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Maria Braun, Du fehlst so sehr …

Sie war das Wiener Szene-Girl schlechthin, kannte jeden, oder zumindest jeder kannte sie, der auf gute Musik, Feierlaune und schönen Schmäh stand. Seit 2012 feiert Maria Braun woanders weiter. Es muss irgendwo da oben sein …

Text: Franz J. Sauer / Foto: Helga Hurnaus

Ich weiß, Du rümpfst die Nase wenn ich jetzt „da oben“ schreibe. Aber ich meine das nicht so. Also, so wie Du glaubst, dass ich das meine. Ich bin da viel trivialer unterwegs. Dort, wo Du bist, ist nämlich oben. Das war schon immer so. Warum sollte es also nun anders sein?

Es war das „U4“ der frühen Neunzigerjahre, als wir Dich kennenlernten. Als Du auftratst, mit Deiner ungeheuren Luftverdrängung. Maria Braun erschien, Du konntest sie spüren, als sie an der Garderobe vorbeischwebte, selbst wenn Du da noch mit dem Pauli, dem Horsti, dem …, wie sie alle hießen, im kleinen Raum am Wuzler hingst. DJs widmeten ihr Hymnen, ganze Tanzwettbewerbe (Pulp Fiction und so) wurden um sie herum geschmiedet. Zu Recht alleweil. Nicht umsonst und ganz unzufällig bekamst Du bald den Ehren-Titel „Uma Thurman“ von uns Schüchtis verliehen, die wir uns so lange nicht getrauten, Dich Göttin anzuquatschen. Oder auch nur ein paar Blicke von Dir oder Deiner Schwester (vulgo „Julia Roberts“) zu erhaschen.

Dabei warst Du gar nicht so, wie Du es Dir immer hättest leisten können, zu sein. Arrogant, über den anderen stehend, ob Deiner Präsenz, Deiner Ausstrahlung, Deiner Schönheit. Mitnichten. Jovial warst Du sogar, jedem Schmäh gegenüber offen. Und war es kein guter, dann bekam man das sowieso bald zu spüren. In feinster Weise, vornehm fast. „Das probieren wir nochmal, junger Freund, gö?“ Und ein Strahlen, in das man sich hineinlegen konnte, dazu.

Bald waren es alle Clubs von Wien, und nicht mehr nur das „U4“, die Du zum Strahlen brachtest. Mit Deiner Anwesenheit adeltest, mit Deiner Fröhlichkeit würztest. Immer einen halben Kopf über all den anderen, nicht nur Deiner epischen Größe von über 180 cm geschuldet. Immer warst Du da. Irgendwo, überall. Auf Magazin-Covers, am Bass der Band, die das Bambi killten. Und auch wenn man sich schon ein Jahr nicht mehr getroffen hatte, schien es, als wäre man nur kurz an der Bar gewesen.
Mareia Keri. Einer Deiner Blödelnamen, mit ­denen Du Dich nach kurz gefassten SMS, die ­darüber informierten, wo man sich heute Abend herumzu­treiben habe, verabschiedetest. Irgendwann dann plötzlich für immer. Fassungslos …

Diesen Sommer wird es sein, ich weiß es ganz bestimmt. Da kommst Du im „VoGa“ um die Ecke und rammst Dich mir mit einem brachialen „Hööö!“ in die Seite. Dann kann der Spaß beginnen. Ich freu mich schon drauf. Bis bald, Maria …