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Diese Woche hassen wir: Biertrinkende Wein-Mitbringer

Sarah Wetzlmayr

Wem haben wir die absurde Annahme zu verdanken, dass es okay ist einen 3-Euro-Veltliner mitzubringen, um dann den Bier-Vorrat des Gastgebers zu vernichten?

Es scheint eine ungeschriebene Regel zu sein, die irgendwann zu zerstörerischen Uni- und WG-Zeiten aufgestellt und seitdem niemals hinterfragt wurde, dass Menschen die Wein auf Parties mitbringen dort hemmungslos Bier konsumieren. Das ist nicht nur ein grobes Missverständnis, sondern sorgt immer auch für ein alkoholisches Missverhältnis. Wer braucht am Tag nach der Party denn schließlich schon 4 halbleere (und an dieser Stelle sagen wir bewusst „halbleer“) Flaschen des billigsten Veltliners, wenn sich der Körper eigentlich nach einem Reparatur-Seidl verzehrt? Eben, genau niemand. Doch die Biere sind alle weg, weil sich die illustren Partygäste, sobald sie ihren grauslichen Veltliner irgendwo im Sichtfeld anderer Partygäste abgestellt haben, sofort ein Bier aufmachen. Weil „na eh“. Niemand denkt an das alkoholische Ungleichgewicht, an dem in diesem Moment geschraubt wird.

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Der Veltliner, den niemand trinken will, bleibt dann bis zur nächsten Party im Kühlschrank, einmal wird möglicherweise Risotto damit gekocht, dann wird er weggeschmissen. Im schlimmsten Fall geht auf der besagten Party das Bier aus, wie auch die spärlich gesäten anderen Alkoholika, die niemand mitbringen will, und die Leute nüchtern aus und haben keinen Spaß mehr. Das bittere Ende jeder Party. Der billige Veltliner ist einfach das Feuerzeug unter den Partygetränken – bleibt er verschlossen, wandert er immer weiter, von einer Party zur nächsten. Als ungeliebter Wanderpokal, der nach Sodbrennen und nächtlichen Muskelkrämpfen schmeckt. Dabei bittet man doch Leute darum etwas mitzubringen, weil man hofft, dass sie dann ihre eigenen Getränke selbst mitnehmen. Doch das weiß man scheinbar nur, wenn man selbst Gastgeber ist. Als Partygast hat man sich dieses Wissen mit viel billigem Veltliner (weil sonst nichts mehr da war) wieder aus dem Hirn gesoffen.