteht aus zwei Linien. Der R85H kommt in 55, 65, 75, 85 und 100 Zoll und rechnet mit der Micro RGB AI Engine. Das Flaggschiff R95H gibt es in 65, 75 und 85 Zoll, mit der stärkeren Micro RGB AI Engine Pro und der Glare-Free-Beschichtung, die Spiegelungen reduziert. Dazu kommt als Sonderling der MR95F aus dem Modelljahr 2025: Er war Samsungs erster Micro-RGB-Fernseher und misst 115 Zoll, also knapp drei Meter Diagonale.
Rund um das Panel arbeitet viel Software. Color Booster Pro soll gedämpfte Farbtöne erkennen und Nuancen verstärken, Micro RGB HDR Pro holt Details aus hellen wie dunklen Bildpartien, der AI Sound Controller Pro trennt den Ton in Echtzeit in Dialog, Musik und Effekte, damit sich etwa die Stimmen lauter stellen lassen, ohne dass die Explosionen mitwachsen. Dolby Atmos ist an Bord, Vision AI Companion hilft bei der Suche nach dem Programm, Bixby beantwortet Fragen, ohne dass der Film stoppt.
Was Spieler davon haben
Für Gaming nennt Samsung beim R95H bis zu 165 Hertz in 4K, beim R85H bis zu 144 Hertz, jeweils mit variabler Bildwiederholrate und AMD FreeSync Premium Pro gegen Ruckeln und Tearing. Aktuelle Konsolen geben ohnehin höchstens 120 Hertz aus, beide Modelle decken das also mit Reserve ab. Der AI Gaming Optimizer erkennt per Bildanalyse das Spielgenre und passt die Einstellungen an, der Gaming Hub sammelt Konsolen, Apps und Cloud-Gaming an einem Ort.
Fußballabende profitieren laut Samsung vom AI Motion Enhancer Pro, der schnelle Bewegungen scharf halten soll. Für Serienabende gilt, was für jeden großen Fernseher gilt: Der Inhalt muss mitspielen. Wer etwa wissen will, warum ein Tatort aus Wien international gefragt ist, sieht ihn auf so einem Panel jedenfalls in jener Farbe, die sich die Kamera ausgedacht hat.
Welche Größe ins Wohnzimmer?
Samsung gibt eine einfache Faustregel mit: Sitzabstand in Zentimetern durch drei ergibt die ideale Diagonale in Zoll. Wer also auf drei Metern Abstand sitzt, ist bei 100 Zoll. Für das echte Heimkino empfiehlt der Hersteller Samsung Micro RGB ab 85 Zoll, idealerweise mit einer Samsung-Soundbar, die über Q-Symphony mit den Fernsehlautsprechern zusammenspielt. Für Gaming-Setups mit kurzem Abstand reichen 55 bis 75 Zoll. Und wer den Fernseher vor allem als Möbelstück betrachtet, findet im schmalen Metallrahmen zwischen 55 und 100 Zoll genug Auswahl.
Zurück zur Wand im Elektromarkt. Dort wird Micro RGB künftig neben OLED und Neo QLED hängen, und der Papagei wird auf allen dreien bunt sein. Der Unterschied ist diesmal keiner der Marketingabteilung, sondern einer der Physik: Die Farbe wird nicht mehr nachträglich gemacht, sie ist von Anfang an da.
Samsung Micro RGB auf einen Blick
Technik: Hintergrundbeleuchtung aus roten, grünen und blauen LEDs unter 100 μm, einzeln ansteuerbar
Farbraum: 100 % BT.2020 (Herstellerangabe, VDE-zertifiziert)
R85H: 55, 65, 75, 85, 100 Zoll, bis 144 Hz in 4K
R95H: 65, 75, 85 Zoll, bis 165 Hz in 4K, Glare Free
MR95F (2025): 115 Zoll
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