Meinung

#Konsum

Alle Jahre wieder möge man meinen, nach der weihnachtlichen Konsumorgie hätte sich die Situation etwas beruhigt – Irrtum, das Völlern geht in jeder Hinsicht weiter. Fette Einkaufstaschen, einerseits mit den Logos großer Ketten, andererseits mit den noblen Prägungen der Premium-Brands verziert, definieren (nach einer kurzen Corona-Pause) weiterhin unser Straßenbild.

Geld ist anscheinend abgeschafft. Macht nix – dafür gibt es Kreditkarten. Was steckt denn da drin in den Säcken, die aufgebläht wie Cholerabäuche aus den diversen Konsumtempeln gezerrt werden? Vornehmlich Modeartikel.

Selbst der uninformierte Ignorant sollte in der Zwischenzeit behirnt haben, dass die Textilindustrie für einen Großteil der human-ökologischen Kata­strophen auf diesem Planeten verantwortlich ist.


Man blicke in Richtung Westen auf die nord­amerikanischen Baumwollfelder: Dort und überall anders wird unser durstiges, kapriziöses Baumwollpflänzchen mit Millionen Tonnen Pestiziden ­besprüht. Die dadurch an Krebs erkrankten Baumwollfarmer werden sodann mit Medikamenten ­desselben Konzerns, der die Schädlingsbekämpfungsmittel herstellt, behandelt.

Die Baumwollindustrie zeichnet auch für die Austrocknung des Aralsees (ursprünglich viertgrößter See der Welt – Zuflüsse wurden gekappt, um Baumwollfelder zu bewässern, sein Wasservolumen hat sich um 70 Prozent verringert) verantwortlich.

Große Konzerne verkaufen uns nun – da „Nachhaltigkeit“ marketingtechnisch gerade voll hip ist – „Conscious Fashion“ und ähnlichen Unsinn. Der Preis allein – etwa ein Kleid um 9,99 Euro – macht stutzig.
Wie die Textilindustrie mit Mensch und Umwelt verfährt, ist der breiten Masse nicht richtig klar, vielen ist es einfach egal. CO2 ist momentan viel schicker, dabei verzichtet man persönlich auf nichts. Wie etwa auf ein neues T-Shirt, zu dessen Herstellung 2.720 Liter Wasser benötigt werden – beinah der Jahresbedarf eines Menschen (3.000 Liter).


Elvira Trevira
Fashion is her Profession. Sie kolumniert im WIENER und bloggt unter BLOG-MAG.NET