Der Colonel fährt jetzt Ski
Ab 5. Dezember 2026 gibt es KFC auf der Piste: Die Hendlkette eröffnet zwei Lokale in Madonna di Campiglio und Cortina d’Ampezzo. Frittiertes auf 1.700 und 2.123 Metern ist für die einen Après-Ski-Komfort, für die anderen ein Anschlag auf die alpine Hüttenkultur.

Man stelle sich die Szene vor: Mittagspause, Skischuhe offen, Sonne im Gesicht, und statt des Kaiserschmarrn-Pfandls mit Zwetschkenröster landet ein Pappkübel voller panierter Hendlteile auf dem Tisch. Was klingt wie der Fiebertraum eines Marketingchefs nach drei Jagatee, wird in diesem Winter in den Dolomiten Wirklichkeit. Die amerikanische Fast-Food-Kette KFC zieht gemeinsam mit dem italienischen Après-Ski-Betreiber SUPER G in zwei der feinsten Wintersportorte Italiens, wie die Trentiner Tageszeitung l’Adige berichtet.
Wo der Colonel abschwingt
Im Trentino entsteht das Lokal auf der Piana di Nambino in Madonna di Campiglio, auf 1.700 Metern Seehöhe, gleich neben dem Bereich „Meraviglioso Campiglio“, wo ohnehin gegessen, getrunken und nach dem letzten Schwung gefeiert wird. In Cortina d’Ampezzo geht es noch höher hinaus: Auf 2.123 Metern im Skigebiet Faloria-Cristallo zieht KFC in den Faloria Mountain Club ein, jenen Club, den SUPER G am Monte Faloria betreibt. Laut Unternehmen sind es die ersten beiden Schnellrestaurants Italiens, die direkt an der Piste stehen: KFC auf der Piste, in Italien eine Premiere.

Kübel, Wings und Panini
Auf der Karte steht, was man aus der Stadtfiliale kennt: Tender Crispy, scharfe Chicken Wings, Hendl-Burger und der klassische Bucket zum Teilen. Die Idee dahinter ist simpel. Wer zwischen zwei Abfahrten schnell satt werden will, soll nicht auf einen Platz in der vollen Hütte warten müssen. Geöffnet wird die ganze Wintersaison über, von Montag bis Donnerstag von 12 bis 17 Uhr, von Freitag bis Sonntag von 12 bis 19.30 Uhr. Die späte Sperrstunde am Wochenende verrät, wofür die Lokale eigentlich gedacht sind: fürs Après-Ski.
Wir wollen weiter überraschen und Orte erreichen, an denen uns niemand erwarten würde.
Marzia Farè, Marketingchefin KFC Italia
Andrea Baccuini, Gründer von SUPER G, spricht von mehr Auswahl für die Gäste seiner Mountain Clubs. Für KFC ist der Ausflug auf den Berg vor allem Teil einer größeren Rechnung: Bis Ende 2026 will die Kette in Italien auf 185 Restaurants kommen. Zwei davon auf Skipisten bringen mehr Schlagzeilen als zwanzig an Autobahnausfahrten.
Was wäre, wenn …
Um die Fallhöhe zu begreifen, hilft ein kleines Gedankenspiel. Ein Sushi-Förderband beim Heurigen in Grinzing. Ein Leberkässemmel-Automat im Foyer des Musikvereins. Ein Bubble-Tea-Stand neben der Sachertorte im Café Sacher. Die Spritzer-Dose im Wiener Schanigarten. Natürlich würde man sich das alles kaufen, wenigstens einmal, aus Neugier. Und natürlich würde ganz Wien darüber schimpfen, am lautesten jene, die gerade mit vollem Mund kauen.
Genau in dieser Zwickmühle steht jetzt die Piste. Der Kübel ist kein Verbrechen, er ist bloß an einem Ort gelandet, der bisher etwas anderes versprochen hat.

Polenta gegen Panier
Denn die Hütte in den Alpen ist mehr als eine Futterstelle. Im Trentino stehen auf den Karten der Rifugi Canederli, also Knödel, Polenta mit Pilzen oder Strangolapreti, in Cortina die Casunziei, Teigtaschen mit Roten Rüben, die jeder Ampezzaner für das einzig wahre Pistenessen hält. Wer dort einkehrt, isst ein Stück Landschaft, gekocht vom Wirt, der oft genug auch der Bauer von nebenan ist. Die Nachbarn in Alta Badia zeigen seit Jahren, wohin die Reise auch gehen kann: Dort kochen Sterneköche eigene Gerichte für die Skihütten, die Piste als Genussmeile.
Die Gegenrede ist allerdings nicht ganz dumm. KFC zieht nicht in eine alte Schutzhütte mit Zirbenstube, sondern in Club-Areale, in denen ohnehin DJ-Sets laufen. Die Tradition verliert dort also keinen Tisch, den sie vorher hatte. Und die Hütten, die gut kochen, werden nicht leerer, nur weil nebenan Wings frittiert werden. Gefährlich wird es erst, wenn sich der Gast daran gewöhnt, dass der Berg genauso schmeckt wie die Raststation.

Und bei uns in Österreich?
Hierzulande regiert auf den Hütten noch der Kaiserschmarrn, assistiert von Germknödel, Kasnocken und Frittatensuppe. KFC ist in Österreich zwar längst angekommen und probiert auch hier gern Neues aus, wie zuletzt mit dem Doritos-Hendlsackerl, bisher aber im Tal. Ob die Idee über den Brenner wandert, ist offen. Wer allerdings die Entwicklung des Après-Ski in den vergangenen zwanzig Jahren beobachtet hat, würde nicht darauf wetten, dass der Colonel an der Grenze stehen bleibt.
Bis dahin bleibt die Wahl eine sehr österreichische: Man kann sich über den Hendlkübel auf 2.123 Metern ärgern, oder man fährt einfach eine Hütte weiter. Dort wartet der Kaiserschmarrn. Er hat schon ganz andere Moden überlebt.






