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Deep Fake anno 1987: Als der WIENER bei Kurt Waldheim anrief …

Franz J. Sauer

Falsche Politiker? Deep Fake und Computer-Animationen? Alles nichts neues. Bereits vor 35 Jahren im September 1987 rief im Auftrag des WIENER ein falscher bayrischer Ministerpräsident Franz Josef Strauß beim einstmaligen Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim an. Tatsächlich am Rohr: Der damals noch weithin unbekannte Kabarettist Ottfried Fischer.

Auch der WIENER hat ein Herz und es schlägt für unseren Herrn Bundespräsidenten. Lange genug haben wir die dunklen Machenschaften gewissenloser Kreise aus dem fremdesten Land toleriert, die unseren Präsidenten dazu verurteilen, mit dem Finger auf der Landkarte zu reisen. Nach dem Papst und König Hussein ließen wir Franz Josef Strauß eine „spontane“ Einladung aussprechen. Wir konnten einfach nicht anders. Wir mußten unsere Pflicht tun.

Da Franz Josef Strauß neben seinen obligaten Österreich-Beschimpfungen kaum Zeit hatte, Waldheim-Einladungen auszusprechen, machten wir uns auf die Suche nach einem Strauß-Ersatz. In der Person und Figur des bayrischen Kabarettisten Ottfried Fischer werden wir bald fündig. Zusammen mit seinem Partner Jockel Tschiersch hat Fischer schon einmal für die CSU gearbeitet: „Mit Gewalt komisch“ heißt ihr Sketch, indem zwei Bierzeltkomiker von der CSU beauftragt werden, rechtes Kabarett zu machen. Wir treffen Fischer im legendären Münchner Lokal „Alter Simpl“ und testen seine Eignung als Strauß-Imitator. Nach der zehnten Bierrunde ist Fischer engagiert.

Am Sonntag, den 5. Juli, punkt 9 Uhr morgens ruft Ottfried Fischer in der Präsidentenvilla auf der Hohen Warte an. Die 60 Sekunden, die zwischen der Annahme des Anrufs durfch den Sekretär und der Verbiondung an Waldheim vergehen, sind von einer gewissen Spannung gezeichnet. Aber dann ist Waldheim dran: „Eine Freude, Ihre Stimme zu hören“, begrüßt er den „Herrn Ministerpräsidenten“: Die Freude ist beiderseitig. Nur mit Mühe kann sich Fischer das Lachen verbeißen. Die Statements des bisher gewaltig unterschätzen Realsatirikers Waldheim strapazieren selbst die Lachmuskeln  des Berufskabarettisten.

Unser Staatsoberhaupt findet die Idee, neben Strauß beim Oktoberfest-Einzug in der Kutsche zu sitzen (gezogen von garantiert parteilosen Pferden), einfach „schön“. Bereitwillig plaudert Waldheim mit „unserem“ Strauß über seine jordanischen Reiseeindrücke, die von freundlichen Transparenten in Amman und einer unfreundlichen Beate Klarsfeld geprägt waren. IN der Aufregung und Freude über Straußens unverhofften Anruf leidet leider Waldheims Rhetorik. Fischer bemerkt zu seinem Gaudium, dass Waldheim stottert – wie ein Lehrbub, der zu seinem Chef zitiert wird.

Darüber haben wir gnädig hinweggehört. Nicht überhören können und wollen wir jedoch den Mangel an Souveränität unseres Souveräns. Wir nehmen es Dir übel, Kurti, daß du österreichische Wackersdorf-Gegner als „merkwürdiges Konglomerat von allen möglichen Negativisten und Nihilisten“ bezeichnet hast. Wir finden es nicht lustig, dass du dich mit Freude an Strauß’ letzten Opernball-Besuch erinnerst, wo doch wegen des Bayern Blut floß. Und den Gipfel der Unverschämtheit erblicken wir in Deiner Falschmeldung des Jahres: „Die Österreicher haben, wie Sie wissen, die Bayern sehr gern.“

Nachdem man sich beiderseitig einen schönen Sonntag anempfohlen hat, endet das 20münitge Gespräch. Hier die – gekürzte  – Fassung des Telefonats im Wortlaut.

SEKRETÄR (im Amtszimmer des Bundespräsidenten) Grüß Gott!

DER FALSCHE STRAUSS: Ja grüß Gott, hier ist Franz Josef Strauß, München. Könnt’ ich den Herrn Dr. Waldheim einmal sprechen, bitte!

SEKRETÄR: Ja, einen Moment. (Eine Minute Pause)

WALDHEIM: Hallo!

DER FALSCHE STRAUSS: Ja, grüß Sie Gott, guten Morgen, hier ist Strauß.

WALDHEIM: Eine Freude, Ihre Stimme zu hören!

DER FALSCHE STRAUSS: Ganz meinerseits, Herr Dr. Waldheim. Ich rufe Sie hier privat an und Sie werden sich ein bisserl wundern.

Ich rufe Sie privat an und Sie wer’n sich ein bisserl wundern.

DER FALSCHE STRAUSS

WALDHEIM: Bitte!

DER FALSCHE STRAUSS: Aber ich habe ihre letzten Aktionen im Ausland verfolgt und muß Ihnen da wirklich ein großes Kompliment aussprechen. Und ich habe mir gedacht, dass ich Sie nach Bayern einlade, und da wollte ich mal privat vorfühlen: eine wunderschöne Gelegenheit wäre unser Oktoberfest-Einzug.

WALDHEIM: Aha, im Oktober.

DER FALSCHE STRAUSS: Wie sie wissen machen mer jedes Jahr diesen großen Einzug in der Kutsch’n und da haben wir immer einen Repräsentanten eines befreundeten Landes dabei.

WALDHEIM (stottert ergriffen): Ja, ja. Ja, das ist sehr lieb, ö… ö … ö … daß Sie … ö … mich da … ö … im Auge haben …ö. Die Frage ist nur inwieweit man so etwas … Ö … dann … ö … mit Bonn abstimmen muß.

DER FALSCHE STRAUSS: Herr Dr. Waldheim, ich würde es prinzipiell mit Bonn zunächst nicht abstimmen.

WALDHEIM: ja?

DER FALSCHE STRAUSS: Ich mein’, wenn wir die Sach’  inoffiziell durchziehen, ein Zeichen ist damit auch gesetzt, und wenn man bedenkt, beim Oktoberfest, wir haben also sämtliche Fernsehanstalten da.

WALDHEIM: Ja.

DER FALSCHE STRAUSS: Also auch die Amerikaner.

WALDHEIM (belustigt): Ja, ja.

DER FALSCHE STRAUSS: Good Old Germany.

WALDHEIM: hehe

DER FALSCHE STRAUSS: Und es ist vor allem eine übliche Sache, daß bei uns ein offizieller Repräsentant …

WALDHEIM: Eine Persönlichkeit

DER FALSCHE STRAUSS: Eine Persönlichkeit aus dem Ausland …

WALDHEIM: Ja an und für sich g’fallt mir das sehr. Ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie daran gedacht haben, und das wäre — wir würde sich das abspielen, in welcher Form würde das gemacht werden?

DER FALSCHE STRAUSS: Wir würden da drin in der Kutsch’n sitzen, in meiner Kutsche, in der Kutsche des Ministerpräsidenten …

Die Grünen, nicht wahr, Negativisten und Nihilisten.

DR. KURT WALDHEIM

WALDHEIM: Schön.

DER FALSCHE STRAUSS: Da einziehen, der Einzug, der Anstich, es ist ein großes, gesellschaftliches Ereignis hier in München.

WALDHEIM: Ja ja, na das Oktoberfest ist ja berühmt, ich war zwar no ned dort aber ich freu mich sicherlich …

DER FALSCHE STRAUSS (schwer verblüfft): Ach … sie waren noch nie auf’m Oktoberfest?

WALDHEIM: Ich war noch nie dort, nein, haha.

DER FALSCHE STRAUSS: Na dann wird’s ja eigentlich Zeit …

WALDHEIM: Ja.

DER FALSCHE STRAUSS: Und, sind Sie mit ihren eh … Auslandsbesuchen zufrieden?

WALDHEIM: Jo, bin i, bin i sehr zufrieden, Herr Ministerpräsident, ö, es ist alles …ö … bestens, ö, das in Jordanien war also überaus herzlich.

DER FALSCHE STRAUSS: No!

WALDHEIM: Der König selber, net wahr, hat also wirklich alles getan, um diesen Aufenthalt erfolgreich zu gestalten. Es waren in Amman überall Transparente, sehr freundliche Transparente. Aber wer war dort, auch die Frau Klarsfeld (höhnisch) net wahr …

DER FALSCHE STRAUSS: Ha, ha, die is ja überall!

WALDHEIM: Jo jo, aber die ham’s also schnell isoliert.

Also abheben wird man schon noch wenn der Österreichische Bundespräsident anruft.

DER FALSCHE STRAUSS

DER FALSCHE STRAUSS: Ich persönlich habe auch mit der arabischen Welt da unten eigentlich beste Erfahrungen. Man darf’s ja als Deutscher fast nicht sagen, aber die Israelis sind ja doch in gewisser Beziehung eher die Schwierigeren da unten, und ich persönlich halte ja die Araber für die Zuverlässigeren da unten in der Region.

WALDHEIM: Ja, sie sind sehr (bedächtig) … sie sind sicherlich also in der Hinsicht wegentlich verlößlicher. Ich mein’, die Israelis machen halt den Fehler, daß sie die Dinge übertreiben, nicht wahr, daß sie provozierend agieren und auf die Dauer wird das nicht akzeptiert werden. Auch von anderen Staaten nicht. Ich meine, das geht einfach nicht, diese Art der Politik, net wahr? Wir wollen ja eine versöhnliche Politik. Wir strecken immer wieder die Hand aus, nicht wahr, aber sie wird zurückgewiesen. Es kommt ja jetzt in allernächster Zeit dieses Weißbuch heraus, das unser Außenamt herausgibt, wo also genaueres drinsteht, also, aus dem ganz eindeutig hervorgeht, net, daß alle diese Anschuldigungen völlig unberechtigt sind. Da müßte man die ganze Deutsche Wehrmacht auf die Watch-List setzen!

DER FALSCHE STRAUSS: Ganz meine Ansicht, und ich meine, daß das eine großangelegte Aktion ist, um Österreich in der Welt schlecht zu machen.

WIr haben ein reines Gewissen.

DR. KURT WALDHEIM

WALDHEIM: Ja.

DER FALSCHE STRAUSS: … und das betrifft uns Bayern ja letztlich auch dann …

WALDHEIM: Schau’n Sie, es ist natürlich interessant, einen Mann, der zehn Jahre Generalsekretär war und dadurch einen internationalen Namen hatte, nicht wahr, daß man den jetzt sozusagen als Prügelknaben hernimmt, net wahr, weil für den natürlich vielmehr Interesse besteht, las wenn’s der Herr XY ist, dem man das vorwirft.

DER FALSCHE STRAUSS: Das ist ja auch nicht einsichtig: da waren Sie jahrelang Generalsekretär und jetzt auf amal wären Sie a schlechter Hund!

WALDHEIM: Ja, genau, genau! (erfreut) Außerdem bin ich sicher, daß alle vier Großmächte meine Record sehr genau, net wahr, meine Vergangenheit sehr genau durch ihre Geheimdienste studiert haben, net wahr? Also das Ganze ist lächerlich. Ich glaube, was wirklich dahinter ist …. Nach 40 Jahren, wo unsere Generation ja schon weitgehend nicht mehr da ist, net, nicht mehr existiert, aus Altersgründen, net wahr, daß man jetzt versucht, net wahr, die eh … daß diese Kreise versuchen, die Erinnerung an dieses sicherlich furchtbare Geschehen wachzuhalten, indem man also jetzt diese Kampagne wieder aufleben läßt. Nur die Bevölkerung wird immer mehr verärgert darüber. Es waren ja die letzten Umfragen, daß sich eh, daß sich 613 Prozent sich für mich ausgesprochen haben.

DER FALSCHE STRAUSS: Das habe ich gelesen. Ich mein’, es ist ja selbstverständlich die Gefahr eines neuen Antisemitismus überall und der ist auch meiner Meinung nach stark zu bekämpfen. Aber es geht ja andererseits doch wieder net an, daß man deshalb einfach einen Menschen fertig macht.

WALDHEIM: Ja, genau, net wahr ,es is’, ich meine, ich sag’ immer, ihr habt’s euch das falesch Ziel ausgesucht, net? (belustigt) Bei mir ist ja wirklich in der Hinsicht nichts, was also diese Anschuldigungen rechtfertigen würde, ganz im Gegenteil, aber wie gesagt, als Argument anzuführen, ich hätte nicht alle Details meiner Kriegsdienstleistung angegeben und so weiter … da hört sich ja alles auf, net wahr? Ich hab’ ja mein Buch über die zehn Jahre als Generalsekretär net deshalb geschrieben, um meine Kriegsdienstleistung in allen Einzelheiten darzulegen.

DER FALSCHE STRAUSS: Na selbstverständlich. Des is a ganz andere Zeit. Ja, Herr Dr. Waldheim. Sie werden von meiner Kanzlei angerufen. Und dann rufen wir uns wieder zusammen, würd’ ich sagen.

WALDHEIM: Ja, also, ich tu mir da amal vormerken (fröhlich)

DER FALSCHE STRAUSS: Ich hab’ das genaue Datum jetzt nbet da, es ist eine sehr spontane Idee von mir gewesen.

WALDHEIM: Ja.

DER FALSCHE STRAUSS: Und ich finde es an der Zeit, daß man was unternimmt und bei allen Querelen zwischen Deutschland und Österreich oder Bayern und Österreich speziell, also die Chaoten haben wir alle

WALDHEIM: Ja, aber die sind jetzt im Abflauen. Ich hab’ das Gefühl, daß sich das jetzt doch weitgehend beruhigt. Es sind immer die gleichen … diese, die Grünen … und diese Gruppe, net wahr, die, die also gegen alls sind, nicht wahr?

DER FALSCHE STRAUSS: Es geht wirklich bei diesen Typen, bei diesen Chaoten in erster Linie darum, hier erst mal Krach zu machen. Inen ist sonst zu langweilig. Arbeit haben sie auch keine.

WALDHEIM: Na ja. Na und dann wollen sie das Establishment, also die Ordnung stören, nicht wahr. Zum Teil sind ja auch Anarchisten dabei und – also das ist ein ganz merkwürdiges Konglomerat von allen möglichen Negativisten und Nihilisten, nicht wahr?

DER FALSCHE STRAUSS: Ja, selbstverständlich. Ich meine auch … was hier so geschrieben wird über die Differenzen zwischen Österreich und Bayern, im Prinzip sind wir uns ja einig.

WALDHEIM:  … da war immer eine traditionelle Freundschaft, und ich bin überzeugt, daß diese Freundschaft auch dadurch nicht gestört werden kann, nicht wahr? Die Österreicher haben, wie Sie wissen, die Bayern sehr gern …

DER FALSCHE STRAUSS: Ich sag’ immer, wir sind alle Altbayern!

(DER FALSCHE STRAUSS und WALDHEIM lachen)

WALDHEIM: Sehr gut, ja. Na ja, Herr Ministerpräsident, ich würde vorschlagen, also bleiben wir in Verbindung, nicht wahr? Und ich merk’ mir das vor.

DER FALSCHE STRAUSS: Das würd’ ich auch vorschlagen.

…. ich bin Ihr Bewunderer!

DER FALSCHE STRAUSS

WALDHEIM: Ja, ich würde nur dankbar sein, ich glaube, man müßte schon mit den, mit irgendwie, mit ö … ö … mit Bonn amal …

DER FALSCHE STRAUSS: Ich werde das intern klären.

WALDHEIM: Intern abklären, nachdem ich immerhin in meiner jetzigen Funktion … ö … doch also … ö … irgendwie … öööö … Ich mein’, mit die Frage ist, werden Sie das machen? Oder soll ich dann Kontakt nehmen?

DER FALSCHE STRAUSS: Ich werde es selbst zunächst besprechen. Sie können natürlich selbstverständlich auch Kontakt nehmen. Also abheben wird man schon noch, wenn der Österreichische Bundespräsident anruft.

WALDHEIM (ganz spitz): Bitte?

DER FALSCHE STRAUSS: Öh … (versöhnlich) Ich werde persönlich das arrangieren. Ich finde, der bayrische Ministerpräsident, nun, einige Dienstjahr habe ich ja auf dem Buckel, der kann sich das schon erlauben.

WALDHEIM: Das heißt, das ist … Außerdem haben wir eine persönliche Freundschaft hergestellt, äh, über die ich mich sehr freue. Ich ereinner mich gerne noch an Ihren letzten Besuch da anlässlich des Opernballs.

DER FALSCHE STRAUSS: Jaja, das ist selbstverständlich. Dann bedanke ich mich dafür.

WALDHEIM (eifrig): Aber wir tun’s vorläufig also noch, ich meine, also vertraulich behandeln.

DER FALSCHE STRAUSS: Wir behandeln es vorläufig eher noch vertraulich. Herr Dr. Waldheim, ich wünsche einen wunderschönen Sonntag.

WALDHEIM: Danke schön. Ich wünsche Ihnen das gleiche.

DER FALSCHE STRAUSS: Und ich … ich bin Ihr Bewunderer.

WALDHEIM: Das ist sehr lieb. Naja, wir werden’s schon durchstehen.

DER FALSCHE STRAUSS: Wir werden’s durchstehen. Und ich mein’, das haben schon andere überstanden, Herr Dr. Waldheim.

WALDHEIM: Wir haben ein reines Gewissen und wir wissen, daß wir da nichts Falsches oder Schlechtes getan haben, und dieses reine Gewissen hilft mir auch, über diese manchmal ja, wirklich unerträglichen Verleumdungen hinwegzukommen. Aber es war lieb, daß Sie angerufen haben und ich danke Ihnen sehr herzlich und wir bleiben auf jeden Fall in Verbindung.

DER FALSCHE STRAUSS: … weiterhin in Kontakt und ich wünsch’ Ihnen sehr viel Kraft, Herr Bundespräsident.

WALDHEIM: Danke, danke, sehr herzlich. Auf Wiedersehen, Herr Ministerpräsident.

DER FALSCHE STRAUSS: Einen schönen Sonntag.