Lokaltest: Birdyard

Den Vogel ­zeigen: Das zweite Lokal der „Mama Liu“-­Betreiber steht im Zeichen der gefiederten Freunde. Sie kommen im Birdyard nicht nur als Wandmalerei vor, ­sondern auch mustergültig auf den Teller.

Text: Roland Graf

Keine Angst! So wenig  das Mama Liu & Sons in der Gumpendorfer Straße ein „Chinese“ ist, so wenig braucht sich der Tierschutzverein um das ­Birdyard ­annehmen. Denn die neue Wirkungsstätte der Brüder Feng und Yong Liu wurde ­deshalb so genannt, weil „wir alle frei wie Vögel sind“. Und diese Freiheit nehmen sich die beiden auch bei der Kombination aus Bar und ­Restaurant. Im Grunde sind es drei ­Räume, die man in der Lange Gasse bespielt, denn neben dem ­Untergeschoß gibt es auch noch eine Art Lounge, die dazu einlädt, den Tag bei einer hausgemachten Limo zu verträumen.

Die bunte Vogelwelt der Lius ist der Hingucker in der Lange Gasse. Foto: (c) Atelier Olschinsky

Wenn wir schon abseits der Küche beginnen, dann gehen wir auch gleich ­weiter an die Bar, die mit ihren Wand­malereien (Vögel, was sonst?) der Traum eines jedes Insta­gramers ist. Für seriöse Trinker hingegen reicht vermutlich der Hinweis, dass hier David Kranabitl am Tresen steht, der bekanntlich bei Wiens kreativstem Bar-Kopf Kan Zuo (The Sign) gelernt hat. ­Cocktails mit dem britischen „Sipsmith Gin“, der passender­weise einen Schwan im Logo führt, sind seine Empfehlung, etwa der „Early Bird“ mit Yuzu und Marille.

Sexy Sour: Die Drinks des Birdyard passen zur bunten Cocktailbar im Souterrain. Foto: (c) Atelier Olschinsky

Und was ist jetzt mit dem ­Essen? Nun, ein kleines braunes Schüsserl, gefüllt mit Creme und einem Oktopus-­Arm darauf, symbolisiert die Küchenlinie im ­ehemals französischen Cabaret am besten. Denn es geht um Tapas-artige Portionen, die einen ­Über­raschungseffekt intendieren. Auf der Karte steht lediglich die Minimalbeschreibung. Dass die ­Kakaocreme zu dem ­butterzarten Oktopus so ein genialer Partner ist, dass man den letzten Tropfen davon ­aufleckt, zeigt die simple ­Präsentation als Teil einer ­cleveren Dramaturgie. Dass die kleinen ­Gerichte in einer solchen ­Qualität auf den Tisch kommen, liegt am Koch-Duo, das früher bei ­Konstantin ­Filippou im Ersten zugange war. Henri ­Diagne und Max Hauf ver­leihen etwa „Dem Lachs“ mit der oft Vogel­futter-artigen Quinoa einen knus­prigen ­Kontrapunkt, und wer keine Angst vor Bries hat, wird die Kombi mit Karfiol lieben.

Feinarbeit: Wechselnde Karte, kleine Gerichte, aber mit Hingabe an die Zutaten. Foto: (c) Atelier Olschinsky

Unbestrittener Höhepunkt ­allerdings ist „Das Huhn“, dessen Bestandteile – herrlich schlatziges Stundenei, Ragout und Hühnerhaut – einzeln gut, gemeinsam aber eine Wucht sind. Man könnte es  ja einfach auch so sagen: Wer nicht einmal ins ­Birdyard schaut in nächster Zeit, hat ­einen Vogel.

BIRDYARD
Adresse: Lange Gasse 74, 1080 Wien
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11:30 bis 22 Uhr (Barbetrieb von 18 bis 2 Uhr)
Info: thebirdyard.at
Preise: Kein Gericht kostet über 8,90 Euro, am besten fährt man also beim Teilen, dann geht sich vom Oktopus bis zum Risotto­bällchen alles aus.
Pflicht-Kauf: Es heißt lapidar „Das Huhn“, das Gericht mit Ei und Hühnerhaut-Chip, allein der Saft dieses Hühnerragouts begeistert. Auch fein: Lamm­bällchen.
Ideal für: Erstes Date. Entweder bleibt sie auf einen Drink, oder man hat einen Grund, allein in die Bar zu gehen.