Aus Acker wird Afrika
Auf dem Eastern Cape in Südafrika ist aus Ackerland wieder Wildnis geworden, mit Elefanten, Löwen und einem Vogel, der den Nashörnern zuerst Panik machte. Das Shamwari Private Game Reserve arbeitet seit 1990 an dieser Rückkehr, auf heute rund 25.000 Hektar malariafreiem Gebiet.

Es gibt Beziehungen, die schlecht anfangen und gut enden. Nashorn und Madenhacker sind so ein Paar. Als im Reservat Madenhacker aus dem Kruger-Nationalpark auftauchten, die rotschnäbligen Vögel, die Zecken und Parasiten vom Nashornrücken picken, reagierten die Dickhäuter mit Panik. Das Projekt schien gescheitert. Einige Zeit später entdeckte man junge Madenhacker im Reservat: Die Vögel waren geblieben, hatten sich fortgepflanzt, und die Nashörner hatten gelernt, mit ihren neuen Begleitern zu leben. Das Reservat erzählt die Geschichte gern, weil sie zeigt, wie eine Landschaft zurückkehrt: nicht nach Plan, sondern nach Versuch und Irrtum.
Elf Jahre bis zu den Big Five
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts hatte die Region einen großen Teil ihres Artenreichtums verloren. Jahrhunderte der Landwirtschaft hatten die Vegetation zurückgedrängt und die Wildtiere vertrieben. 1990 begann das Renaturierungsprojekt. 1992 kehrten Elefanten, Breitmaulnashörner und Flusspferde zurück, 1993 folgten Spitzmaulnashörner und Büffel. Die großen Pflanzenfresser lockerten den Boden, verbreiteten Samen und schlugen Wege durch das Gebüsch. Im Jahr 2000 kamen Geparden, Löwen und Schabrackenhyänen, 2001 Servale und Leoparden. Im selben Jahr wurde Shamwari zum ersten Big-Five-Game-Reservat am Eastern Cape, nur elf Jahre nach dem Start.
Acht trockene Jahre
Wie fragil das Gleichgewicht bleibt, zeigte die Dürre von 2015 bis 2023, mehr als acht Jahre Trockenheit am Eastern Cape. Wasserknappheit bedroht Wildtiere, verändert die Vegetation und begünstigt Bodenerosion. Shamwari setzt deshalb auf einen sparsamen Umgang mit dem Grundwasser: Elektronische Bohrlochüberwachung erfasst die Wasserstände in Echtzeit, damit nicht mehr entnommen wird, als die Landschaft verkraftet. Naturschutz beginnt hier beim Boden und beim Wasser, nicht beim Löwen.
Gegner mit Wurzeln
Dazu kommen invasive Pflanzen. Gebietsfremde Gewächse verdrängen heimische Arten, verbrauchen Wasser und verändern den Boden, womit sie auch die Nahrung der Wildtiere schmälern. Die Shamwari Foundation entfernt sie laufend, kontrolliert Nachwuchs und Keimlinge und dokumentiert die Vegetation regelmäßig, um Veränderungen früh zu erkennen. Wer die Landschaft für unberührt hält, sieht nur das Ergebnis dieser Arbeit.
Buchbar über TUI Österreich
Das Reservat liegt gut 80 Kilometer nördlich von Port Elizabeth, das offiziell Gqeberha heißt, und gehört zur Kollektion „rare finds“ von Kerzner International. In Österreich lässt es sich unter anderem über TUI Österreich buchen, als Fünf-Sterne-Unterkunft mit Vollpension plus. Wie die Lodges aussehen und welche Schutzprojekte es gibt, hat der WIENER bereits beschrieben: Wo Löwen eine zweite Chance bekommen. Mehr zum Reservat auf shamwari.com.
Der Madenhacker hat es vorgemacht: Manchmal besteht Naturschutz darin, dass jemand einfach bleibt, bis die anderen sich daran gewöhnt haben.








