Hoffmanns Erbe, hübsch verpackt
Die Österreichischen Werkstätten in der Kärntner Straße zeigen schon im September ihre Weihnachtsgeschenke rund um Kristallglas, Schmuck und Tafel-Kultur.

Der frühe Termin ist Branchenpraxis, das Angebot selbst bleibt trotzdem sehenswert: handgefertigte Gläser nach Josef Hoffmann, Schmuck und Tischkultur im Geist der Wiener Werkstätte.
Kärntner Straße, ein Dienstagnachmittag im September, 24 Grad, keine Spur von Christkindlmarkt-Duft. Im Schaufenster der Österreichischen Werkstätten steht trotzdem schon ein Wasserglas, das aussieht, als hätte es Josef Hoffmann persönlich zurechtgeschliffen: klare Kanten, ein Quadrat als Fassung, kein Schnickschnack. Wer im Hochsommer über Weihnachtsgeschenke redet, klingt zuerst wie eine Agentur, die den Kalender verwechselt hat. Bei einem Haus, das seit 1948 beweist, dass gutes Design keine Saison kennt, ist der Vorgriff aber eher Understatement als Hast.

Das Quadrat als Geschenk
Der Star der Aussendung ist unscheinbar: ein Wasserglas im 2er-Set, 19,99 Euro, aus Kristall in Handarbeit gefertigt. Die Form zitiert Josef Hoffmanns berühmtes Quadrat-Muster, mit dem der Architekt und Gründer schon vor über hundert Jahren zeigte, dass eine gerade Linie mehr Charakter haben kann als jede Verzierung. Genau dieses Prinzip trägt die Marke bis heute weiter: hochwertige Materialien, klare Formen, kein Chichi. Für ein Geschenk unter 20 Euro ist das ein ziemlich gutes Stück Wiener Designgeschichte.
Tafel mit Charakter
Wer die Festtafel plant, findet bei den Österreichischen Werkstätten gleich drei fertige Farbwelten. „Olivia“ kombiniert Grün und Gold, „Art déco“ setzt auf Schwarz-Weiß-Gold, „Verona“ auf Türkis und Gold. Porzellan, Gläser, Vasen und Accessoires lassen sich aus jeder Linie frei kombinieren, was aus einem einzelnen Espressotasserl schnell ein ganzes Tafelbild macht. Das ist die Art von Geschenk, die niemand zurückgibt, weil sie sich nicht so leicht doppelt kaufen lässt.
Schmuck mit Handschrift
Bei den Schmuckstücken zeigt sich die Bandbreite: Ein vergoldetes Collier mit Ginkgo-Motiv kostet 169 Euro, ein schwarzer Armreif namens „Judith“ 249 Euro, Ohrhänger im Hoffmann-Grid-Muster 99 Euro. Verarbeitet werden Edelsteine, Perlen, Gold, Silber und Bronze, dazu bei Schals und Kleinlederwaren Merino, Seide, Cashmere und Kalbsleder. Viele Designs tragen sichtbar die Handschrift der Wiener Moderne, mit Anleihen bei Jugendstil und Art déco, ohne dass sie museal wirken.
Zuhause mit Stimmung
Auch fürs eigene Zuhause hat das Haus etwas im Angebot: kunstvoll geblasene Vasen, handgeschöpfte Kerzen wie die Looops-Duftkerze „Waldruhe“ um 48 Euro, dazu edle Stoffe für Pölster und Vorhänge. Ein goldener Teelichthalter für 199 Euro oder eine Buchstütze mit Zinnrahmen zum selben Preis zeigen, dass auch kleine Objekte in dieser Preisklasse Design-Anspruch transportieren, ohne laut zu werden.
Kärntner Straße als Adresse
Wer Weihnachtsgeschenke der Österreichischen Werkstätten lieber in die Hand nimmt, bevor er sie verschenkt, geht in die Kärntner Straße 6. Das Geschäft wurde 2018 komplett umgebaut, das Shopdesign holte sich 2019 den German Design Award, und auf zwei Etagen lässt sich in Ruhe vom kleinen Mitbringsel bis zum Designobjekt durchprobieren. Wer dieselbe Auswahl lieber online durchstöbert, findet sie auf oew.at. In dieselbe Linie gehört, was eine Marke wie Wittmann seit 130 Jahren vormacht: österreichisches Handwerk, das nicht auf Trend, sondern auf Bestand setzt. Wie sehr diese Design-Tradition bis heute nachwirkt, zeigt auch das Gespräch mit MAK-Direktorin Lilli Hollein.
Zurück zum Schaufenster in der Kärntner Straße: Das Hoffmann-Glas steht dort weiterhin ganz ohne Lametta, bei 24 Grad und Spätsommerlicht. Vielleicht ist genau das der Trick. Ein gutes Geschenk braucht keine Kugerln und keinen Punsch, um zu wirken. Es reicht, wenn es das ganze Jahr über steht, ohne dass es jemandem auffällt, bis es zu Weihnachten erst richtig auffällt.











