Goldrichtig
Hoch über Bad Hofgastein steht ein Fünf-Sterne-Haus, das die Regeln der Branche höflich ignoriert. Der erste Beweis trägt einen Vornamen: Walter. Drei Tage verbrachte ich im „Das Goldberg", einem Familienbetrieb im Gasteinertal, der lieber Charakter zeigt als Hochglanz. Und traf…

Hoch über Bad Hofgastein steht ein Fünf-Sterne-Haus, das die Regeln der Branche höflich ignoriert. Der erste Beweis trägt einen Vornamen: Walter.
Drei Tage verbrachte ich im „Das Goldberg“, einem Familienbetrieb im Gasteinertal, der lieber Charakter zeigt als Hochglanz. Und traf auf einen Empfang, der anders ist, eine Chefin, die nicht blendet, und ein Tal, das man dringend öfter besuchen müsste.
TEXT: Gregor Josel · FOTOS: Das Goldberg
Der Empfang trägt einen Vornamen
Es gibt Menschen, die einen Raum betreten und sofort wissen, wie man mit dem Gegenüber spricht. Nicht von oben herab, nicht devot von unten. Auf Augenhöhe. Walter ist so einer. Anfang sechzig, mehr als vierzig Jahre Skilehrer, und man hört es im ersten Satz. Er begrüßt nicht, er nimmt in Empfang. Mit einem Schmäh, der nicht einstudiert wirkt, sondern einfach da ist. In anderen Häusern heißt so jemand „Lobby-Boy“, trägt eine Uniform und ein Lächeln nach Dienstvorschrift. Hier ist Walter das erste Indiz, dass dieses Haus die Dinge anders sortiert.
Das Goldberg liegt allein auf einem Hochplateau, das Gasteinertal zu Füßen, das Bergpanorama der Hohen Tauern im Rücken. Das einzige Fünf-Sterne-Haus im Tal in dieser Lage, seit Januar 2025 mit dem fünften Stern, und trotzdem hat man nie das Gefühl, in einer Trophäe zu nächtigen. Das fängt beim Namen an. Der erinnert an den Goldbergbau, der Gastein zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert reich machte. Und Gold, das wusste man hier schon damals, holt man nicht von der Oberfläche. Man gräbt danach. Geduldig, tief, über Generationen.

Luxus, der gegraben ist
Genau so fühlt sich das Haus an. Der Luxus ist gegraben, nicht aufgetragen. Das Design ist das beste Beispiel, eine ungewöhnliche Mischung aus Alt und Neu, die aufgeht. Heimische Hölzer, Stein, Leinen, Loden und Leder, dazu eigens gefertigte Möbel und ein Goldton, der nie blinkt, sondern nur warm schimmert. Eine überdimensionale Zugbrücke betont den Eingang, in der Lobby zeichnet ein großes Pendel langsam Muster in ein Bett aus Sand, als wollte es einen daran erinnern, kurz langsamer zu werden. Und doch wirkt trotz aller Moderne nichts kühl. Es ist, und das ist das eigentliche Kunststück, heimelig.
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