KULTUR

Idole und Ikonen der WIENER-Redaktion

Wer sind die Persönlichkeiten, die uns beeindrucken, berühren und die uns mitunter auch als Vorbild dienen? Redakteurinnen und Redakteure des WIENER erzählen von ihren Idolen und Ikonen.

David Bowie
Britischer Popstar, Produzent, Schauspieler (* 8. Januar 1947 als David Robert Jones in Brixton, London; † 10. Januar 2016, New York)
Nominiert von: Manfred Sax, Autor und Sex-Beauftragter

„Mein Prophet. Er kam schillernd, also quasi getarnt – in der Abteilung ,Glamrock‘ steckte neben Ziggy Stardust auch Wahnsinn wie Gary Glitter, The Sweet oder Slade. Aber sobald du dich in den Texten verfingst, wurde klar: Das war etwas Besonderes. News aus der Stadt der Suffragetten; der Satz von der Zeit, die eine Zigarette braucht. In einem Bowie-Lied gab es immer was, irgendein Satz passte immer genau in deine unmittelbare Lebenssituation, auch wenn’s nur Trost nach einem beschissenen Tag war. Und wenn mal nichts passte, gab es ,Heroes‘, das passte immer. Ende 1979 sang er davon, dass es Zeit für ein paar Nächte auf der Matte in Kyoto sei (,Move on‘ auf ‚Lodger‘). Hab ich dann gemacht, hat total gepasst.“

LOS ANGELES – 1973: Musician David Bowie performs onstage during his “Ziggy Stardust” era in 1973 in Los Angeles, California. (Photo by Richard Creamer/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Ludwig Wittgenstein
Österreichisch-britischer Philosoph (* 26. April 1889 in Wien; † 29. April 1951 in Cambridge)
Nominiert von: Roland Graf, Genuss-Redakteur

„Meine Ikone keltert nicht, noch kocht oder destilliert sie etwas, aber sie gibt Klarheit im Leben wie kaum jemand, schreibt dabei besser als die meisten. Die LW-Schriften stehen nach jedem Umzug wieder in Klositz-Reichweite. Der Philosophen-King war auch der erste Kopf, der auf eines meiner T-Shirts durfte (nach der Jugendsünde ,Maus‘, Gattin von Zwerg Bumsti). Und auch nicht zu verachten: Die Weltberühmtheit war Wiener.“

UNSPECIFIED : Ludwig Josef Johan Wittgenstein (1889-1951) British philosopher born in Austria. he was a major influence on logic and logical positivism, late 20’s early 30’s (Photo by Apic/Getty Images)

Douglas Adams
Britischer Schriftsteller (* 11. März 1952 in Cambridge; † 11. Mai 2001 in Santa Barbara, Kalifornien)
Nominiert von: Markus Höller, Games-Redakteur

„Douglas Noël Adams, oder DNA, wie er sich selber gerne nannte, lässt schon in seinem selbstgewählten Akronym erkennen, wie ausgesprochen elegant, witzig und leichtfüßig er mit Sprache kokettierte. Der 2001 im Alter von gerade mal 49 Jahren viel zu früh verstorbene englische Schöpfer der ‚Hitchhiker’s Guide to the Galaxy‘-Reihe ist für mich – obwohl wir nicht dieselbe Muttersprache haben – die größte Inspiration und ein ewiges Vorbild für meine eigenen Texte. Seine überbordende Fantasie, das hohe technische und musische Detailwissen, dazu das unvergleichliche Gefühl für Tempo, Rhythmus und vor allem Satzbau bis zur herrlichen Pointe machen jeden seiner Sätze zu einem perfekten Kleinod.“

376095 02: Author Douglas Adams poses for a picture January 1985 in Great Britain. His book ”The Hitchhiker’s guide to the Universe” has been translated into German, Swedish, and French. (Photo by Ed Kashi/Liaison)

Hunter S. Thompson
US-Schriftsteller und Begründer des Gonzo-Journalismus (* 18. Juli 1937 in ­Louisville, Kentucky; † 20. Februar 2005 in Woody Creek bei Aspen, Colorado/Freitod)
Nominiert von: Jakob Hübner, Chefredakteur und Textchef

„His Gonzoness als Ikone? Weil er ein durchgeknallter Egomane war, ein Getriebener, der sich als Outlaw inszenierte, ein Romantiker, der sich als Zyniker tarnte? Ein Selbstzerstörer, der Nahrung vermutlich nur als Drogenergänzungsmittel zu sich nahm? Ein grellbunter Hund, der gestreichelt werden wollte, während er zubiss? Nein. Sondern weil Hunter S. Thompson diesem Leben zwischen Ekstase und Verzweiflung Einsichten und Sätze abringen konnte, deren Klarheit, Weisheit und Schönheit all dem widersprechen. Thompson ist für mich die Gewissheit, dass Intellekt ein Instinkt ist, dem man sich stellen muss. Auch wenn’s weh tut.“

WOODY CREEK,ASPEN,CO, – OCTOBER 12: Hunter Thompson aka Hunter S Thompson aka Gonzo Journalist at his ranch sitting in his Link Trainer on October 12, 1990 in Woody Creek, Aspen, Colorado (Photo by Paul Harris/Getty Images)

J.R.R. Tolkien
Britischer Schriftsteller (* 3. Januar 1892 in ­Bloemfontein, Oranje-Freistaat; † 2. September 1973 in Bournemouth, England)
Nominiert von: Jakob Stantejsky, Motor-Redakteur

„In der Literaturgeschichte tummeln sich zahlreiche Autoren, die sich mit ihrem Schaffen unsterblich gemacht und unvergessliche Klassiker hervorgebracht haben. Doch die Riege der Schriftsteller, die eine gesamte Gattung geformt und begründet haben, ist wesentlich kleiner. J. R. R. Tolkien gehört zweifellos zu dieser erlesenen Gesellschaft, schließlich verdankt ihm die moderne Fantasyliteratur – ich sage bewusst Literatur – ihr Fundament, auf dem eine beispiellose Erfolgsgeschichte entstanden ist. Davon abgesehen hat Tolkien nicht nur eine ikonische Welt erfunden, sondern ihr auch voll entwickelte Sprachen, Rassen und Legenden geschenkt. Als begeisterter Leser kann man dem Briten für sein Werk nur dankbar sein – wie ich es, als ­Fantasy-Liebhaber, von Kindesbeinen an ebenfalls stets war. Denn ohne J. R. R. Tolkien hätte ein Großteil ­meiner ­Jugendliteratur gar nicht existiert.“

2nd December 1955: Taking a relaxing smoke, Fellow of Merton College, Oxford, Professor J R R Tolkien (John Ronald Reuel Tolkien) (1892 – 1973) . Philologist and author of ‘The Hobbit’ and its sequel ‘The Lord of the Rings’. Original Publication: Picture Post – 8464 – Professor J R R Tolkien – unpub. (Photo by Haywood Magee/Picture Post/Getty Images)

Eric Clapton
Britische Gitarren-Ikone (* 30. März 1945 in Ripley, Borough of Guildford, Vereinigtes Königreich)
Nominiert von: Franz J. Sauer, Chefredakteur und Herausgeber

„Als ich 1974 zur Welt kam, durchlebte Eric Clapton bereits seinen ersten Heroin-Entzug, war Mitglied der Supergroup ­Cream und Blind Faith gewesen, startete eben mit ,461 Ocean Boulevard‘ solo durch und begann damit, die Frau seines engen Freundes George Harrisson, Pattie Boyd-Harrisson, spätere Clapton, zu umwerben. Soll heißen: Auch ,Layla‘ war da schon geschrieben. In mein Leben trat Clapton an jenem 30. Juni 1990, der hier abgebildet ist. Die Coolness, mit der er den Saitenriss beim ersten Solo von ,Before you accuse me‘ damals in ­Knebworth wegsteckte, haute mich förmlich aus die Bock. Über die Jahre manifestierte sich EC für mich immer mehr und immer eindringlicher als Ikone der Coolness, sowohl musikalisch als auch punkto Lebenswandel (er war da schon clean, allerdings nie recht trittfest, was sein Beziehungsleben betraf). Heute weiß ich: Eine Welt ohne Clapton wäre für mich ein grauerer Ort. Aber ich bin zuversichtlich. Denn EC wird also von Jahr zu Jahr berühmter, erfolgreicher, legendärer und gleichzeitig nicht merklich älter. Es scheint, als hätte er es seinem Vorbild ­Robert Johnson gleichgetan und irgendwann einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Wie die an den ­Beelzebub abzuliefernde Gegenleistung für scheinbar unendlichen Ruhm und Erfolg nebst gleich­zeitiger Unsterblichkeit aus­sehen könnte, weiß gegebenenfalls freilich bloß Mr. Slowhand himself.“

Eric Clapton performing onstage in Knebworth, England. 1990. Photo by Frank Micelotta/ImageDirect

Pippi Langstrumpf
Astrid-Lindgren-Kinderbuchfigur (* Winter 1941; unsterblich)
Nominiert von: Sarah Wetzlmayr, Online-Redakteurin

„Eigentlich wollte ich nie Pippi sein. Ich wollte lieber Annika sein, ihre schüchterne Freundin mit genau jener Topffrisur, die ich in meiner stärksten Pippi-Phase auch mit Stolz trug. Annika zu sein brachte nämlich auch mit sich, eine Freundin wie Pippi zu haben. Also jemanden, auf den man die Verantwortung im Notfall abwälzen konnte (Pippi regelte das im Normalfall dann mit der großzügigen Verteilung ihrer Goldstücke), der einen aber trotzdem raus aus der schwedischen Kleinstadt- Fadesse (die natürlich für jede mögliche Fadesse stehen kann) und hinein ins anarchistische Taka-Tuka-Land holen konnte. Obwohl ich eines dieser Streberkinder war, also weinte, wenn ich zu krank war, um in die Schule zu gehen, und beim Anblick eines Exekutiv­beamten Mamas Rockzipfel suchte, konnte ich es mir manchmal durchaus vorstellen, beinhart Schule zu schwänzen und einem Polizisten einen Kirschkern ins Gesicht zu spucken. Aber nur mit Pippi. Eh klar.“

(Eingeschränkte Rechte für bestimmte redaktionelle Kunden in Deutschland. Limited rights for specific editorial clients in Germany.) Erster Film der Serie von Kinofilmennach den Romanen der schwedischenKinderbuchautorin Astrid Lindgren:Pippi Langstrumpf (Inger Nilsson)Regie: Olle HellbomSchweden / BRD 1968 / 1969 (Photo by ullstein bild/ullstein bild via Getty Images)

Stephen Hawking
Britischer Physiker und Astrophysiker (* 8. Jänner 1942 in Oxford, England)
Nominiert von: Patrick Schrack, Artdirector

„Stephen William Hawking lebt seit 1963 mit der Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die Ärzte gaben ihm bestenfalls noch ein paar Jahre. Aber Hawking hielt sich nicht daran. Seit 1968 ist er an den Rollstuhl gefesselt, 1985 verlor er die Fähigkeit zu sprechen. Was ihn nicht davon abhielt, zum bedeutendsten Physiker unserer Zeit zu werden. Stephen Hawking hat uns Normalsterblichen das Wesen der Welt auf einzigartige Weise nähergebracht. Vielleicht konnte er das, weil er selbst kein Normalsterblicher ist, sondern eine Ikone der menschlichen Willenskraft.“

LONDON, ENGLAND – MARCH 30: (SUN NEWSPAPER OUT. MANDATORY CREDIT PHOTO BY DAVE J. HOGAN GETTY IMAGES REQUIRED) (EDITORS NOTE: Image has been converted to black and white.) Stephen Hawking attends “Interstellar Live” at Royal Albert Hall on March 30, 2015 in London, England. (Photo by Dave J Hogan/Getty Images)

Tori Amos
US-Singer/Songwriterin (* 22. August 1963 als Myra Ellen Amos in Newton, North Carolina)
Nominiert von: Sandra Keplinger, Modechefin

„Ich muss 17 gewesen sein, als ich das erste Mal die unheimlichen Klänge eines leicht verstimmten ­Bösendorfer-Klaviers und eine mysteriöse Frauenstimme hörte. Tori Amos begleitete mich durch meine Teenage-Angst-Jahre und ist bis heute eine treue Freundin, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Es heißt, dass man seine Idole nie treffen sollte. In ihrem Fall stimmt das nicht: Ich durfte Tori im Mai 2009 für den WIENER interviewen und mit ihr über Gott, Männer und die Welt philosophieren. Wahrscheinlich das anregendste Gespräch, das ich je in meinem Leben geführt habe.“

(c) Blaise Reutersward / Courtesy Sony Music

Joe Zawinul
Österreichischer Jazz-Weltstar (* 7. Juli 1932 in Wien; † 11. September 2007 ebenda)
Nominiert von: Gregor Josel, Herausgeber und Geschäftsführer

„Was macht Jo Zawinul zur Ikone? Nun, für mich persönlich ist es eigentlich nicht nur die Tatsache, dass Joe Zawinul einer der prägendsten musikalischen Influencer des 20. Jahrhunderts war und auch noch nach seiner ‚Erdzeit‘ sein wird. Und einer, der die ­Entwicklung moderner Musik in verschiedensten Facetten maßgeblich geprägt hat. Zur Ikone macht ihn vor allem aber auch der Weg, den er ging. Ein Bursch aus Wien Erdberg, der – gesegnet mit Talent – versuchte, die Welt mit Musik einerseits begreifbarer und damit ­andererseits zu einem besseren Platz im Universum zu machen. Ganz egal, welche ­Hautfarbe, welche Herkunft und welche Bildung man genießen durfte: Es gab für ihn nur zwei Arten von Musik, nämlich gute und schlechte. Oder um es in den Worten von Joe Zawinul zu sagen: Es is’ net schwarz, es is net weiß, aber es groovt!“

UNSPECIFIED – CIRCA 1970: Photo of Joe Zawinul Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images

John McEnroe
US-Tennisprofi (* 16. Februar 1959 in Wiesbaden)
Nominiert von: Manfred Rebhandl, Kolumnist und Chef-Interviewer

„Die Fläche eines Tennisschlägers war mal so groß wie ein kleiner Teelöffel und die Saiten waren aus echten ­Därmen, der Rahmen aus Holz. Derjenige, der damit am besten umgehen konnte, hieß Mr. John McEnroe. So nannten ihn die Schiedsrichter immer nach einer erfolgreich ­geschlagenen Schlacht, es klang am besten in Flushing Meadows: ‚Game, Set and Match: Mr. John McEnroe.‘ ­Während solcher Schlachten stellte er sich immer so zum Aufschlag an die Grundlinie, dass er irgendwohin schaute, aber nicht nach vorne. Dann drosch er sein 1st Serve hi­nüber auf die andere Seite mit einem Spin, auf den nur der Stoiker Björn Borg eine Antwort hatte. Der gewann dann auch meistens, aber er gewann nie mein Herz. Das gehörte für ewig dem rüpelhaften Mister aus New York.“

American tennis player John McEnroe pictured in action during competition to progress to win the final of the 1980 US Open Men’s Singles tennis tournament at the USTA National Tennis Center at Flushing Meadows in New York in September 1980. (Photo by Leo Mason/Popperfoto/Getty Images)

Marcello Mastroianni
Italienischer Schauspieler (* 28. September 1924 in Fontana Liri; † 19. Dezember 1996 in Paris)
Nominiert von: Martin Swoboda, Reise-Redakteur

„Mein Papa hat mir dringend ein Vorbild empfohlen, dem ich nacheifern könnte. Das war im Sommer 1970, im August habe ich Jochen Rindt getroffen, zum Vorbild erkoren, drei Wochen später diese Entscheidung revidiert. Immerhin fahre ich seither unfallfrei. Bald darauf begannen die endogenen Drüsen mit ihrer Testosteronproduktion, den Italienischunterricht gestaltete der Professore mit Filmvorführungen ausgesprochen kurzweilig. Er brachte uns damit nicht nur die Sprache und das Land näher, in das er als Widerstandskämpfer 1942 geflüchtet war, sondern auch ein befreiendes Lebensgefühl. Ob er ahnte, dass ich bei ihm eine Ähnlichkeit mit Marcello Mastroianni zu entdecken vermeinte, weiß ich nicht, Letzteren beneidete ich aber in jedem seiner Filme, nicht nur – aber natürlich vor allem – wegen der traumhaften Frauen, mit denen er großartige Dialoge hatte. Und nicht nur das! Auch rauchen durfte er mit einigen, das tat er mit Stil, die Bilder haben sich mir eingeprägt. Weil nun Ikone vom griechischen eikón, Bild, abgeleitet ist und mir Mastroiannis Mannsbild stets vor Augen steht, dient er mir seit Langem als Ikone.“

Actor Marcello Mastroianni looking smashingly debonaire in a scene fr. the movie Marriage Italian Style. (Photo by Alfred Eisenstaedt/The LIFE Picture Collection/Getty Images)

Michelle Obama
US-Anwältin (* 17. Januar 1964 in Chicago, Illinois)
Nominiert von: Heidi List, Kolumnistin

„Meine Ikone ist Michelle Obama. Sie hat alles. Sie ist klug, sie ist tough, sie ist elegant, sie hält unglaublich tolle Reden, sie ist witzig, sie hat ein faszinierendes Gespür für Gesten. Und wer sie tanzen gesehen hat, ist verliebt.“

PHILADELPHIA, PA – JULY 25: First lady Michelle Obama acknowledges the crowd during her speech on the first day of the Democratic National Convention at the Wells Fargo Center, July 25, 2016 in Philadelphia, Pennsylvania. An estimated 50,000 people are expected in Philadelphia, including hundreds of protesters and members of the media. The four-day Democratic National Convention kicked off July 25. (Photo by Jessica Kourkounis/Getty Images)

Jochen Rindt
Österreichischer Rennfahrer (* 18. April 1942 in Mainz; † 5. September 1970 am Autodromo Nazionale Monza)
Nominiert von: Maximilian Barcelli, Motor-Redakteur

„75 Jahre alt wäre Jochen Rindt 2017 geworden. Was ihn für mich zu einer Ikone macht? Klar, da wäre das Offensichtliche: Immerhin war Rindt der erste österreichische Formel-1-Weltmeister – noch fünf Jahre vor Lauda. Dass er diesen Titel posthum gewann, nachdem er in Monza tödlich verunglückt war, spielte der Legendenbildung natürlich auf traurige Weise in die Hände. Für mich repräsentiert Rindt aber vor allem eine Motorsport-Epoche, der ich mit enorm viel Respekt begegne. Nur die Mutigsten wagten sich damals in die Boliden – dass es in einer Saison keinen Toten gab, war mehr Ausnahme denn Regel.“

Jochen Rindt sitting in his car, a Lotus 72, during the British Grand Prix held at Brands Hatch on 18th July 1970. (Photo by Joe Bangay/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images)

Oscar Niemeyer
Brasilianischer Architekt (* 15. Dezember 1907 in Rio de Janeiro; † 5. Dezember 2012 ebenda)
Nominiert von: Anneliese Ringhofer, Chefin vom Dienst

„Oscar Niemeyer ist für mich der bedeutendste Architekt des 20. Jahrhunderts. Der Visionär mit Schaffensdrang hat mit großer Intuition Aufträge geplant, insgesamt sind es an die 600 Bauten weltweit, darunter die Planstadt Brasilia (1957 bis 64), das UN-Hauptquartier in New York (1952), das Interbau-Wohnhochhaus im Berliner Hansaviertel (1957) oder das Museum für zeitgenössische Kunst Niterói (1991). Seine monumentale und dennoch luftig-leicht wirkende Architektur fasziniert mich. 2007 kniete ich vor seinem UFO-förmigen Museum Niterói, anschließend ging ich eine Woche lang vor seinem Büro an der Copacabana auf und ab, in der Hoffnung, ihm zu begegnen. Dem deklarierten Kommunisten, der sich mit sozialen Utopien wie Brasilia auch der Klassenfrage widmete, dem Architektur-Visionär, der freie, sinnliche Kurven in Beton goss. Ein Ziel meiner Reise nach Rio de Janeiro war familiärer Natur, das zweite wurde zu meinem unerreichten Lebensziel: Oscar Niemeyer anlässlich seines 100. Geburtstages zu interviewen. Noch von Wien aus telefonierte ich mehrmals mit seiner Frau, wir plauderten viel, verstanden uns prächtig, sie auf Portugiesisch, ich auf Englisch. Der Grund meines Anrufs kam ­inhaltlich nie bei ihr an. ‚Eu naoentendo a Senhora!‘, heute weiß ich, was das heißt.“

“Brazilian architect Oscar Niemeyer (Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho) lighting a cigarette in his studio. The Italian publisher Giorgio Mondadori has recently commissioned the architect to build the new headquarters of Gruppo Mondadori. Segrate, 1968 (Photo by Mondadori Portfolio via Getty Images)”

David LaChapelle
US-amerikanischer Fotograf und Regisseur (* 11. März 1963 in Simsbury, Connecticut)
Nominiert von: Maximilian Lottmann, Fotochef

„David LaChapelle ist der einzige Fotograf, der mich – als bekennenden Fan von schlichten Schwarzweiß-Bildern – beeindruckt, obwohl seine Arbeiten farblich sehr intensiv sind und seine Szenerien geradezu übergehen vor schrillen Inhalten. Trotz komplett abgefahrener Motive ist sein Zugang zur Fotografie sehr ernsthaft und voller Respekt vor dem Handwerk. Der erste Bildband, den ich je erworben habe, ist von ihm (,Hotel LaChapelle‘ von 1999), und beim Studieren dieser Fotos habe ich gelernt, dass man innerhalb eines Bildes eine Geschichte erzählen muss, die zwar klar verständlich ist, dem Betrachter gleichzeitig aber genug Spielraum lässt, um sich selbst hineinzuversetzen.”

David LaChapelle during 2005 Sundance Film Festival – “Rize” Portraits at HP Portrait Studio in Park City, Utah, United States. (Photo by J. Vespa/WireImage)

Helmut Lang
Österreichischer Modedesigner und Künstler (* als Peter Scepka am 10. März 1956 in Wien)
Nominiert von: Wolfgang Wieser, Stil-Redakteur

„Sehr schwierige Frage. Weil warum? Weil der er­wachsene Mensch irgendwann weder Vorbild noch Galionsfigur braucht. Angehimmelt wird in jungen ­Jahren. Gedenkt man, mit der Bezeichnung ‚Ikone‘ Menschen zu würdigen, die einen beeindruckenden Lebensweg beschritten haben, entscheide ich mich für Helmut Lang: vom Kellner zum Künstler, mit bis heute wirksamem Zwischenstopp als Designer von Welt­geltung – das hat was. Ist sozusagen für alle Zeiten Starschnitt-verdächtig.“

PARIS, FRANCE – OCTOBER: Model Stella Tennant and fashion designer designer are photographed discuss the show backstage for Vogue Magazine in October 2003 in Paris, France. CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast/Contour by Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast/Contour by Getty Images)