STIL

Der Styler hinter der Linse

Betrachtet man das Foto hier, könnte man meinen, Goran Andric wäre ein Model. Ist er aber nur teilweise. Normalerweise rückt der Wiener Fotograf andere Menschen ins scharfe Licht.

Foto: Goran Andric

In der Ruhe liegt die Kraft. Wer Goran Andric kennt, meint diesen Lebensgrundsatz des in Bosnien geborenen Wieners durch und durch zu spüren. Eine Aura des Beruhigenden, Marke „alles wird gut“, durchströmt einen Menschen, der stets den Eindruck vermittelt, alles im Griff zu haben, sich von nichts aus der Ruhe bringen zu lassen, Elemente wie Licht, Moment und Optik wie ganz von selbst im goldrichtigen Verhältnis in einander laufen zu lassen, was letztlich ebenfalls wie ganz von selbst ein exaktes, fast zu schönes Abbild von der Realität erzeugt.


Von der nötigen inneren Unruhe, die letztlich die Multidimensionalität von Goran Andrics Fotos ausmacht, zeugt lediglich ein stets wacher Blick, der nicht zu viel verrät, aber alles erfasst, viel mehr als das Wesentliche, das es für ein gutes Foto bräuchte. Goran Andric spürt seine Motive – und da spielt es keine Rolle, ob das, was sich im Sucher seiner hochwertigen Ausrüstung spiegelt, lebendig ist oder nicht.

Architektur, Beauty, Fashion und Porträts mit besonderem Hang zu Ballet bzw. Tanz – diese Begriffe umschreiben jene Bereiche, denen sich der Fotograf mit jener Hingabe widmet, die man nur aufbringen kann, wenn man die Fotografie als einen zum Beruf gemachten Lebenstraum versteht. Dass einer wie Andric hierbei wie ganz von selbst stets darauf achtet, ein seiner Kunst entsprechendes Bild abzugeben, versteht sich irgendwie von selbst. So sehr von selbst, dass Goran selbst stets leugnet, über Gebühr auf sein Äußeres zu achten.

Das mag Koketterie sein, ist es aber vielleicht auch nicht – wir werden es nie herausfinden, und er selbst wird es uns nicht verraten. Wozu auch? Das Auftreten von Goran Andric ist stets ebenso stimmig wie das Layout seiner Fotografie. Und dass der Mann höchst detailverliebt ist, weiß jeder, der ­einmal mit ihm gearbeitet hat.

Vor allem Künstler schwören auf die inspirierende Arbeit mit einem Fotografen, der sich selbst kaum in den Vordergrund rückt, stets nur seiner Arbeit den Stellenwert einräumt, den sie braucht. Ebenso geht Goran Andric mit seinem eigenen Auftritt um. Im ­Leben wie auch und vor allem hinter der Kamera.


Personal
Goran Andric (48) wurde in Tuzla (Bosnien) geboren und lebt seit über 30 Jahren in Wien. Er interessierte sich schon immer für Fotografie und, wie er sagt, „schöne Dinge“. Aus einem engagiert betriebenen Hobby ergab sich vor etwa 15 Jahren ein Beruf, der immer mehr Raum greift im Leben des Familienvaters. Vor allem das Wiener Staatsopernballett hat in ihm einen soliden Porträtisten gefunden, dessen Werk sich längst international fortpflanzt. Mehr zum Werk von ­Goran Andric unter: ga-photography.at