Essen

Ordentlich anrauchen!

Das spätsommerliche Redaktions-BBQ haben wir zum Anlass genommen, eine hierzulande noch relativ unbekannte Variante des Grillens zu begutachten, nämlich das Befeuern der Fleischeslust mittels Pellets-Grill.

Text: Gregor Josel / Fotos: Eryk Kepski, Gregor Josel

Als ich im zarten Alter von 13 oder 14 die ersten eigenen Grillversuche startete, da war Grillen noch recht martialisch. So wie das auch ganz früher mal gemacht wurde, als wir uns mit dem Sprechen und aufrecht ­Gehen noch nicht so leicht getan haben (obwohl …) und in der Höhle wohnten. Feuer machen, warten, bis es glüht, Rost drüber, Fleisch drauf, fertig. War auch ganz lustig, aber in den ­Variationsmöglichkeiten doch eher ­eingeschränkt.

Der Traeger Ironwood 650 ist der kleinste der Ironwood-Serie, bietet aber trotzdem schon Platz für bis zu sechs Hühner oder Schweineschultern. Womit die WIENER-Redaktion rein zahlenmäßig reinpa… Ach, lassen wir das.

In den letzten zehn Jahren­ hat sich das Thema Grillen ­allerdings in unglaublicher ­Weise gewandelt, und alleine die ­Frage, welchen Grill man sich zulegt, sorgt bei echten Grillfans schon für Schulterzucken und verständnislos leere Blicke. Denn was zur Hölle meint der Gegenüber mit „einem Grill“? Heute hat man zumindest mal einen klassischen Holzkohlegrill für die schnelle und hohe Temperatur, und dann wird es schon diffiziler, denn eigentlich muss ein Smoker ins Haus, aber auch ein Gasgrill hat seinen Reiz.

Hierzulande noch nicht ganz alltäglich ist aber eine Variante des Grillers, die das Beste aus verschiedenen Welten miteinander vereint: Denn greift man zum Pelletgrill, in unserem Fall zum neuen Traeger Ironwood 650, dann ist man für ziemlich alle Eventualitäten gut gerüstet, denn vom klassischen Grillen bis Räuchern und Smoken à la low and slow ist mit diesem Wunderwerk der Technik ziemlich alles ­möglich.

Die 1987 in Salt Lake City gegründete Marke Traeger besinnt sich auf die Ursprünge des Grillens und auf Lösungen zur Verbesserung des Kocherlebnisses im Freien und setzt dabei auf ein einfaches wie geniales Prinzip, das man hierzulande vielleicht aus dem Hausbau in Form der guten alten Hackschnitzel-Heizung kennt. In den Traeger-Grills werden ähnlich wie bei der Hausheizung nämlich Holzpellets, die es in verschiedenen Geschmackrichtungen, ­z. B. Apfel, Hickory oder Kirsche gibt, mittels Transportschnecke vom seitlichen Behälter in die Grillkammer befördert, wo sie anschließend unter Zufuhr von Luft verbrennen. Übrig bleibt von den verbrannten Pellets praktisch nichts bis auf ein wenig Asche, die man ab und an mit dem Staubsauger entfernt! Und das ist auch schon mal ein echtes Asset der Grills, denn das mühsame Entsorgen von Kohleresten bleibt damit aus.

Gesteuert wird das ganze mittels elektronischer Steuerung am Gerät oder via Smartphone-App, mit der man den Grill von überall aus (sofern Grill und Smartphone im gleichen WLAN hängen) steuern und vor allem auch programmieren kann. Was speziell für das Smoken essenziell wichtig ist, da man die verschiedenen Temperaturphasen eben vorab einstellen kann.
Der Grill kommt wirklich sinnvoll verpackt und vor allem mit sämtlichem Werkzeug und lässt sich mühelos in rund 40 Minuten aufbauen. Wir haben uns für den ersten Einsatz des neuen Grills zwei Mitgliedern der heiligen BBQ-Dreifaltigkeit (Pulled Pork, Brisket und Spareribs) gewidmet und haben zu einer für den durchschnittlichen Journalisten vollkommen unchristlichen Zeit das Pulled Pork in Form ­einer rund drei Kilo schweren Schulter vom Strohschwein und Spareribs von eben demselben bei 110 Grad für einen guten ganzen Tag auf den Rost gelegt. Die Temperatur des Grills wird über die gesamte Dauer perfekt gehalten, und auch die Rauchentwicklung beim Smoken ist zu vernachlässigen, man nervt auch keine Nachbarn damit.

Im Vergleich zum Smoken mit herkömmlichen Grillern ist das Arbeiten mit dem Traeger Ironwood 650 ein Genuss, denn man kann sich eigentlich vollinhaltlich anderen Dingen widmen, und wenn dann doch mal die ­Pellets gar werden, schreit die App zuverlässig und gibt auch Laut, sobald die gewünschte Temperatur mittels Kerntemperaturfühler erreicht ist.

Erstaunlich ist jedenfalls das Aroma, das man mit dieser Art des Smokens erreichen kann. Je nach Belieben kann man mittels „Supersmoke“-­Funktion auch nochmal eins drauflegen, doch rundum ist das Ergebnis perfekt gelungen. Mit diesem Grill ist auch das Thema Wintergrillen für die nicht ganz so Winterfesten unter uns durchaus ein Thema, denn, wie gesagt, steuern kann man das Ganze gemütlich vom warmen Wohnzimmer aus. Für die meisten BBQ- und Grillfans ist ein Traeger-­Grill durchaus eine Alternative zu zwei unterschiedlichen Grills, denn mit ein paar wenigen Handgriffen und einer Sear-Platte kann der Grill auch direkt nach oben zum Rost feuern, und man bekommt damit auch genügend Hitze, um ein großes Steak bei hoher Temperatur zu versiegeln und mit den gewünschten Röst­aromen zu versehen. Mit rund 1.599 Euro ist der Traeger nun kein echtes Schnäppchen, Verarbeitung und vor allem Funktionalität rechtfertigen den Preis jedoch allemal.


Fakten
Traeger Ironwood 650: Wifi Pelletsgrill mit WiFire Technologie, Direktantrieb, TurboTemp, GrillGuide, Doppelte Seitenwandisolierung und Pelletsensor, Preis: 1.599 EUR

Kapazität: 6 Hühner / 6 Schweineschultern oder 5 Ständer für Spareribs
Temperaturbereich: 75 bis 260 Grad
Info: www.traegergrills.com


FAZIT
Schwierigkeitsstufe: Dank zahlreicher Rezepte in der App auch für BBQ-Anfänger geeignet.
Passt für: Jeden, der auf einen Zweit- oder Drittgrill verzichten möchte.